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🎲Gewinner Schaurig-Schöne Weihnachten

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Isla

24, Weiblich

  10. Wannabe Poet

Ambitionierter Teilnehmer

Beiträge: 905

🎲Gewinner Schaurig-Schöne Weihnachten

von Isla am 05.12.2021 19:36

Auch das Schaurig-Schöne hat ein Ende


Und in diesem Falle ist es unser Wettbewerb der endet. Aber wer wäre ich, wenn ich vor der Bekanntgabe der Gewinner nicht noch ein paar Zeilen schreibe?



Wir bedanken uns ganz herzlich fĂĽr die rege Teilnahme und fĂĽr all die wundervollen Einsendungen. Das Feedback war nur positiv und ich bin mir sicher, dass ihr mindestens genauso viel SpaĂź am Erstellen eurer Werke hattet, wie wir beim Ansehen, Lesen und Staunen.



Die Arbeit innerhalb der Teams hat zu groĂźen Teilen wundervoll funktioniert und vielleicht haben sich dadurch auch neue Freundschaften geschlossen, wir wĂĽnschen es euch von Herzen.

Unsere Gewinner sind:

Lapislazuli

Acezerantis

Silber22

Bomml

Lucifer

Honeybird

Niemand

Ithoughtiwasanalien

Yoshi0125

Nyani

Aufgrund von gleich-Platzierungen sind es mehrere Personen geworden.

Platz 1 der Schreiber ist:

Lapislazuli

Platz 1 der Zeichner ist:

Acezerantis



Ich bin sehr glücklich euch nun die Einsendungen präsentieren zu können und freue mich auf euren regen Austausch dazu. Die Einsendungen erfolgen von meiner Seite her anonym mit Nennung der Nummer, welche ich euch per privater Nachricht geschickt habe. Wenn ihr das möchtet, könnt ihr in den Kommentaren gern preisgeben, welches Werk von euch ist.



Wir wĂĽnschen euch eine besinnliche Weihnachtszeit und hoffen ihr nehmt an unserem Adventskalender teil!

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Isla

24, Weiblich

  10. Wannabe Poet

Ambitionierter Teilnehmer

Beiträge: 905

Re: 🎲Gewinner Schaurig-Schöne Weihnachten

von Isla am 05.12.2021 19:38

Gewinnerbeiträge

Platz 1

Team 27+74

#SPOILER#

Weihnachten für Anfänger - Anleitung zum erfolgreichen Überleben aller Weihnachtsgäste
Schritt Eins: SĂĽĂźes sonst gibt's... noch mehr SĂĽĂźes

Treffen sich eine Hexe, ein Werwolf und ein Vampir...
...was wie ein schlechter Witz beginnt, wurde für mich zur grausamen Realität.
"Hinfort mich euch, Höllenbrut!", keifte ich ungehalten und wedelte ungeduldig mit der Hand. "Pech und Schwefel über euch! Eure Zähne sollen euch verfaulen und eure Eingeweide verschimmeln!"
Unbeeindruckt wendeten sich zwei Köpfe zu mir, ehe die beiden Angesprochenen munter damit weitermachten ihre Finger in den frischen Teig zu stecken und zu kosten.
"Beruhige dich, Vlad.", Melissa schenkte mir ein Grinsen. "Du weiĂźt doch, dein Bluthochdruck." Sie lachte und die grĂĽnen Haare tanzten gleich giftiger Schlangen um ihren Kopf. Wenn sie nicht ihren typischen Hexenhut trug, entwickelten ihre Haare fast so etwas wie ein Eigenleben.
"Mein Blut geht dich gar nichts an!", fauchte ich zurĂĽck und verzog beleidigt meine Lippen.
"Es war deine Idee.", erinnerte mich die ruhige Stimme des Dritten im Bunde. Entgegen der allgemeinen Annahme, Werwölfe seien gewalttätig und aggressiv, war Alexander wohl der Ruhigste von uns allen. Sein braunes Haar saß perfekt, der dichte Bart war gepflegt und die Muskelberge hatte er unter einem roten Pullover mit Schneemanndesign versteckt. Er hatte uns wirklich genötigt, dass wir alle solche lächerlichen Fetzen anziehen mussten. Mein Motiv war ein Rentier mit unerklärlich roter Nase und Melissa trug den fetten Typen mit weißem Bart, der die Werbeikone schlechthin zu Weihnachten war.
Seufzend lehnte ich mich gegen den Tresen meiner Küche, fuhr mir kurz durch die dunklen Haare und ließ meinen Blick über alles schweifen. Von meinen ehemals pechschwarzen Oberflächen mit den polierten, dunklen Marmorplatten war so gut wie nichts mehr zu sehen. Feiner, weißer Mehlstaub bedeckte fast jeden Zentimeter und meine armen Fledermäuse würden vermutlich Tage brauchen, um alles wieder in einen sauberen Ursprungszustand zu versetzen.
"Erinnere mich bloß nicht daran, ich bereue es jetzt schon.", war meine trockene Antwort, ehe sich dann doch meine schmalen Lippen zu einem widerwilligen Lächeln verzogen. Was mich jedoch bei diesem Einfall geritten hatte, wusste ich bis jetzt noch nicht. Vielleicht wurde ich auf meine alten Tage sentimental? Immerhin feierte ich bald meinen fünfhundertsten Geburtstag. Vielleicht war mir auch einfach langweilig gewesen? Oder vielleicht hatte mich auch tatsächlich die Weihnachtsstimmung in der Stadt angesteckt.
Wer konnte es mir verdenken? Überall hingen bunte Lichter, Glitzer an jeder Ecke, Spielzeug zuhauf, der Duft von Bratäpfeln hing in der Luft und von allen Seiten wurde man gefühlt mit dem immer gleichen Weihnachtslied beschallt. Last Christmas I gave you my heart...
Ich stieß ein Fauchen aus und spürte die tröstende, schwere und viel zu behaarte Hand von Alexander auf meiner Schulter. "Eigentlich solltest du Handschuhe tragen.", mein letzter und schwacher Versuch aufzubegehren und meiner schlechten Laune Luft zu machen. "Niemand will Werwolffell in seinen Plätzchen."
"Und eigentlich sollten wir Menschen das Blut aussaugen, den Mond anheulen oder unartige Kinder zu Kröten verhexen. Stattdessen stehen wir hier und versuchen ernsthaft Weihnachtskekse zu backen.", schaltete sich nun wieder Melissa ein. Sie warf Alexander und mir einen dieser unergründlichen Frauenblicke zu. Ja, sie hatte wohl recht. Jetzt waren wir hier und viel schlimmer konnte es ja auch nicht mehr werden, oder?
Ich hatte mich geirrt. Und wie ich mich geirrt hatte! Wieso war es so schwer, ein paar Zutaten zu einer homogenen Masse - wie es im Rezept lautet - zu vermischen? Die Zuckerperlen waren viel zu winzig für unsere Finger und sämtliche Zutaten viel zu süß. Wo blieb der köstlich-metallische Geschmack von frischem Blut? Es war zum Haareraufen! Noch dazu kam, dass sich scheinbar auch der Backofen gegen uns verschworen hatte und einfach nicht das tat, was er tun sollte. 180 Grad Heißluft? Vielleicht sollte ich die Kekse einfach mit in die Hölle nehmen, dann wären sie schneller fertig.
Das Gute an Monstern war jedoch: Wir gaben nicht auf. Egal wie viele Stunden wir nun mit Zuckerglasur, Mandelsplittern oder dem Ausstechen von Keksen verbrachten, irgendwann stand ein fertiger Teller vor uns.
"Meine KĂĽche ist ein Schlachtfeld, aber wir haben es geschafft!", verkĂĽndete ich nun stolz wie es nur ein frischgebackener Vater von frischgebackenen Keksen konnte.
"Wenn du mit geschafft meinst, dass die eine Hälfte verkohlt und die andere Hälfte viel zu weich ist... dann ja, dann haben wir es geschafft." Melissa stieß mir freundschaftlich in die Rippen. "Haben wir gut gemacht."
Mit seiner Pranke konnte Alexander überraschend sanft sein, als sich seine Hand nun dem Teller näherte. "Hey, seht mal!" Vorsichtig hob er einen Keks hoch, der unter ein paar anderen vergraben war. Triumphierend hielt er ihn in die Luft und meine Kauleiste verselbstständigte sich und klappte nach unten.
Die Form - perfekt, die Färbung - goldgelb, die Verzierung - auf den Punkt. "Er... er ist...", entfuhr es mir regelrecht ehrfürchtig.
"Perfekt!", ergänzte die Hexe und wir alle drei versanken kurz im eigenen Stolz, wenigstens einen einzigen Keks richtig hinbekommen zu haben. Die Betonung liegt auf kurz...
"Hinfort mit euch, Höllenbrut!" Ich stürzte mich auf Alexander, der durch seine schnelle Reaktionsfähigkeit leider ausweichen konnte.
"Fresst meinen Besen!", kreischte Melissa und sprang uns an wie eine Furie.
"Ich beiĂźe euch in eure Hintern!", drohte der Werwolf mit dunklem Knurren.
"Meine KĂĽche, mein Keks!"
"Davon träumst du, Blutsauger! Ohne meine weibliche Intuition wäre doch alles missglückt!"
"Ich habe ihn entdeckt, er gehört mir!"
Egal ob Weihnachten oder nicht, egal ob wir nun das Keksebacken genossen hatten, egal ob wir alle drei diesen Versuch nächstes Jahr auf jeden Fall wiederholen wollten: Monster bleiben nun mal Monster, auch in weihnachtlichen Pullovern.



#ENDSPOILER#

Plätze 2

Team 19+7

#SPOILER#

Wer sagt, der Tod hat kein Herz?

Hast du dich jemals gefragt, ob es den Weihnachtsmann wirklich gibt oder er nur eine Erfindung von Coca Cola ist? Nun, ein fetter Mann in rot-weißer Kleidung, der mit einem Schlitten und Rentieren um die Welt fliegt und die Kinder beschenkt, ist er jedenfalls nicht. Nichtsdestotrotz existiert der gute Mann und ich musste es wissen, schließlich war ich der Weihnachtsmann höchstpersönlich. Auch ich war unter den Menschen sehr bekannt, nur kannten sie mich meistens unter einem anderen Namen, einem deutlich weniger schmeichelhaften. Der Sensenmann. Todesengel. Gevatter. Der Tod. Wenn die Zeit eines jeden Lebewesens abgelaufen war, holte ich es und bewahrte seine Seele sicher bei mir auf. Sie fürchteten sich vor mir, dabei war ich weder für den Tod verantwortlich, noch ging es ihnen bei mir schlecht.
Doch wer konnte es den niederen Wesen verdenken, dass sie so von mir dachten? Die Medien stellten den lieben Tod nun mal grausam dar. Immer in schwarz gehüllt, gesichtslos - in manchen Filmen auch mit Totenkopf - und mit einer Sense in der Hand. Dabei stand mir ein Dunkelblau passend zu meinen blauen Augen viel besser - auch wenn ich zugeben musste, dass ich nie ohne Sense aus dem Haus ging. Wenn sie nur wüssten. Im Gegensatz zu dem bärtigen Dickwanst erfüllte ich ihnen wirkliche Wünsche. Keine Spielzeugautos unter dem Weihnachtsbaum. Keine Puppen. Keine Kochlöffel oder Rüschenkleide. Nein, ich erfüllte ihnen Wünsche, die ihnen sonst niemand erfüllen konnte. Übernatürliche Wünsche. Nicht nur die Lebenden erhielten dabei etwas, sondern auch meine Kinder, die Toten. Zumindest diejenigen, die ich für würdig erachtete.
Die Kirchen läuteten ihre Glocken, dumpfe Klänge hallten durch die Landen. Das war das Signal, die Pforten vom Reich der Toten zu öffnen. Eine Armee von Toten wurde zurück in die Welt der Lebenden geschickt, um sie für eine Nacht für sich zu erobern. Mir selbst war es leider untersagt, mein Heim zu verlassen, wenn ich niemanden holen musste. An jenem Tag nahm ich mir frei, die körperlosen Seelen kamen schon noch früh genug unter meine Fittiche. Dieses Spektakel wollte ich mir jedoch dennoch nicht entgehen lassen. In jeder einzelnen schimmernden Christbaumkugel, die an meinem eigenen Weihnachtsbaum hing, konnte ich die Wege meiner Kinder verfolgen.
Eine von Lichterketten erhellte Nacht. -8°. Schneebedeckte Straßen. Ein nackter Mann, der verwirrt durch die Straßen taumelte. Die Menschen bemerkten ihn nicht. Ohne es zu wissen, liefen sie in ihren flauschigen Winterjacken an ihm vorbei. Manche trugen witzige Bommelmützen. Andere hatten sich so gründlich einen Schal um den Hals gewickelt, dass gerade mal ihre voller Vorfreude glitzernden Augen und die Nase hervorschauten. Aspen, der das Zittern bereits in seinem Namen trug, fror jedoch nicht. Geschmeidig, geradezu schwebend, lief er zwischen den Lebenden hindurch. Ein Geist, eine Seele, die keine Hülle mehr hatte. Zielstrebig steuerte der Tote sein Ziel an. Obwohl ich die Gesellschaft der Verstorbenen immerzu an meiner Seite hatte, so war es dennoch ein einsames Leben als Tod, weshalb ich die Menschen gerne dabei beobachtete, wie sie sich wieder vereinigten, wofür ich sie beneidete. Und wenn es nur für eine Nacht war.
Gespenstische Stille lag über einem verschneiten Haus, in dem schon lange nicht mehr gelacht wurde. Das einzige in der Straße, welches nicht geschmückt war. Es stellte das Ziel Aspens dar. Anstatt jedoch einfach durch die Wände ins Innere zu dringen, klingelte er. Zumindest versuchte er es, was ohne einen Körper jedoch schwierig war. Dennoch gab er nicht auf. Er versuchte es wieder und wieder. Mit genug Konzentration schaffte er es tatsächlich, sich für einen Moment zu materialisieren und ein blechriges Klingeln hallte durch das einsame Haus. Lächelnd schwebte der Geist auf der Türschwelle, doch der Bewohner ließ auf sich warten. Erst nach mehreren Momenten öffnete er die Tür. Falten zeigten sich auf seiner Stirn. Er sah seinen Gast nicht. Natürlich nicht. Griesgrämmig schlug er die Tür wieder zu, bevor Aspen auf sich aufmerksam machen konnte. Ich seufzte. Ob es noch ein Happyend geben würde? Vielleicht sollte ich mich einer anderen Christbaumkugel zuwenden.
Gerade wollte ich mich nach einem anderen Schicksal umsehen, als ich eine Bewegung erkannte. Noch hatte mein Schützling nicht aufgegeben und schlüpfte durch die Tür hindurch. Überrascht hoben sich seine nicht mehr vorhandenen Augenbrauen. Es sah noch beinahe so aus, wie er es verlassen hatte. Er wollte den Anderen niemals allein lassen und dennoch hatte das Leben andere Pläne für ihn gehabt. Wie kannst du dich nur so gehen lassen? Du hast mir versprochen, glücklich zu werden!, brüllte der Geist seinen Liebsten an, doch dieser vernahm nur ein leises Zischen. Verwirrt schaute er sich um, fand jedoch nichts Auffälliges. Die Frustration, die den Toten packte, veranlasste ihn dazu, all seine Energie zu bündeln und Chaos zu stiften. Teller, die sich bereits auf dem Küchentisch stapelten, landen auf dem Boden und zersprangen auf den Fliesen. Zettel flogen durch die Luft. Stühle wurden umgeschmissen und selbst ein Bild, welches sie beide zusammen zeigte, segelte von der Wand. "Ist da wer?!", kam es letztendlich vom Menschen.
Endlich hatte Aspen seine Aufmerksamkeit. Mit einem Baseballschläger schlich er durch sein eigenes Haus, als befürchtete er, dass ein Einbrecher in seinem Haus war. Gespannt lehnte ich mich in meinem Sessel zurück und schaute weiter zu, eine Tasse heiße Schokolade in meiner Hand haltend.
"Ich.. ich bin bewaffnet!", kam eine wenig überzeugende Drohung vom Lebenden. Der Eindringling ließ sich davon nicht weiter beeindrucken und näherte sich dem Menschen, den er schon sein halbes Leben kannte. Ein belustigtes Schmunzeln stahl sich auf seine Lippen, die er wenig später auf die des Anderen legte. Dieser zuckte wegen der plötzlichen Berührung zurück. Erchrocken fasste er sich an den Mund, den zuvor noch eine gleichermaßen bekannte wie unbekannte Kälte gestreift hatte. Er starrte Aspen an, als hätte er einen Geist gesehen. "A..Aspen?"
Bei dieser Frage wusste ich, dass ich erfolgreich war. Sie hatten sich gefunden. Es bestand kein Grund mehr für mich, sie noch länger zu stalken, weshalb ich mich einer anderen Christbaumkugel zuwandte.
Immer wieder durfte ich Zeuge davon werden, wie sich Verstorbene mit ihren Angehörigen vereinigten und ein gemeinsames Fest feiern konnten. Hoffentlich brachten sie mir als Dank wenigstens ein paar Lebkuchen mit.




#ENDSPOILER#

Team 32+41

#SPOILER#

Ein Hauch von Erinnerungen

Kent - 2013
MĂĽde erhob sich der Blutige Baron von seinem Thron in einer alten, zerfallenen Kirche. Sie war alles, was von diesem Dorf nach der Bombardierung im ersten Weltkrieg ĂĽbrig geblieben ist und bei den meisten Menschen leider in Vergessenheit geraten.
Schon seit einer halben Ewigkeit hatte er seinen alten Heimatort nicht mehr verlassen, denn fĂĽr ihn gab es keinen Grund mehr, sich die grausame Welt jenseits der weiten Felder anzusehen. Vor vielen, vielen Jahren ist er in jenem Krieg gefallen und seine Seele wandelte seit dem auf der Erde.
Die kalten Steinmauern der Ruine haben ihre Wärme schon längst wieder in die kühle Nachtluft abgegeben und auch der Sommer war vorüber. Ab und an hatte er eine leise Gitarrenmelodie vernommen, die der Wind über die dichten Halme wehte. Sie erinnerte ihn an früher, ob es nur eine Einbildung war?
Fahles Licht am Horizont kündigte die anderen Geister an, die sich heute wieder versammeln würden, um ein wenig Spuk in einem kleinen Städtchen zu verbreiten. Sie nannten es Halloween, doch der Baron hatte noch nie ein Interesse an diesem Schauspiel gehabt. Für ihn gab es etwas größeres, etwas bedeutsameres, und wieder einmal versank er in einer unendlichen Melancholie, während er in das Dunkel der Nacht sah.
Weihnachten, die wohl schönste Zeit des Jahres war für ihn nichts als eine Erinnerung gewesen. Früher, als das Dorf noch stand, war das Weihnachtsfest eine ewige Tradition gewesen. Er erinnerte sich an die kleine Tanne, die mit bunten Glaskugeln verziert war und im Wohnzimmer stand, dem deftigen Geruch des Bratens, der am Heiligabend aus dem Ofen kam und den Geschenken, die er seinen beiden Kindern machte. Alles schien perfekt, bis zu jenem Tag, an dem der Krieg begann.
Die Soldaten waren mit der Hoffnung gegangen, auch in diesem Jahr an Weihnachten wieder zu Hause zu sein, aber die Aussichten waren schlecht - mehr noch, der Krieg schien kein Ende zu finden. Einzig der Morgen des Heiligabends brachte eine klare Luft über die Schützengräben und auch der Baron schien von dem Weihnachtsfrieden erleichtert. Es war fast schon wie ein Segen, denn auch der Regen hatte aufgehört. Mit einem seichten Lächeln auf seinen schmalen Lippen zog er ein Foto aus der Innentasche seines Uniformrockes, welches er wie ein gut behütetes Geheimnis immer nah an seinem Herzen trug. Es war seine Familie, die ihm entgegenblickte, voller Zuversicht. Das Foto hatte er bekommen, als klar wurde, dass die Kinder wohl ein Weihnachtsfest ohne ihren Vater haben würden. Umso erleichternder, dass es nun einen kleinen Anzeichen von Frieden gab. Es gab nun auch die Möglichkeit die gefallenen Krieger zu beerdigen, weshalb sich viele Soldaten in das Niemandsland begaben, alles unter einer bedrückenden Stille. Schließlich gab es einen kurzen, aber nennenswerten Frieden.
Dies war die letzte Zusammenkunft. Im Folgejahr wurde ein Befehl verhängt, den Weihnachtsfrieden auszusetzen. Einmal mehr überkam ihm der Gedanke, wie herzlos manche Menschen gewesen sind, so war Weihnachten doch das Fest der Liebe, nicht die des Krieges. Doch auch das Jahr darauf schien unter keinem guten Stern zu stehen, mehr noch - der Baron wandte sich von den zerbrochenen Fenstern ab - er starb. Am Abend des 24. Dezembers 1916 traf ihn eine Kugel direkt in sein Herz. Das Foto, was er bei sich trug, wurde blutdurchtränkt als Andenken an seine Familie zurückgesandt.
Das Fest was ihm einst so viel bedeutete, der Tag, den er jahrelang im Kreise seiner Familie verbrachte, war der Tag an dem er diese Welt verlassen hatte - zumindest fast. Sein Herz war gebrochen und seine Seele verkraftete es nicht, keinen Abschied von seiner Familie genommen haben zu können. Aber noch etwas anderes flammte in seiner Brust auf - Hass. So spaltete sich seine Seele ab, die nun fort mehr als ein Geist über die Felder des Krieges wandelte.
Einige Zeit sah er sich den Krieg noch an, der von statten ging, um sich dann an den Ort zu begeben, was er einst sein zu Hause nannte. Niemand im Dorf war in der Lage den Blutigen Baron zu sehen. Nicht zuletzt auch seine Frau, als er vor ihr stand, wo sie das Telegramm bekommen hatte und das Bild in den Händen hielt. Auch nicht, als er sie angeschrien hat, dass er doch noch da sei, direkt vor ihr stünde. Dass er wieder zu Hause war.
Er ging einige Jahre fort, ehe er wiederkam und sah, dass das Dorf unter den Folgen des Krieges gelitten hatte. Daraufhin lieĂź er sich in der Kirche nieder, die gegenĂĽber seines alten Hauses stand.
Vielleicht war es langsam mal an der Zeit, dass er ein wenig unter Leute kam. Wenn auch nur, um zu sehen, wie glücklich die Menschen mit diesem schaurigen Tag waren. Und so schloss er sich der Gruppe an, um ein wenig Spuk zu verbreiten. Sie gingen von Haus zu Haus, um den Lebenden einen Schrecken einzujagen, oder sie zum Lachen zu bringen. Es war schon fast lächerlich, wie viel Freude ihm das bereitete. Und so ging ein schöner Tag zu Ende.
"Wir möchten dieses Jahr zum ersten Mal auch Weihnachten feiern. Vielleicht hast du Lust uns Gesellschaft zu leisten?" bot ihm eine der anderen an, als sie auf dem Weg zu ihrem letzten Haus für heute waren.
FĂĽr den Baron jedoch war es schwer, dafĂĽr jetzt eine Entscheidung zu treffen. Auf der einen Seite wollte er dieses GefĂĽhl von Weihnachten wieder erleben, aber auf der anderen hatte er Angst, dass er damit seine Familie hintergehen wĂĽrde. Sie waren es doch, mit denen er das Fest am liebsten verbrachte. Er griff sich an die Brust, wo einst das Bild verweilte.
"Ăśberleg es dir, das wird sicher wunderbar! Wir haben im Wald eine kleine Kapelle, in der wir uns gern versammeln. Vielleicht kriegen wir ja noch einen der Menschen dazu, einen Weihnachtsbaum da hin zu tragen und zu schmĂĽcken. Nancy hat herausgefunden, wie man die Gedanken der Lebenden beeinflussen kann. Na los, was ist schon dabei?" lachte sie.
Er wollte es versuchen, dem ganzen eine Chance geben. Nach so langer Zeit einmal wieder Gesellschaft zu haben erschien ihm tatsächlich angemessen. Er würde auf ewig weiter trauern, aber das vielleicht nicht allein. Und dazu konnte er eine Kerze für seine Liebsten auf dem Baum anbringen lassen. So wäre zumindest ihr Licht noch immer bei ihm.
So trug es sich zu, dass der Blutige Baron am Tag des Weihnachtsabends zu den anderen Geistern ging. Es war wirklich ein amüsantes Schauspiel, wie ein Mensch vor Freude trällernd einen Baum in die Kapelle schleppte, um diesen zu schmücken. Es erinnerte wirklich daran, wie es damals war. Er würde die Erinnerungen ewig bei sich tragen, denn das war das einzige, was ihm keiner nehmen konnte. Es zauberte ihm sogar ein kleines Lächeln auf die Lippen, denn vielleicht würde das Fest doch ganz schön werden. Sie konnten sich alte Geschichten erzählen, wie es früher war und er würde mit Sicherheit auch von seiner Familie erzählen. Noch ehe die Dunkelheit hereinbrach, schickte Nancy den Menschen wieder nach Hause und sie waren gerade dabei, sich an den Tisch zu setzen.
"Sind wir zu spät?" Eine fahle, weiße Gestalt betrat die Kapelle, gefolgt von zwei jüngeren und dem Baron blieb fast das Herz stehen - fast, denn er hatte ja keins mehr.
"Mary." Die Stille des Raumes wurde durch ein Wispern seitens des Barons gebrochen, denn es war wirklich sie. All die Jahre hatte er von weitem den Geistern zugesehen, wie sie ihr Unwesen trieben, ungeachtet der WeiĂźen Frau. Seiner Frau. Sie war immer schon hier gewesen.
"Elliott."
Vielleicht war es Schicksal, aber vielleicht auch ein Weihnachtswunder, denn nach einhundert Jahren konnten der Blutige Baron und die WeiĂźe Frau zusammen mit ihren zwei Kindern endlich wieder Weihnachten gemeinsam verbringen.



#ENDSPOILER#

Plätze 3

Team 36+78

#SPOILER#

Was dauerte das denn so lange? Ungeduldig sah Hannah erneut auf die Uhr an ihrem Handgelenk. Die anderen schenkten ihr dabei mitleidige Blicke.
„Alles okay?" Wollte Marcus besorgt wissen und Hannah konnte nicht länger an sich halten und so sprudelte ihr Unmut aus ihr heraus. Es ging um Katie. Ursprünglich hätten sie sich bereits vor einer halben Stunde auf der Weihnachtsfeier der Fremdsprachenkurse treffen sollen und langsam machte sich Hannah Sorgen um sie. Immerhin war K-8-i, Katie genannt, noch nicht lange auf der Erde, das intergalaktische Austauschprogramm hatte vor gut zwei Monaten begonnen und auch wenn Katie, an sich, gut akklimatisiert wirkte, war sie eigentlich doch eine Fremde auf der Erde.
„Was wenn ihr etwas passiert ist?", jammerte Hannah an Marcus gerichtet. Bis eben hatte sie sich vorgenommen gehabt ihre Sorgen für sich zu behalten, immerhin hatte sie die Stimmung nicht drücken wollen, doch als Katies Gastschwester fühlte sie sich doch für die quirlige Außerirdische verantwortlich.
„Ich bin da! Ich bin da!" Katies trillernde Stimme schallte durch den Raum, woraufhin Hannah ein riesiger Stein vom Herzen fiel. Im nächsten Moment schlug ihre Erleichterung jedoch in Irritation um, denn vor ihr stand ein bläulich schimmerndes Bettlakengespenst mit Heiligenschein-Haarreif auf dem Kopf.
Die Menschen tauschten amĂĽsiert-befremdete Blicke, hatten sie sich doch alle eher festlich gekleidet. Hatte Katie etwa den Feiertag verwechselt?
„Entschuldigt. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so schwierig sein würde, die Löcher an die richtige Stelle zu schneiden." Sie kicherte, ehe sie bemerkte, dass die Blicke aller Anwesenden auf ihr ruhten. Vor lauter Aufregung nahm ihr Glühen zu. „Stimmt etwas nicht?" Das Bettlaken sah seine Kommilitonen unsicher an.
„Ähm", begann Philipp wortgewandt wie immer. „Warum hast du", er rang nach Worten, „dieses Kostüm an?"
Nun sah Katie ihn an, wie als wäre ER bescheuert. „Na, weil ich der Geist der Weihnacht bin?" Es war mehr eine Feststellung als eine Frage und Hannah kam nicht umhin zu lachen. „Katie, ich glaube, da gab es ein Missverständnis. An Halloween verkleiden wir uns als etwas Unheimliches. An Weihnachten feiern wir die Geburt von Jesus."
„Ich weiß!" Erklärte Katie prompt und fast ein Wenig erbost. „Aber deshalb BIN ich ja der GEIST der Weihnacht!"
Niemand schien zu verstehen, worauf sie mit dieser Aussage hinaus wollte.
„Ihr feiert Jesus' Geburt. Aber Jesus ist an Ostern gestorben, stimmts?" Bevor jemand antworten konnte, fuhr Katie fort. „Und dann kam Jesus wieder. Als Geist. Als heiliger Geist! Er ist der Geist der Weihnacht. Und da ihr euch für Krippenspiele auch verkleidet, dachte ich, hey, das mache ich auch." Obwohl ihr Gesicht von einem Laken verdeckt war, konnte man Katie ansehen, dass sie vor stolz breit lächelte.
„Das ist eine sehr schöne Idee", sagte Hannah nach einem kurzen Moment der Stille. Die anderen pflichteten ihr nickend und lächelnd bei. Was sollten sie auch anderes tun? Katie hatte sich wirklich für ihre Freunde bemüht einen religiösen Feiertag zu verstehen und das, obwohl ihr Volk völlig atheistisch lebte.
Sie gingen also zum Feiern über. Tranken Glühwein und Punsch, aßen Lebkuchen und tauschten Geschenke. Ein toller Abend, wie auch Katie später immer wieder beteuerte. Noch Jahre später sollte ihr dieser in Erinnerung bleiben.
Und das ist die Geschichte, wie es dazu kam, dass auf dem Jupitermond Kallichore jährlich am 24.12. ein Geist, Skelett oder Zombie den Kindern die Geschenke bringt.



#ENDSPOILER#

Team 47+20

#SPOILER#


Wie jedes Jahr legte sich die Geisterfamilie Casper Anfangs Oktober schlafen um sich ĂĽberraschen zu
lassen wie es Wohl an Halloween im Lande aussieht. Nur leider hat keiner der vier daran gedacht den
Wecker zu stellen, so kam es in diesem unheilvollen Jahr dazu das sie erst am 24. Dezember
aufwachten. Voller Vorfreude wachten sie also auf, und gingen ans Fenster um zu schauen wie es
wohl aussehen würde draußen. Verständlicherweise war ihr Schreck groß als sie keine
Gruseldekorationen und Kürbisse vorfanden, sondern Weihnachtsmänner, Lichterketten und
Tannenbäume. Ein kurzer Blick auf den Kalender enthüllt was sie geahnt haben, sie haben fast 2
Monate verschlafen. Jedoch kam der kleinste der Familie auf eine tolle Idee: „Lasst uns dieses Jahr
doch die Menschen mal nicht gruseln sondern beschenken mit schönen Momenten." Geisterpapa
will schon widersprechen, doch da ergriff schon Geistermama das Wort und lobt den Kleinen: „Eine
vortreffliche Idee, lasst uns mal schauen was man so machen könnte." Das dies dem Geisterpapa
nicht gefällt sieht man an, langsam und traurig schwebt er den anderen hinter her als sie von Haus zu
haus gehen und so reinhören was die Menschen so machen. Als sie dann in ein Haus kommen in dem
das Lied „Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen" hören und vor allem folgende Textstelle, da
wissen sie was sie tun könnten: Zwei Engel sind hereingetreten, kein Auge hat sie kommen sehn, sie
gehn zum Weihnachtstisch und beten, und wenden wieder sich und gehn: „Gesegnet seid ihr alten
Leute, gesegnet sei du kleine Schaar! Wir bringen Gottes Segen heute dem braunen, wie dem weiĂźen
Haar. Zu guten Menschen, die sich lieben, schickt uns der Herr als Boten aus, und seid Ihr treu und
fromm geblieben, wir treten wieder in dies Haus!"
Das war der Funke der die Geisterfamilie brauchte um zu wissen was sie machen könnten, ein
Geistesblitz fährt durch alle: Wir, wollen Engel sein. Nun begann also die Suche nach dem Engels
Kostümen für alle vier, sie wollen sich später aufteilen und mehrere Familien besuchen. Eine perfekte
Kombination, sie können die Menschen erschrecken aber zugleich auch die Menschen mit schönen
Momenten beschenken. Ihnen entging natĂĽrlich in dem Moment das noch nie ein Mensch einen
Engel gesehen hat, aber das sollte das geringste der Problemen werden. Den entgegen der letzten
Textstelle: Kein Ohr hat ihren Spruch vernommen, unsichtbar jedes Menschen Blick, sind sie
gegangen, wie gekommen, doch Gottes Segen blieb zurĂĽck" wollen sie sich ja zeigen. Das dies nach
hinten losgehen wird ahnt keiner der Geister. Nach ein wenig Suchen finden sie tatsächlich ein
Engelskostüm und so ziehen die vier sich jeweils an. Der kleinste geht mit der Mama mit, der größere
mit Papa- Bei der ersten Familie klappt es wunderbar. Die beiden schweben herein, gehen wie im
Lied zum Weihnachtsbaum hin, und zeigen sich dann. Sie sprechen das Gebet aus dem Lied, wenden
sich und gehen. Eine Mischung aus Aberglaube und Glaube erfasst die erste Familie. Während die
jĂĽngeren nur erstaunt schauen, werfen sich die alten nieder auf die Knie und preisen Gott fĂĽr dieses
Geschenk.
Bei Geistermama und dem kleinsten funktioniert es nicht so gut, zumindest bis zum Teil wo sie sich
zeigen passt alles, nur ist das Kostüm von Geistermama während dem Flug verrutscht. Als sie gerade
zum Gebet ansetzen will. Nach anfänglichem Schreck, bricht der Raum in Lachen aus. Der Grund ist
einfach, den das KostĂĽm ist so verrutscht das es halt wirklich aussieht wie ein Geist im EngelskostĂĽm.
Von hinten sieht es gut aus, wären nicht die Wellen des Lackens das unten rausschauen und aussieht
als wenn der Engel ein Minirock tragen wĂĽrde. NatĂĽrlich wendet sich Geistermama und da wird es
noch ulkiger, ein Engel mit Geisteraugen und Minirock vor einem hell erhellten Weihnachtsbaum,
auch der kleine neben ihr muss lachen als er es sieht. Ein Ruf hallt durch die Stadt um die Familie
zusammen zu rufen. Ohne Gebet verschwinden die beiden, auch der groĂźe und Geisterpapa haben
den Ruf vernommen und kehren zurück. Man sieht Geistermama an das sie enttäuscht ist. Als alle
eintrefen ergreift der Geisterpapa das Wort: „Also bei uns hat es nicht wirklich geklappt, klar hat ein
paar Angst aber Freude nicht wirklich." Als Geist verstand er halt nicht warum die alten gebetet
haben. Der Kleine lächelt und freut sich: „Also bei uns war es ein voller Erfolg."



#ENDSPOILER#

Antworten

Isla

24, Weiblich

  10. Wannabe Poet

Ambitionierter Teilnehmer

Beiträge: 905

Re: 🎲Gewinner Schaurig-Schöne Weihnachten

von Isla am 05.12.2021 19:41

Weitere Einsendungen


Team 35+6

#SPOILER#

Ein schaurig schönes Weihnachten

„Haben jetzt alle etwas? Können wir anfangen?" eine normale Frage, bei einem ganz normalen Weihnachtsfest. „WAS HAT SIE GESAGT?!" krächzte der Giebelplatz, der noch den kürzesten Weg zur Toilette hatte. „OB ALLE EIN GESCHENK HABEN, OMA!" wurde vom rechten, scheinbar leeren Platz erklärt. Nur ein, in schwarzer Seide verwickeltes, Päckchen schüttelte sich wie von selbst vor der hakenartigen Nase der Alten. Ihre Haut glich der schroffen Rinde eines uralten Baumes, die kleinen Äuglein irgendwo in den tiefen Falten der Gesichtszüge vergraben. Auch die anderen Tischgäste sahen nicht weniger wunderlich aus. Um die Tafel herum saßen: ein hochgewachsener, feinkonturierter Mann mit langen Fangzähnen und fein gegelten Haaren, daneben ein kleiner Junge, der ihm zum Verwechseln ähnlich sah, Pete – ein weiterer Junge (der nicht mehr ganz so klein war und dem Mann überhaupt nicht ähnlich sah) ihm gegenüber, unzählige Berghutzen (kleine - dafür sehr behaarte Wesen mit großen schimmernden Augen), eine Frau eingehüllt in Leinen und ihr Mann Frank (ein riesiges Gebilde, das aus Leichenteilen zu bestehen schien). Der Verwesungsgeruch im Saal hätte so manch Sterblichen die Tränen in die Augen gejagt und spätestens jetzt würde klar werden, dass hier kein ganz normales Weihnachtsfest gefeiert wurde.

Eine furchtbar entstellte, hochfrequente Stimme zerriss das allgemeine Gemurmel der Runde. Eines der vielen merkwürdig behaarten Geschöpfe hatte sich gemeldet. Seine Worte waren kaum verständlich genug ausgedrückt, als das man beim ersten Hören einen ganzen Satz verstehen konnte. Da Berghutzen aber die allgemeine Angewohnheit hatten alles zu wiederholen was eine andere Berghutze gesagt hatte, wurde bald ein hochfrequenter, entstellter Kanon aus „Mumera, euer Baum wird von Jahr zu Jahr prächtiger!" hörbar und wäre die reich beschmückte Pharaonin nicht dicht bandagiert worden, hätte man vielleicht etwas Röte in ihrem Gesicht erkennen können.
„Ach, der ist doch nicht der Rede wert", antwortete sie lieblich.
Nicht der Rede wert war in diesem Fall eine blatt- und vor allem kraftlose Birke, die von der Decke nach unten hing. Ihre dĂĽrren Zweige schienen sich unter der Last der gebrochenen schwarz-weiĂź und grauen Weihnachtskugeln, zertrĂĽmmerten Spiegeln und Spinnenweben dem Boden entgegenzustrecken.
„prächtiger Baum" wiederholte Frank, der noch genau um die Umstände wusste, unter denen der Baum geschmückte wurde. Sein leerer Blick glitt traumatisiert in die winzige Flamme einer der pechschwarzen Kerzen.
„Weiter rechts!" flog die deutlich weniger liebliche Stimme Mumeras durch die Luft „Weiter rechts Frank, ich habe rechts gesagt! RECHTS, WEISST DU WO RECHTS IST?" Die unerträglich hysterisch durchdringende Lage der Stimme ließ ihr halb geleertes Weinglas in tausend Teile zerspringen, was sie jedoch weniger zu kümmern schien als eine möglichst gute Position des Weihnachtsbaumes.
„Siehst du das nicht...der Baum hängt jetzt gerade...das sieht ganz furchtbar aus, so hat er keine Chance umzufallen Frank! Gib dir bitte etwas mehr Mühe!" als Antwort kam aber nur ein tiefes Brummen. Widerstandlos rückte Frank weiter am Baum herum bis er schließlich durch ein „Ja genau. Perfekt!" schlagartig in seiner Bewegung innehielt.
Alles andere als perfekt waren die darauffolgenden Stunden für den baumaufstellenden Mann. Während seine Frau sich nicht zwischen Rubinen oder Smaragden entscheiden konnte, blieben an ihm die wichtigen häuslichen Tätigkeiten hängen, die ein Monster so zu erledigen hatte, bevor der Weihnachtsbesuch kam: Den Vollmond auf die Spitze des Baumes setzen, das ganze Haus einstauben oder die Weihnachtskrähe in den Ofen schieben. Was wäre ein Weihnachtsfest bloß, ohne etwas Anständiges zwischen den Zähnen?
Die jetzt eher ruhige Variante der Stimme Mumeras, holte Frank zurück aus der vorweihnachtlichen Erinnerung. Sie hatte sich an einen ebenso knöchrigen Burschen gewandt, der aus unerfindlichen Gründen einem Menschen zum Verwechseln ähnlichsah. Vielleicht waren es die unordentlichen Haare, das Metallica Shirt oder der leere Blick hinter den Fenstergläsern einer gerahmten Brille. Die spitz hervorragenden Eckzähne konnten es jedenfalls nicht sein.
„Pete, was ist mit dir? Erstmal einen kräftigen Schluck Blut, heute darfst du sogar aus den traditionellen Gläsern trinken" - „Ehrlich gesagt..." aber weiter kam der junge Mann gar nicht. Sein Vater saß ihm direkt gegenüber und konnte es wohl nicht lassen, seinem Sohn unterm Tisch einen Tritt gegen das Schienbein zu verpassen.
„...bin ich Vegetarier" beendete Pete seinen Satz dann doch und für einen beängstigend Moment wurde es still am Tisch. „WAS HAT ER GESAGT?" kam vom Giebel, bevor aber die raue Stimme des Unsichtbaren erklären konnte, erhob Pete selbst ein weiteres Mal die Stimme „ICH BIN JETZT VEGETARIER!" rief er über den ganzen Tisch und wurde durch den mahnenden Blick des Vater erdrosselt.
„Ich ertrage das von mir verursachte Leid einfach nicht...die Welt muss ein besserer Ort werden!" stellte Pete sich der familiären Diskussion. „Pete...bitte..." waren die letzten warnenden Worte vor ihm.
„EINE VEGE-WAS?" kreischte es wieder vom Giebel und Pete schien sich, sehr zum Leidwesen seines Vaters unbedingt erklären zu wollen. „Das bedeutet, ich trinke nur noch tierisches Blut, menschliches ist mir zuwider! Oma", jetzt legte sich das aschfahle Gesicht des älteren Vampirs in die knöchrig dürren Finger, fast so als hätte er das Diskutieren schon vor Wochen aufgeben und das Tuscheln begann.
„Stirb Lebkuchenmann, Stirb!", ein schaurig kindliches Lachen riss den Streit auseinander. Einem eben noch verängstigt dreinschauende Plätzchen wurde kurzerhand der Kopf abgeschlagen und das Lachen wurde fast ein bisschen finsterer.
Das jetzt geteilte Gebäck wurde anschließend lieblos zur Seite geschoben. „WAS HAT ER GESAGT?" rief die alte Moorhexe wieder rein.
„ER HAT GESAGT..." fing der Unsichtbare wieder an zu übersetzen, hielt aber mitten in der Antwort inne, als würde er überlegen, wie er „Stirb du Lebkuchenmann" am besten übersetzen sollte, nachdem doch gerade noch das Leid der Welt von Pete zu einem besseren Ort gemacht werden sollte (oder so ähnlich) „ACH EGAL, OMA" winkte er ab und schimpfte ein leises „taube Schachtel" hinterher, das wohl nicht einmal die Berghutze links neben ihm verstanden hätte.
„DAS HAB' ICH GENAU GEHÖRT, MEIN LIEBER!" kreischte die Alte dann aber plötzlich und zog ihrem Neffen eins mit ihrem blaumeliertem Geschenk über die Rübe.
Auf der anderen Seite wurde „Stirb du Lebkuchenmann!" zu einer Art Parole des Vampircousins, der anscheinend recht wenig übrig hatte für den, von Pete erklärten, Vorteil von Frieden und Völkerverständigung.
Und vielleicht wĂĽrde jetzt auffallen, dass auch Halloweenmonster ein doch sehr normales Weihnachtsfest erleben.




#ENDSPOILER#

Team 22+99

#SPOILER#

54 Tage sind seit Halloween vergangen und mein Leben hatte sich komplett gewandelt. 54 Tage in denen nicht nur der Countdown zum Weihnachtsfest runterlief – sondern auch meine Zeit meine Liebsten zu retten. Denn seit ich nach der Halloween-Party aufgewacht war, war ich die einzig normale – oder eben unnormale. Alle anderen haben ihre Kostüme nicht einfach abgestreift. Nein; seit Halloween trugen sie ihre Kostüme und hatten auch wirklich passende Eigenschaften. Wie beispielsweise mein Chef – seit neustem ein Vampir und schon früher ein kleiner Blut- nein, Überstundensauger, der es liebte die Überstunden aus uns Mitarbeitern rauszuziehen. Oder meine Nachbarn – Techno-liebende Trolle, die keine Uhrzeiten kannten und wie immer VIEL zu laut waren, wenn man schlafen wollte. Mein bester Freund, ein haariger Werwolf, der lieber mit dem Rudel jagte und den Mond anheulte als mir zur Seite zu stehen. Meine beste Freundin – eine grüngesichtige Hexe mit orangenen Haaren, die lieber ins Warzen-Studio ging als mit mir Avengers zu schauen. Aber neben all den mehr oder weniger schrecklichen Monstern, gab es da auch Abraxas – woher der gekommen ist weiß ich nicht, er saß am 01.11. auf dem Fensterbrett und sah mich an. Abraxas war ein schwarzer Kater mit intelligenten Augen und kleinen ledrigen Dämonenflügeln. Er hatte verkündet, dass er der Beauftragte des Nordpols ist und mit mir gemeinsam den Geist der Weihnacht wieder finden solle. Glaubt mir, ich habe danach erstmal Jacky-Cola getrunken – hat nichts genützt. Und als ich endlich glaubte, dass mir sowas passierte – man glaubt ja immer sowas passiert nur im Fernsehen oder einem anderen. Da waren schonmal 12 Tage rum. Und ich hatte wirklich dauernd erwartet, dass jemand irgendwann aus dem Schatten springen und „VERSTECKTE KAMERA!!!" rufen würde... doch nichts dergleichen passierte. Als ich dann soweit war, daran zu glauben, dass es sich um einen Fluch handelte, den ich wieder brechen musste. Stellte sich dummerweise heraus, dass der Kater absolut keine Ahnung hatte, wie ich den Fluch brechen sollte. War ja typisch – da erlebte ich schon einen Albtraum und bekam ein Helferlein und dann konnte dieses nicht helfen. Nun ja – zugegebenermaßen war Abraxas ein ganz angenehmer Zeitgenosse und ich schätzte seine Zuversicht und seinen Humor. Außerdem gab es kein Aufgeben – ich redete mir Mut zu indem ich mir sagte, dass es in Filmen doch auch immer klappte und doch recht easy peasy sein musste. Und so versuchte ich selbst eine Lösung zu finden... Glaubt mir, ich habe vieles versucht. Ich habe ihnen den Spiegel vorgehalten, ich habe auf sie eingeredet, geschimpft, getobt, gezetert und es lockend, umgarnend versucht. Ich habe es sogar mit dem härtesten mir einfallendem Mittel probiert – dem Schweigen! Immer mit demselben Ergebnis – ich war diejenige, die angeschaut wurde, als wäre sie irre und es hat sich nichts – nada – geändert. Ich hatte sogar skurrile Voodoo-Zaubereien aus dem Internet ausprobiert! Findet ihr erstmal Flubber-Rotze und Eingeweide eines Lurches!!! Glaubt mir – ich habe ALLES probiert. Nichts hatte geholfen... so viele Tage in denen ich unsichtbar war! In denen mich alle vergessen hatten und in denen das Leben um mich stattfand ohne, dass sie mich vermisst hätten. Frustriert, enttäuscht und einfach komplett ratlos warf ich die Weihnachtskiste um, in der der gesamte Christbaum-Schmuck war. „Verfluchte Scheiße." Schniefte ich und wischte mir harsch mit dem Handrücken über die Augen. „Wir müssen es weiter probieren." Insistierte Abraxas und schlug mit seinen kleinen, ledernen Flügelchen, bis er mit mir auf Augenhöhe war. „Du darfst nicht aufgeben." Meinte er sehr eindringlich. „Ach, was hat das denn für einen Sinn, ich werde sie nie wieder so haben wie früher! Ich weiß einfach nicht mehr weiter! Das bringt nichts... keinem bin ich eine wirkliche Hilfe!" ich trat nochmals wütend gegen die Weihnachtsbaum-Schmuck-Kiste - enttäuscht über mich selbst, dass ich in einer Sackgasse steckte - und ein altes, vergilbtes Büchlein rutschte raus und erregte meine Aufmerksamkeit. „Was ist das?" fragte mich der geflügelte Kater und legte den Kopf schief. „Grandma's altes Plätzchenrezeptbuch..." murmelte ich. Ich hatte es total vergessen. Vorsichtig hob ich das Buch auf. Ich strich über die verknitterten Seiten und musste an die Zeit zurückdenken, als ich mit meiner Großmutter in der Küche stand, der Plätzchenduft das ganze Haus erfüllte und im Hintergrund weihnachtliche Musik dudelte. Mein Herz wurde vor Sehnsucht schwer. Ich entdeckte ein altes Foto von mir und Oma. Darauf hielt ich beinahe wie eine Trophäe einen Milchzahn in die Kamera. Ich erinnerte mich an den Tag zurück, als wäre er gerade gestern gewesen. Granny und ich hatten nach dem Plätzchenbacken auf dem zugefrorenen Teich Schlittschuhfahren geübt und ich habe mich voll aufs Gesicht gelegt... damals habe ich so viele Plätzchen naschen dürfen, bis mir schlecht war. Ich musste liebevoll bei all den wunderbaren Erinnerungen an Weihnachten lächeln. Die Erinnerungen an längst vergangene Erlebnisse wärmten mich von innen und ließen mein Herz kurz glücklich hüpfen. Doch die Realität holte mich viel zu schnell wieder ein – und da entschloss ich mich: Nein, ich wollte jetzt keine Lösung mehr für den ganzen Mist finden, ich wollte nicht wie Don Quichotte gegen Windmühlen kämpfen – ich wollte nicht einmal diese herrliche Zeit von damals aufleben lassen. Entschlossen klappte ich das Büchlein zu. „Abraxas? Wir gehen einkaufen." Meinte ich entschlossen. „Einkaufen?" miaute der Kater verdutzt. „Einkaufen." Bestätigte ich und begann bereits mich auf den Weg in den Flur zu machen. Das Büchlein immer fest in der Hand, ließ ich das Wohnzimmer in einem Weihnachts-Deko-Chaos zurück.



Der Gnom hinter der Supermarktkasse musterte mich argwöhnisch. Zwei Hexen – in viel zu kurzen Röcken – kicherten hinter mir. „Schau dir mal die an. Boah so hässlich." Flüsterte die andere so laut, dass es der halbe Laden hören musste. „Als ob heute noch Halloween wäre..." pflichtete die andere bei. Schon einmal in den Spiegel geschaut? Hätte ich ihnen am liebsten um die Ohren geschlagen. Aber in einer Stadt voller Monster musste ein Mensch wie das abnormalste Wesen von allen wirken... Ich zog den Kragen meiner Jacke höher und versuchte in der Jacke zu verschwinden. Eine Dämonen-Mutti nahm ihr Mumien-Kind auf den Arm und drückte es an sich, als wäre ich ein wildes Tier, dass das Kind gleich anfallen und zerreißen wollen würde... ich kam mir so fehl am Platz vor... beinahe fluchtartig verließ ich den Supermarkt und Abraxas folgte mir schweigend. Erst als ich zuhause war und die Tür dreimal hinter mir abgeschlossen hatte öffnete er den Mund. „Du willst jetzt wirklich backen?" fragte er zweifelnd. „Sollten wir nicht weiter nach einer Lösung für alles suchen?" wiederholte er seine Frage von vorhin. „Abraxas, wir haben den 24.12. und es ist Nachmittag und du hast selbst gesagt, dass die Deadline Weihnachten ist. Ich weiß nicht mehr weiter. Also werde ich backen. Oma hat immer gesagt, dass Plätzchen nicht alle Probleme lösen, aber gute Zuhörer sind." Befand ich und der Kater zuckte unzufrieden mit den Flügelchen. Ich strich ihm über den Kopf und kraulte ihn hinter dem Ohr. „Außerdem, so bleibst wenigstens du mir erhalten..." meinte ich seufzend und wusch mir die Hände, bevor sich Abraxas auf dem Sofa niederließ und mir bei meiner Backorgie zusah. Ich backte bis die Glocken draußen zur Christmette schlugen. Ich saß vor meinen Plätzchen und dachte an all meine Lieben, an all meine Freunde, an alle, die mein Leben vor Halloween bereichert haben. Auch wenn sie manchmal echt nerven konnten... „Du siehst so traurig aus, ich wünschte ich könnte dir helfen..." seufzte das Katerchen und leckte sich über die Vorderpfoten. „Weißt du – früher habe ich jedem ein paar Plätzchen..." ich brach ab und Abraxas hob den Kopf. „Jedem hast du was mit Plätzchen?!" wunderte sich der Kater. „Abraxas, wo sind die kleinen Tütchen, die wir vorhin wieder weggeräumt haben?" rief ich und begann bereits im Deko-Chaos zu wühlen. Die verständnislosen Blicke meines Gegenübers ignorierte ich gekonnt. „HA!" kam es wenig später und ich hob ein Päckchen mit Cellophan-Tütchen hoch. „Ich verstehe immer noch nicht." Beschwerte sich der Kater. „Warte es ab." Lächelte ich und begann die Tütchen mit Pistazienschnecken, Kokosmakronen, Dominosteinen, Mürbeteigplätzchen, Schachbrettplätzchen, Vanillekipferl und anderen Leckereien zu füllen. Jedes Tütchen wurde mit einer liebevoll gebundenen roten Schleife dekoriert. „So – komm." Lächelte ich. „Was soll das denn?" quengelte der Kater. „Nichts – es soll nichts, aber ich möchte ihnen eine Freude machen." Ich sah dem Kater an, dass er befürchtete, dass ich den Verstand verloren hatte. Trotzdem machte ich mich auf den Weg. Meine Nachbarn, auch heute – in dieser besinnlichen Nacht – Techno-Musik laufen hatten, dass die Türen mitwummerten. Mein Chef, der fand, dass ich mehr leisten könnte, wenn ich mir mehr Mühe gäbe und ruhig mal etwas mehr Überstunden leisten könnte. Meine Freunde, für die ich sicher nicht immer so viel Zeit habe, wie ich es mir wünschen würde. Aber auch für meine Freunde, die selbst so viel um die Ohren haben, dass sie nicht dazu kommen sich zu melden. Meine Familie, die immer wieder zurückstecken muss, weil Arbeit, Weiterbildung und Freunde vorgehen, all die Menschen, die früher mein Leben lebenswert gemacht haben. Egal ob sie es positiv oder negativ bereichert hatten, stellte ich ein Tütchen vor die Tür oder auf den Schreibtisch. Selbst dem Verkäufer im Starbucks – der sicher mit voller Absicht meinen Namen falsch schrieb und immer so grummelig war, drückte ich ein Tütchen Plätzchen mit den Worten „Frohe Weihnachten!" in die Hand. Auch wenn Abraxas mich für Verrückt hielt, blieb er an meiner Seite und auch als wir schon längst zuhause waren und ich mit einem Lächeln im Bett lag, legte er sich wieder an meine Seite. „Weißt du" begann ich. „Selbst wenn ich es nicht geschafft habe.... Ich werde auch dieses neue Leben irgendwie meistern." Meinte ich schon einschlafend.
Ein Klopfen weckte mich. 25.12. – der Kopf eines Katers lugte unter meiner Decke vor. „Ich hab wenigstens dich... nicht wahr?" fragte ich leise und strich ihm über den Kopf. Stand barfuß auf und ging zur Tür. „Mein Gott ist das Kalt..." meinte meine Mutter. „Hast du uns nicht klopfen gehört?" fragte mein Bruder. „Wieso bist du noch nicht angezogen?" ertönte die Stimme meiner besten Freundin. Alle drängten sich schnatternd in meinen Flur und verschwanden im Wohnzimmer. „Gott, wie sieht es denn hier aus?" erklang meine Mutter. „Ist mal wieder mit nichts fertig geworden." Lachte meine beste Freundin. „Dafür lieben wir sie doch." Erklang eine tiefere Stimme neben mir und ließ mich zusammenzucken. Ich sah auf und entdeckte meinen besten Freund. Ich sah ihn mit offenem Mund nach, ehe ich breit grinsend die Tür schloss. Abraxas streckte sich gähnend und tippelte auf mich zu. „Du hast es also doch geschafft?" ich nickte grinsend. „Wie?" verstand er noch immer nicht. Ich hob den Kater hoch und drückte ihn. „Verstehst du denn immer noch nicht?!" fragte ich lachend. „Die Plätzchen
Abraxas! Die Plätzchen sind mit der wertvollsten Zutat gemacht die wir haben." „Zucker?" ich lachte. „Liebe." Ich drückte das Monster-Tier an mich. „Weißt du, jeder Mensch trägt eine dunkle, "schlechte" Seite in sich und jeder ist verantwortlich, dass das Gleichgewicht zwischen Horror und Liebe, Halloween und Weihnachten bestehen bleibt. Denn auch wenn alle ein kleines Monster in sich beherbergen, lebt auch in jedem ein kleinerer oder größerer Weihnachtself... nur gemeinsam kann man Mensch sein. Und ich kann niemanden zwingen oder beeinflussen, dass er das eine oder andere lebt. Nur durch meine Taten kann ich entscheiden ob ich der Grinch oder ein Weihnachtsengel sein möchte." Abraxas lachte leise. „Also bist du doch der Weihnachtsglücksbringer..." ich lächelte und schüttelte den Kopf. „Der sind wir alle..." weiter kam ich nicht, da es an der Tür klopfte. Ich sah auf und Abraxas sprang von meinem Arm. „Oh hallo." Meinte ich zu einem mir unbekannten Mädchen. „Hey, ich bin Jessy, ich bin unter dir eingezogen und such... hey, du kennst also meine Katze schon?!" grinste sie mich an. Ich lachte und wand mich zu Abraxas. Doch nun stand wieder normaler Kater vor mir, ohne Flügel, ohne menschliche Augen, einfach eine schwarze Katze. Schade, ich würde ihn vermissen. Ich hob das schwarze Fellknäul hoch. „Hey, willst du nicht bleiben?" gab ich mir einen Ruck. „Alleine Weihnachten feiern ist doch doof...wir haben mehr als genug Plätzchen." Und auch wenn es wahrscheinlich Einbildung war – ich schwöre, dass die Katze mir kurz grinsend zugezwinkert hat!




#ENDSPOILER#

Team 26+54

#SPOILER#

Eine unerwartete Freundschaft
Halloween war vorbei und die menschlichen Wesen hatten ihre schaurige Dekoration wieder zur Seite gepackt. Keine Kürbisse und keine Verkleidungen mehr, die den Monstern in ihren Verstecken die Gelegenheit boten herauszukommen und sich ohne Probleme unter sie zu mischen. Gerade die Kinder erschraken sich über ihr Aussehen, bevor sie lachten und mit dem Finger auf sie zeigten, als würden diese sie mögen. Es war ein schönes Gefühl anerkannt zu werden und zu wissen, dass es okay war anders zu sein. Alle von ihnen hatten ihre eigene Geschichte, warum sie in ihrem derzeitigen Zustand gefangen waren und sich nicht von dieser Welt lösen konnten. Auch ich, der Geist, den niemand sah.
In meiner körperlosen Gestalt konnte ich nur zusehen und erahnen, wie es sein musste, gesehen zu werden. Die Feiern gefielen mir am besten, waren sie so lebensfroh und schaurig mit den skurrilsten Spielen versehen. Die Menschen waren schon ulkig, wenn sie zu viel tranken. Oftmals fragte ich mich, wie sich die Flüssigkeit auf meiner Zunge anfühlen mochte. Anfangs war es noch ein komisches Gefühl, weil sämtliche Wesen durch meinen Körper schritten, als würde ich aus reiner Luft bestehen. Ich vermisste das Gefühl etwas in meinen Händen zu halten oder Wärme zu spüren. Meine Fingerspitzen fühlten sich kalt an, wie auch der Rest meines Körpers. Doch man gewöhnte sich daran.
Nach Halloween verzogen sich die meisten andersartigen Wesen wieder, war es für sie nicht bestimmt, länger in der Öffentlichkeit zu verweilen. Hier und da hörte man aus den Gräbern ein leises Schnarchen, schliefen sie bis zum nächsten Jahr durch. Auch ich trat zu meinem Grab und versuchte das Kreuz darauf zu berühren. „Jonathan.“ Mit zwölf Jahren war mein Leben vorbei gewesen, hatte ich die meiste Zeit in Krankenhäusern verbracht, um darum zu kämpfen, weiterzuleben. Am Ende hatte mein Körper aufgegeben, war zu schwach und kein Spender war in Sicht gewesen. Ein Gefühl der Trauer überkam mich und gleichzeitig eine tiefe Verzweiflung, weil ich nicht wusste, warum ich noch hier war. Gab es eine andere Welt dort draußen? Meine Mum sagte mir doch damals mit Tränen in den Augen, dass ich bald an einen schönen Ort kommen würde.
Betrübt ließ ich die angehaltene Luft aus meinem Körper heraus und wandte den Blick von meinem Namen ab. Einmal war ich bei meiner Familie gewesen und seitdem verspürte ich eine Art Sehnsucht und ein Verlangen nach ihrer Liebe, die den Schmerz in meiner Brust tilgen sollte. Jetzt war der Stich nur ein leichtes Kribbeln, verschwammen die Erinnerungen an mein eigentliches Leben unwillentlich nach und nach. „Gute Nacht“, wisperte ich zu den anderen Gräbern und legte mich auf mein Grab, wobei es eher ein Schweben war. Die Augen geschlossen, wollte ich in eine neue Welt eintauchen, war meine Fantasy noch unbändig groß. Doch von weiter Ferne hörte ich ein merkwürdiges Geräusch. Es klang wie ein Heulen und Schluchzen zugleich und je mehr ich versuchte es zu verdrängen, umso lauter schien es zu werden.
Nach wenigen Minuten packte mich die Unruhe und ich richtete mich auf. „Ich hoffe der Friedhofswärter hat nicht wieder seinen Hund draußen vergessen“, murmelte ich am Rande und schwebte über sämtliche Gräber hinweg. Viele waren hübsch geschmückt, sah man deutlich die Liebe der Menschen, andere dagegen wirkten verwahrlost und verlassen. Ein Blick zurück zeigte mir, dass ich nicht vergessen wurde. Meine Lieblingsblumen waren fein säuberlich auf mein Grab gelegt worden und schenkten mir ein angenehmes Gefühl. Leicht erschauderte ich, als das Geräusch erneut in der Nähe erklang und ich endlich den Grund für diese Geräuschkulisse erkannte.
Ein zusammengekauertes Wesen, das mich stark an einen der Zombies erinnerte, saß neben einem Baum und weinte bitterlich. Die großen roten Tränen tropften auf den kahlen Waldboden und die bläulich schimmernde Haut glänzte im fahlen Mondlicht. Seine Hände waren ganz verheddert in einem dünnen Band, während vor ihm eine Dose war, die auf einem bunten Papier lag. „Wieso weinst du?“, fragte ich langsam voller Neugier. Ich erwartete keine Antwort. Aber, als die großen tränenverschleierten Augen sich auf mich richteten, erstarrte ich. „Ich…ich möchte, dass es perfekt wird. Aber meine Hände, die sind so ungeschickt und groß! Ich bekomme es einfach nicht hin“, meinte er und schien zutiefst betrübt. Er sah mich? Diese Tatsache verunsicherte mich zutiefst, erschien es mir so fremd, wirklich mit jemanden zu reden und meine Gedanken austauschen zu können. Als er mein Schweigen bemerkte, wandte er wieder den Blick ab und schien voller Wut und Verzweiflung, sich aus dem Band entwirren zu wollen, was es nur noch schlimmer machte. „Nicht. Warte“, sagte ich eine Spur zu schrill und schwebte direkt vor seine Hände. Hätte ich noch ein Herz, wäre es schnell schlagend vorgesprungen. „Warum machst du das überhaupt?“, fragte ich weiter, während ich nachdenklich das enganliegende Band begutachtete. „Fang hiermit an. Erst links und rechts“, fuhr ich fort, bevor er zu einer Antwort ansetzen konnte. Irritiert kam er meiner Aufforderung nach und ich fing an ihn mit meinen Fingern in die richtige Richtung zu lenken, damit der Faden lockerer wurde und er ohne Probleme mit seiner Hand herauskam.
„Ich habe durch Zufall von diesem Fest der Menschen gehört. Es soll wohl ähnlich wie Halloween sein, aber auch ganz anders. Es wird auch das Fest der Liebe genannt. Warum, das weiß ich nicht. Du hältst mich sicher für albern, aber man sagt, dass man dort Geschenke an seine geschätzten Wesen verschenkt und ich…“ Leicht röteten sich seine Wangen und ich konnte nicht anders als leise aufzulachen. „Lass mich raten, du möchtest dieses Geschenk einem Wesen geben, das dir viel bedeutet“, beendete ich seinen Satz und wiegelte bedeutungsvoll mit den Augenbrauen. „Lach mich nicht aus!“, meinte er und schlug mit der freigewordenen Hand nach mir, wobei seine Hand komplett durch mich hindurch glitt. „Oh!“, sagte er und schien jetzt erst zu realisieren, dass ich ein spirituelles Wesen war. „Solltest du nicht längst woanders sein?“ Als er seine taktlosen Worte bemerkte, riss er die Augen auf. „Ich meine, Geister sieht man nicht oft hier“, fügte er noch hastig hinzu und ich konnte ihm nicht böse sein, war er sicher von Natur aus nicht gut mit dem Umgang von Worten. „Ich weiß nicht, warum ich noch hier bin“, gestand ich ihm dann mit leiser Stimmlage, und ein Schweigen entstand zwischen uns.
„Dann lass uns gemeinsam den Grund herausfinden!“, sprach er plötzlich mit einem warmen Lächeln auf den Lippen. Mein Blick musste hoffnungslos wirken. Wieso wollte er mir seine Hilfe anbieten? „Und wie?“, entgegnete ich langsam. Wie sollte ein Fremder wissen, was mich noch davon abhielt zu gehen? „In dem wir in die Menschenwelt gehen und uns dieses Fest anschauen“, sagte er mir mit einer neuen Euphorie, die mir selbst ein freudiges Kribbeln bescherte. Ich kannte nur mein Weihnachten. Meine Eltern hatten mir einen kleinen künstlichen Weihnachtsbaum ins sonst so weißliche Krankenhauszimmer gestellt und mir Weihnachtslieder vorgesungen, bevor sie mir Geschenke gaben. Es war schön gewesen. Am Rande erzählten sie von dem Weihnachtsmarkt und dem Weihnachtsmann, der ihnen diese Geschenke übergeben hatte, damit ich ganz schnell wieder gesund wurde. Jetzt könnte ich dies alles selbst sehen, in dem ich das freundliche Angebot annahm. „Okay…“, erwiderte ich atemlos und blickte zu der noch immer unverpackten Dose herunter. „Aber zuerst werden wir dein Geschenk verpacken“, sagte ich voller Tatendrang und sah Unmut in seiner Miene aufkommen. „Du schaffst das. Ich werde dir sagen, wie es am einfachsten ist. Du musst nur meinen Anweisungen folgen“, forderte ich mit mehr Nachdruck und er gab nur ein kleines Gurgeln von sich, bevor er sich darauf einließ. „Ich bin übrigens Edgar“, stellte er sich vor und damit war der Fremde kein Fremder mehr. „Nenn mich John“, sagte ich, wollte nicht meinen ganzen Namen hören, war er mir zu fremd geworden.
Nach mehrmaligen Versuchen fehlte nur noch die Schleife, die der schwierigste Part war. „Hasenohr, Hasenohr, einmal rum, dann durchs Tor.“ So hatte man es mir beigebracht und ich konnte nicht anders als zu lachen, weil er mich voller Verwirrung und Hilflosigkeit mit großen Augen anstarrte. „Okay nochmal langsam…“ Ich wiederholte es und seit jener Begegnung, verbrachten wir die Tage zusammen, während die anderen Wesen längst in ihren Gräbern schliefen.
Erstes Weihnachten
„Du siehst echt schräg aus in diesem Kostüm und sieh nur wie die Leute dich ansehen“, lachte ich und bekam mich gar nicht mehr ein. In einem roten Mantel gehüllt und das Gesicht mit einer roten Mütze und einem weißen Bart verdeckt, konnte niemand erahnen, dass sich dahinter ein Zombie verbarg. Wir hatten das Outfit in einem Altkleidercontainer gefunden, war uns keine andere Option eingefallen, um nicht gleich die gesamte Menschheit in Aufruhr zu versetzen. Doch der Plan ging nur halb auf, war das Outfit so auffällig, dass sämtliche Augen auf uns hingen. Oder wohl eher auf Edgar. Dieses Mal war ich froh, dass mich niemand sehen konnte.
Mit freudig funkelnden Augen nahm ich meine Umgebung wahr und konnte nicht aufhören, die vielen Lichter und Dekorationen zu bewundern. Ein Rentier stand in einem Schaufenster und neben ihm war ein kleiner Tannenbaum. „Wow…“, meinte ich leise und Edgar drehte sich zu mir um, bevor er über meine Faszination lächelte. Zumindest glaubte ich, dass er es machte, denn ich konnte nur seinen Bart sehen, der auf und ab schwang. „Ich könnte es dir holen“, sagte er und mit holen meinte er sicher nicht, an der Kasse mit seinem imaginären Geld bezahlen. Aber bevor er noch auf die Idee kam seine Worte umzusetzen, zupfte ein kleines Kind an seinem Mantel und zog Edgars Aufmerksamkeit fort. „Bist du der Weihnachtsmann?“, fragte sie mit süßer unschuldiger Stimmlage und ich konnte förmlich die Überforderung in Edgars Gesichtszüge sehen. Sicherlich gehörte er auch zu der Sorte, die Kinder eher verschreckten und erst recht keinen Umgang mit ihnen kannten. Als er auch noch in meine Richtung blickte, legte ich den Kopf schief und blieb neben ihm stehen. „Du solltest ihr nicht die Hoffnung nehmen. Sag einfach ja“, versuchte ich ihm aus der Misere zu helfen.
„Ich…ja…ja ich bin der Weihnachtsmann!“, posaunte er mit einem Mal voller Elan durch den ganzen Platz. Peinlich bedrückt zog ich den Kopf ein, während das Kind ihn anzuhimmeln schien. „Bekomme ich ein Einhorn zu Weihnachten?!“, fragte sie geradeheraus und Edgar schien ganz und gar nicht begeistert von dieser Anfrage. „Einhörner sind nicht gerade freundliche Wesen. Eines davon hat auf mein…“ Schnell räusperte ich mich laut und sah das Lächeln auf ihrem Gesicht verschwinden. „Das üben wir noch, Weihnachtsmann“, zog ich ihn auf und fühlte mich automatisch an mich selbst erinnert. Hoffnung war etwas Schönes, sie zu zerstören war einfach nur grausam und falsch. Was blieb uns noch, wenn wir nicht mehr träumen und an etwas glauben konnten? „Edgar. Sag ihr, dass du alles in deiner Macht Stehende machst, um ihren Wunsch zu erfüllen“, murmelte ich und nahm mir vor, ihr diesen Wunsch zu erfüllen, egal wie. Edgar schien mir zu vertrauen und ging in die Hocke, um mit ihr auf Augenhöhe zu reden. Langsam wiederholte er die Worte und das Mädchen schmiss sich in seine Arme, wobei er ihr unbeholfen auf den Rücken patschte. Ich grinste und sobald das Mädchen zu ihren Eltern gelaufen war, schlug ich ihm gegen die Schulter, beziehungsweise ich versuchte es. „Wer kann ahnen, dass deine Schauspielkünste so herausragend sind“, konnte ich mir nicht verkneifen und bekam einen bösen Blick zugeworfen, bevor er letztendlich auch zu grinsen anfing.
Schon bald kamen wir beim Marktplatz an. Die dichte Menschenmenge lichtete sich und machte Platz für die kleinen Holzhütten, bei denen es allerlei Sachen zu holen gab. Deutlich sah ich Rauch in die Luft aufsteigen und versuchte den Geruch einzufangen. Edgar schien sehr angetan. „Es riecht sehr süßlich“, sagte er, weil er mich an seiner Wahrnehmung teilhaben lassen wollte. Dankbar blickte ich zu ihm, bevor eine ältere Dame ihm zu wank und mir meine Gesichtszüge komplett entglitten. Es war meine Mum. Die Frau, die mir einst die Hand in meinen letzten Atemzügen gehalten und immer für mich da gewesen war. Schwer schluckte ich und ging automatisch zurück, was auch Edgar stirnrunzelnd wahrnahm. „Was ist los?“, sprach er und der Mann neben ihm blickte ihn mit einem merkwürdigen Ausdruck an. „Kenne ich Sie?“, wollte er wissen und Edgar schüttelte hastig mit dem Kopf, während er weiter zu der Frau vorging, die in ihrer kleinen Hütte saß und Mandeln, sowie kleine Leuchtsterne, verkaufte. „Der Weihnachtsmann höchstpersönlich. Sie haben sicher Hunger nach ihrem langen Arbeitstag. Wie wäre es mit frischen Mandeln? Suchen Sie sich eine Sorte aus“, meinte sie freundlich und lächelte. An ihren Mundwinkeln bildeten sich kleine Grübchen und auch an ihren Augen waren kleinere Falten zu sehen. Wie lange mochte es her sein? Ihre Haare waren grauer, aber aus ihren Augen sprach eine Weisheit und Güte, die mein ganzes Wesen in Aufruhr versetzte. Schmerzlich wurde mir bewusst, wie sehr ich sie vermisste und wie gerne ich mit ihr reden würde.
Edgar schien fokussiert auf die Leckereien, blickte aber kurz zu mir, als würde er die Veränderung in mir merken. Es war schon komisch, schien er manchmal mehr in mir zu sehen, als ich selbst. „Ich würde gerne bei den schlichten Mandeln bleiben“, sagte er langsam und bekam daraufhin eine kleine bunte Tüte in die Hand gedrückt. „Danke sehr. Sagen Sie mir werte Dame…was mögen Sie besonders an diesem Fest?“, fragte er auf einmal in einer Wortgewandtheit, die ich ihm kaum zugetraut hätte. Überrascht sah meine Mutter ihn an und lächelte noch breiter. „Dieses Fest verbreitet so viel Wärme und Glückseligkeit. Es ist einfach schön, den Menschen eine Freude zu machen und in dem Moment zu leben. Gerade die Kinder haben Spaß daran…Ich wünschte mir, dass mein Sohn es auch einmal hätte sehen können“, sagte sie und wischte sich schnell über die Augen. Ein Kloß bildete sich in meinem Hals und ich wollte sie nur zu gerne in den Arm nehmen. „Sag ihr, dass sie sich keine Sorgen um mich machen muss. Sie soll sich nicht schuldig fühlen, sie hat genug getan.“, murmelte ich mit erstickter Stimme und Edgar verstand es, ohne näher nachzufragen, als hätte er die Verbindung zwischen uns ohnehin schon durchblickt. „Werte Dame. Seien Sie sich sicher, dass John glücklich auf dieses Fest herunter blickt und es ihm gut geht.“, wiederholte er. Meine Mutter schien irritiert und beäugte ihn erneut. „Woher kennen Sie den Namen meines Sohnes?“, fragte sie bestimmt. Edgar, der nun deutlich unter ihrem Blick zu schwitzen begann, konnte nur eines erwidern. „Ich bin der Weihnachtsmann. Wenn ich es nicht weiß, wer dann? Ich wünsche Ihnen eine angenehme Weihnachtszeit. Ho, ho.“ Scheinbar hatte er sich den Spruch von einer der Fernsehwerbungen abgeschaut.
Schnell ging er fort und ich warf meiner Mutter noch einen letzten Blick zu, bevor ich ihm folgte und er erst bei der nächsten unbesuchten Gasse stehen blieb. „Nie wieder ziehe ich dieses Outfit an!“, sagte er und riss sich den Bart herunter. Seine bläulichen Wangen waren gerötet und der Schweiß stand auf seiner Stirn. „Danke“, war das einzige Wort, was ich herausbrachte und er hielt inne. Ein verlegener Ausdruck machte sich auf seinem Gesicht breit. „Gern geschehen, Kleiner.“ Schweigend schritten wir durch die Gassen zurück zum Friedhof, als er seinen Kopf plötzlich zu mir ruckte. „Ich habe eine Idee“, sagte er langsam und sein Lächeln ließ mich unruhig werden. Was hatte er nun wieder vor?
Der Abschied
Es war Weihnachten, als ich nervös hin und her schwebte und immer wieder zu Edgar blickte. „Bist du dir sicher?“, fragte ich leise, kaum fähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Ich war so aufgeregt, hatte es mich einiges an Überwindung gekostet seiner Idee nachzukommen. „Ja, du wirst sehen!“, sagte er zuversichtlich und zwinkerte mir keck zu. Wir hatten einen Deal ausgehandelt, nachdem er mich förmlich mit seiner glorreichen Idee überfallen hatte und ich war gespannt, ob er es ebenso durchziehen würde.
Es war Abend. Die Straßen waren voller Autos, aber kein Mensch war draußen zu sehen. In den Fenstern brannten überall Lichter und man hörte die Weihnachtslieder bis nach draußen klingen. Ich mochte sie, summte leise mit, um meine eigene Nervosität zu ignorieren. Neben mir huschte Edgar durch die Schatten, bis wir vor einem bestimmten Haus zum Stehen kamen. Hausnummer 24. Nun ging mir endgültig mein Hintern auf Grundeis, wollte ich ihn am liebsten aufhalten, als er den geschriebenen Brief vor die Haustür legte und die Türklingel betätigte. Tagelang hatte ich versucht die richtigen Worte zu finden und nun war es so weit. Edgar huschte in Deckung, während ich selbst bei dem Brief stehen blieb und wartete, bis mein Vater die Tür öffnete und lächelnd nach draußen trat. Es war schön ihn zu sehen, trug er noch immer den alten Rentierpullover, den meine Mutter immer wegwerfen wollte. Auch sein Gesicht trug mehr Falten mit sich und als er den Brief sah, runzelte er die Stirn und nahm ihn mit sich nach drinnen. „Geh hinein“, sagte Edgar aufmunternd und gab mir den letzten Schubs, um in mein altes Zuhause einzutauchen. Hier schien alles noch wie früher, nur war alles hübsch geschmückt. Im Flur hingen Bilder von uns, die ich mit einem wehmütigen Lächeln betrachtete. Ich konnte mich an jedes davon erinnern. Dann führte mich der Weg ins Wohnzimmer, wollte ich nicht den Moment der Offenbarung verpassen.
In der Mitte des Baumes stand ein großer Tannenbaum, geschmückt mit Kugeln und Limetten. Bewundert trat ich näher und entdeckte meine selbst gebastelten Sterne, was mich zutiefst berührte. „Schatz. Das lag vor unserer Tür“, meinte mein Vater mit tiefer Stimme und meine Mutter, die es sich in dem alten Sessel gemütlich gemacht hatte, nahm den Brief entgegen. Am Rande trällerten Weihnachtslieder und am Fernsehen lief „Kevin allein zu Hause“. Ich liebte den Film und spürte Nostalgie in mir aufkeimen. Am Rande hörte ich das Zerreißen des Umschlags, bevor ich deutlich das Zischen seitens meiner Mutter vernahm. Fassungslos hielt sie sich die Hand vor dem Mund. „Es ist ein Wunder“, sagte sie, lächelte und weinte gleichzeitig, bevor sie ihn meinem Vater überreichte. Dieser brauchte etwas länger und musste sich auf die Sessellehne setzen. „Denkst du wirklich, dass er von ihm ist?“, fragte er leise und am liebsten hätte ich es ihnen beiden bestätigt. „Ich bin hier, ich bin bei euch. Bitte glaubt mir“, wisperte ich. Dann richtete sich plötzlich ihr Blick auf mich. „Ja…ich glaube, er ist von ihm. Einmal kann noch Zufall sein, aber zweimal? Wenn du hier bist, John. Danke. Wir lieben dich und du wirst immer in unserem Herzen sein“, sagte sie ernst und voller Zuneigung. Ihr Lächeln war aufrichtig, wirkte sie ganz anders, als bei meinem ersten Besuch. Eine Last fiel von meinen Schultern ab und ich merkte ein angenehmes Kribbeln in meinem gesamten Körper. Erschrocken sah ich, wie meine Hand verschwand und erkannte die Wahrheit. Ich hatte mich schuldig gefühlt, konnte nicht gehen, weil mich die Last ihrer eigenen Trauer zu sehr heruntergezogen hatte. Aber nun wussten sie es und sie hatten einen Weg gefunden, ihre Trauer zu bewältigen. „Danke…“, sagte ich heiser und lächelte, weil mein Dad sie in seine Arme nahm und festhielt. Sie beide würden klarkommen. Gerade verlor ich mich in dem herzlichen Anblick, als mir etwas Wichtiges einfiel. Edgar!
Während mein Körper sich zunehmend aufzulösen schien, stand er noch an Ort und Stelle und schien nicht überrascht über meinen Zustand. „Ich habe es geahnt, schon als ich deinen Ausdruck auf dem Weihnachtsmarkt gesehen habe“, gestand er mir und lächelte schief. Leicht kratzte er sich am Hinterkopf und trat auf mich zu. „Was…aber…“ „Es wird wohl Zeit sich zu verabschieden. Dein Weg ist ein anderer als meiner. Doch ohne dich hätte ich niemals verstanden, was es bedeutet zu geben und zu nehmen. Die Liebe ist genau dies, ein Geschenk, um das man sich kümmern muss“, sagte er und ich wusste seine Worte durchaus zu schätzen, verstand ich die Botschaft dahinter. Manchmal reichten kleine Worte aus. „Danke…“, sagte ich nun zu ihm und als ich mich vorbeugte, glaubte ich für einen Moment seine Wärme zu spüren. „Hab eine gute Reise…“ „Und du vergiss nicht dein Versprechen.“ Ein letzter Blick auf sein ganzes Wesen und ich wusste, dass das Äußerliche rein gar nichts aussagte, war es doch sein inneres Wesen, das die wahre Schönheit ausstrahlte. Ich wusste, dass auch er sein Glück finden würde.
Und dies fand er auch, ging Edgar vor seinem Frankenstein in die Knie und bat ihn darum, sein Geschenk und damit auch seine Liebe anzunehmen. In der Dose war der Schlüssel zu einem Haus, das der Anfang ihres Lebens darstellen sollte. Auch vergaß er nicht dem Mädchen, dessen Adresse ich mit viel Recherche herausgefunden hatte, ihr ein kleines Pony mit gebasteltem Horn in den Garten zu stellen.




#ENDSPOILER#


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Isla

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Re: 🎲Gewinner Schaurig-Schöne Weihnachten

von Isla am 05.12.2021 19:41

Team 11+1

#SPOILER#


Das verfluchte Einkaufszentrum

Lucy legte ihren Kopf gelangweilt auf den Tisch.
"Was wollen wir denn dieses Jahr machen?" fragte sie in die Runde und sah erst Bernd an der sich mal wieder den rechten Arm neu festmachen musste und anschlieĂźend sah sie zu Philipp der mit drei seiner Rippen jonglierte.
"Wie wäre es wenn wir ein Haus infiltrieren um den Weihnachtsmann an Heiligabend zu erschrecken?" schlug Bernd vor.
"Aber das haben wir doch schon vorletzten Jahr gemacht." gab Lucy zu bedenken und klopfte mit ihrer rechten Hand auf dem Tisch rum. Dies gab allerdings keine Geräusche von sich was daran lag das es für Geister schwierig war mit materiellen Dingen zu interagieren.
"Wie wäre es denn dann damit das wir das neue Kaufhaus in Lexington besuchen und dort unseren Spaß haben?" war Philipps Vorschlag.
Sofort sprang Lucy förmlich auf, oder vielmehr schwebte sie abrupt über dem Stuhl:
"Das ist ja eine hervorragende Idee. Das letzte mal das wir sowas gemacht haben ist ja schon Jahrzehnte her." sagte sie schon ganz aufgeregt.
Sofort machten die drei sich an die Planung es gab immerhin viel vorzubereiten.
Einige Tage später, es war ein Tag nach dem dritten Advent, fuhren die drei im Auto nach Lexington.
Jedes Jahr zwischen dem dritten und vierten Advent spielten nämlich der Graf und der Weihnachtsmann eine Woche lang Schach. Es waren unzählige Partien die die beiden spielten aber am ende gewann immer der Weihnachtsmann ein paar Partien mehr als der Graf und das einfach nur weil er schummelte. Dadurch hatten sie jedes Jahr eine knappe Woche Zeit um irgendwo das Weihnachtsfest ein wenig schauriger zu machen.
Die Autofahrt war zwar lang aber dafür alles andere als ereignislos. Lucy saß selbstverständlich hinten. Als Geist konnte sie kein Auto fahren. Bernd saß auf dem Beifahrersitz, hatte seinen linken Arm in der rechten Hand und winkte damit anderen Autofahrern zu. Derweil saß Philipp auf dem Fahrersitz. Er war der einzige von ihnen der unfallfrei ein Auto bedienen konnte. Er trug einen schicken schwarzen Anzug und sah dadurch fast menschlich aus. Aber eben nur fast. Die Hände am Lenkrad waren noch immer Skeletthände und sein Kopf war immer noch ein bloßer Totenschädel. Alleine die Autofahrt war dementsprechend äußerst unterhaltsam. Lucy lachte fast unentwegt während sie die anderen Autofahrer beobachtete wie diese nicht glauben konnten was sie dort sahen. Einige bremsten sogar abrupt ab und mehr als einmal hätte es fast zu einem Unfall geführt, aber letztlich kamen sie sicher in Lexington an.
Das digitale Zeitalter war wirklich ein Segen für die drei. Sie konnten ihr Hotelzimmer über das Internet buchen, konnten online ein- und aus-checken und selbst den Zimmerschlüssel, der nur ein Zahlencode war, konnten sie online erhalten. Dadurch gelangten sie unbemerkt in ihr Zimmer. Direkt in der ersten Nacht gingen sie zu dem Einkaufscenter um es auszukundschaften. Sie überprüften wie sie sich Zugang verschaffen konnten, welche Läden es gab und jeder überlegte für sich was sie hier anstellen konnten. Es war ein wahrlicher Segen das sie alle dank des Grafen nicht von Videokameras oder ähnlichen aufgenommen werden konnten. Einige Stunden später trafen sie sich wieder, verließen das Einkaufszentrum und gingen wieder auf ihr Zimmer.
Am nächsten Tag schmiedeten sie Pläne was sie alles machen wollten und vor allem wie sie es denn umsetzten sollten. Sie diskutierten einige Stunden bis sie sich zufrieden einigten um dann auf die Nacht zu warten. In der folgenden Nacht gingen sie erneut zu dem Einkaufszentrum zudem Lucy ihnen zutritt verschaffte. Es war einfach unglaublich praktisch einfach durch die geschlossenen Türen zu gehen um diese dann von innen zu entriegeln. Drinnen angekommen entriegelte Lucy als erstes die Läden die das heutige Ziel sein würden. Es war praktisch das keiner von ihnen auf Videobändern zu erfassen war und es war genauso praktisch das sie Nachts sogar besser als tagsüber sehen konnten, denn so brauchten sie kein Licht einzuschalten. Nachdem sie einige Stunden später fertig waren trafen sie sich wieder, Lucy schloss die Läden wieder ab und anschließend auch das Einkaufszentrum selber. Jetzt hieß es nur noch warten bis es am nächsten Tag wieder öffnete.
Am nächsten Tag kurz bevor das Einkaufszentrum öffnete aktivierte Philipp die Liveschaltung zu den Überwachungskameras die er vorige Nacht installiert hatte. Am Anfang war alles normal doch in dem Klamottengeschäft in dem Bernd war passierte es, eine Frau schrie plötzlich laut auf nachdem sie sich eine Bluse vom Halter genommen hatte und aus dieser eine recht große Spinne krabbelte. Sie ließ die Bluse fallen und rannte schreiend aus dem Laden und sie war nicht die einzige eine weitere Kunden schrien auf als sie Klamotten mit Spinnen im inneren auffanden. Eine Frau rannte sogar nur in Unterwäsche bekleidet aus der Umkleide als sie erst dort bemerkte das sich Spinnen in ihren gewählten Klamotten befanden.
"Bernd? Wie... wie viele Spinnen hast du denn dort deponiert?" fragte Lucy die sich vor Lachen kaum einkriegen konnte und auch Philipp schien sichtlich amĂĽsiert zu sein so wie seine Knochen klapperten.
Bernd legte seinen Kopf schief als wollte er überlegen doch dann fiel dieser zu Boden und rollte über diesen während sein Körper versuchte ihn wieder einzusammeln. Dabei antwortete er:
"WeiĂź ich nicht genau, aber es waren bestimmt an die fĂĽnfzig StĂĽck."
"Fünfzig?!" kam es ungläubig von Lucy die sich in der Luft um sich selbst drehte vor Lachen.
Philipp deutete auf den Monitor, Lucy ich glaub gleich geht es in deinem Laden los. Sofort widmete Lucy sich wieder dem Monitor während Bernds Körper seinen Kopf wieder eingefangen hatte und unter dem Arm hielt. Ein weiterer Schrei kam aus einer Umkleidekabine eines anderen Ladens als die Frau plötzlich oben in der Ecke einen Mann erblickte der sich dort scheinbar festhielt und ein Weihnachtsmannkostüm trug. Erst bei genauerem hinsehen stellte sie fest dass sich jemand mit einer Schaufensterpuppe offenbar einen Spaß erlaubt hatte. Und dies war nicht die einzige Schaufensterpuppe die an einer äußerst fragwürdigen Stelle platziert war und entweder wie ein Weihnachtsmann oder eine grüne Helfer Elfe angezogen war, wie bald einige weitere Kunden herausfinden würden.
Damit endete dann auch schon langsam der Tag und die Nacht brach herein. Auch in dieser Nacht besuchten sie das Einkaufszentrum um erneut einige Sachen vorzubereiten. Als dann der nächste Tag anbrach versammelten sich die drei wieder aufgeregt vor dem Laptop um sich die Reaktionen der Besucher anzusehen. Am Anfang passierte ... nichts. Doch plötzlich sahen sie den ersten Mann plötzlich aufschreien als er aus einem Regal mit Weihnachtsgeschenkpapier einen Unterschenkelknochen zog und diesen zu Boden fallen ieß.
"Philipp du hast nicht ernslthaft deine eigenen Knochen?" fragte Lucy und kicherte. Doch Philipp schüttelte den Kopf was ein ungewöhnlich klapperndes Geräusch von sich gab
"Natürlich nicht. Ich habe extra ein paar alte dafür mitgenommen. Keine Sorge keine menschlichen." erklärte er.
"Du weiĂźt doch das mich das nicht interessiert. Hauptsache es ist lustig." grinste sie ihn an
"Mag sein, aber der Graf sieht es bestimmt anders."
"Da hast du wahrscheinlich recht."
"Hey ihr beiden, es geht weiter." lenkte Bernd die Aufmerksamkeit der beiden nun wieder auf den Bildschirm. Diesmal war es ein Lebensmittelmarkt und ein Kind zeigte aufgeregt an die Decke.
Nach und nach sahen immer mehr an die Decke und sie erblickten Fledermäuse. Und viele davon. Manche hingen an der Decke, die meisten allerdings an den unzähligen Lichterketten die aufgehängt wurden. Es waren unzählige und manche öffneten kurz ihre Flügel, streckten sie und schlossen sie dann wieder um ihren Körper.
"Wo hast du so viele Fledermäuse her?" fragte Philipp halb erstaunt halb bewundernd.
"Die sind nicht echt, sehen nur äußerst echt aus." gab Bernd zu, stand auf und holte eins der Spielzeuge raus die auch die Flügel öffnete und schloss wenn man sie an machte.
"Der Wahnsinn was es heutzutage alles gibt." staunte Lucy.
Danach brauchten sie dann auch nicht mehr lange warten bis der groĂźe Weihnachtsbaum in der Mitte des Einkaufszentrum angemacht wurde und die ganzen Christbaumkugeln und Lichterketten das leuchten anfingen. Allerdings gab es augenblicklich schockierte Menschen im Einkaufszentrum denn kaum wurde das Licht vom Baum angeschaltet da wurden auch schon gruselige Nachrichten mit rotem Licht an die Wand projiziert. Unter anderem stand direkt vor einem Coffeeshop nun Mein Blut, vor Lucys KĂĽnstleratelier stand die Aufschrift Warum Lucy? und ĂĽber dem Sitz auf dem ein verkleideter Weihnachtsmann saĂź stand Du hast es mir versprochen
Einige Minuten später wurden die Lichter wieder ausgeschaltet und die blutroten Nachrichten verschwanden wieder.
Lucy konnte nicht mehr. Sie lachte sich vor kringeln als sie die schockierten Gesichter gesehen hat. Auch Bernd und Philipp amüsierten sich prächtig auch wenn sie dies nicht so offen zeigen konnten.
In der kommenden Nacht wollten sie nochmal in das Einkaufzentrum gehen aber es schien das jetzt einige Menschen die ganze Nacht damit beschäftigt waren alles Rückgängig zu machen und offenbar wurde auch das Videomaterial gescannt um die Übeltäter zu finden.
"Schade, eigentlich wollte ich ihnen doch noch meine andere Überraschung zeigen." schmollte Lucy ein wenig als sie unverrichteter Dinge zurück zum Hotel gingen. Bernd und Philipp wollten ihr beide auf die Schulter klopfen um sie aufzumuntern aber schlugen ins leere und wären fast hingefallen dadurch. Nun lachte Lucy dafür aber wieder.
Die drei gingen anschließend wieder zurück zu ihrem Zimmer, schliefen diese Nacht aus um sich dann am nächsten Tag auf den Rückweg zu machen.




#ENDSPOILER#

Team 85+9+14

#SPOILER#


Der Mond beschien das Dach, auf dem der Weihnachtsmann sich befand, mit seinem sanften Licht. Für einen Augenblick blieb der Mann mit dem weißen Bart neben dem Schornstein, den er soeben wieder verlassen hatte, stehen und ließ den Blick über die Stadt schweifen. Nur noch die Lichter, die die Menschen alljährlich zu seinem Fest aufhängten, ließen die Straßen, Häuser und Wohnungen erleuchten.
Wie jedes Jahr wurde er in der letzten Nacht vor Heiligabend von gemischten Gefühlen erfasst. Der Stress der letzten Wochen und Monate war geschafft – seine Elfen und er hatten alle Wunschzettel gelesen, die Spielzeuge gebastelt, sie in buntes Papier eingepackt und auf seinen Schlitten geladen. Seine Rentiere waren gestärkt und gepflegt für ihre wichtigste Nacht des Jahres. Es war alles vorbereitet.
Und auch wenn er in dieser Nacht glĂĽcklich sein sollte, weil beim Morgengrauen wieder seine Urlaubszeit begann, so wurde er doch jedes Mal ein wenig traurig, melancholisch, wenn der Zauber wieder vorĂĽber war. Er genoss es zu beobachten, wie nahezu alle Menschen in der Weihnachtszeit aufblĂĽhten, wie sie zusammenfanden, gemeinsam sangen, lachten und ihre Freude teilten. In keiner Zeit des Jahres kamen die Menschen in so viel Liebe zusammen, wie sie es in der Weihnachtszeit taten.
Mit einem leichten KopfschĂĽtteln vertrieb der Weihnachtsmann seine Gedanken, sollte er sich doch wieder auf seine Aufgabe konzentrieren, damit er auch ja rechtzeitig fertig wurde.
Und somit stieg er von dem Dach hinab und lief zu seinem Schlitten, den er in einer kleinen Gasse geparkt hatte. Er bestieg seinen Sitz und nahm die ZĂĽgel in die Hand. Gerade wollte er Rudolf und seine anderen Rentiere abheben lassen, als ihn ein leises, helles Klirren innehalten lieĂź.
Irritiert sah er sich um, versuchte herauszufinden, woher dieses Geräusch kam, als es sich bereits wiederholte. Und noch einmal. Und noch einmal. Langsam ließ der Weihnachtsmann den Blick nach unten schweifen, und fand eine kleine Kugel vor, die immer wieder gegen die Kufen seines Schlittens schlug.
Sehr irritiert erhob sich der bärtige Mann wieder aus seinem Schlitten und umfasste die Kugel mit einer Hand, um sie hochzuheben und sich genauer anzusehen. Es handelte sich augenscheinlich um eine Weihnachtskugel, allerdings sah sie anders aus, als alle Kugeln, die der Weihnachtsmann bisher gesehen hatte. Auf ihr war eine Fledermaus mit spitzen Zähnen abgebildet – nun wahrlich kein sonderlich weihnachtliches Motiv. Woher sie wohl kam?
Er beschloss, sich nach seiner Geschenke-Tour damit zu beschäftigen. Nachdem er die Kugel sicher verstaut hatte, machte er sich somit auf den Weg, um seine restlichen Geschenke zu verteilen.
Doch immer wieder rollten ihm auf seinem nächtlichen Rundgang weitere dieser Kugeln vor die Füße. Sie zeigten allesamt komische Motive – Kürbisse, Geister, Spinnen – und wirkten damit so überhaupt nicht weihnachtlich. Doch auch wenn es sehr untypisch für sein Fest war, so erschienen es ihm dennoch eine sehr originelle Idee zu sein, die Kugeln auf diese Art und Weise zu bemalen. Und vielleicht gefiel nicht nur ihm diese Aufmachung? Vielleicht konnte er sie für weitere Weihnachtsgeschenke für das kommende Jahr benutzen?
Diese Gedanken begleiteten ihn auf der weiteren Tour. Nachdem er ungefähr die Hälfte seiner Geschenke verteilt hatte, fand er wieder eine der Kugeln und hielt sie in den Händen, als plötzlich eine helle Stimme hinter dem älteren Mann ertönte: „Geben Sie die wieder her!"
Augenblicklich drehte sich der Weihnachtsmann um und stand zu seiner großen Überraschung drei Monstern gegenüber. Es fiel ihm schwer, in der dunklen Nacht etwas zu erkennen, aber er glaubte einen Zombie, einen Geist und ein grünliches, vernarbtes Wesen zu sehen. Es brauchte einen Augenblick, bis ihm einfiel, dass er womöglich Frankensteins Monster vor sich hatte.
„Ist das eure?", fragte der Weihnachtsmann und hielt die Kugel nach oben.
„Ja, und wir wollen sie wiederhaben", erwiderte nun der Zombie und streckte ihm auffordernd die Hand entgegen. Es schien die drei überhaupt nicht zu interessieren, dass sie den Weihnachtsmann höchstpersönlich vor sich hatten.
Der Weihnachtsmann nahm seine Hand wieder herunter. „Und was bekomme ich dafür?"
Das ließ die drei Monster für einen Augenblick ziemlich verwirrt dastehen. Sie schienen nicht damit gerechnet zu haben, dass der Weihnachtsmann eine Gegenleistung von ihnen erwarten könnte.
„Ich sag euch was. Ihr helft mir dabei, die restlichen Geschenke zu verteilen. Alle Kugeln, die wir dabei finden, nehmen wir natürlich mit. Und wenn mein Sack am Ende leer ist, könnt ihr eure Kugeln wiederhaben." Für einen Augenblick herrschte Stille. Frankensteins Monster und der Zombie sahen zu ihrer Geisterfreundin, die fieberhaft über diesen Vorschlag nachzudenken schien. Doch schließlich nickte sie. „In Ordnung."
Gesagt, getan. Die drei Monster kletterten zu dem Weihnachtsmann auf den Schlitten und gemeinsam machten sie sich auf den Weg, um Geschenke zu verteilen und Grusel-Weihnachtskugeln einzusammeln. FĂĽr einige Minuten herrschte Stille in dem Schlitten, ehe beim Weihnachtsmann eine Frage aufkeimte.
„Wie kommt ihr eigentlich darauf, die Weihnachtskugeln gruselig zu bemalen?"
Dem Geist entfloh ein leises Schnauben. „Wie wohl? Weihnachten ist viel zu wenig gruselig, das wollten wir ändern!"
Der Weihnachtsmann sah kurz irritiert zu ihr. „Aber warum? Ihr habt doch euer Halloween!"
„Aber das ist nur ein Tag! Die Weihnachtszeit geht gefühlt ewig! Es ist gerade mal dein Kumpel ‚Osterhase' verschwunden, da bist du mit deinen Geschenken schon wieder das Thema Nummer Eins! In den Supermärkten wechseln sich eure Schoko-Weihnachtsmänner und Schoko-Hasen doch jedes Mal ab! Unabhängig davon, dass es drei Weihnachtsfeiertage gibt! Und wir? Wir haben einen Tag – genauer gesagt sogar nur einen Abend –, an dem wir und das Gruseln gefeiert werden, und dann ist es schon wieder vorbei. Das ist unfair. Und deswegen wollen wir Weihnachten gruseliger machen."
Für einen Moment schien der Weihnachtsmann tatsächlich darüber nachzudenken. Allerdings blieb er Lina ihre Antwort noch ein wenig schuldig, da sie wenig später auf einem Haus landeten.
Der Weihnachtsmann deutete auf drei Geschenke und wies die drei Monster an, sie unter den Weihnachtsbaum im Inneren des Hauses zu bringen. Nachdem die drei monsterlichen Weihnachtshelfer ihren Weg durch den Schornstein gefunden hatten, schlichen sie durch den Raum, legten die Geschenke unter den Weihnachtsbaum und machten sich wieder auf den Weg nach oben.
„Ich verstehe, dass ihr euch vielleicht ein wenig ungerecht behandelt fühlt", begann der Weihnachtsmann, nachdem die drei wieder in seinem Schlitten saßen und sie zum nächsten Haus flogen. „Aber Weihnachten ist das Fest der Liebe und der Besinnlichkeit. Die Menschen sind das ganze Jahr über teilweise sehr gemein zueinander – nur an Weihnachten reißen sich alle zusammen und versuchen wenigstens freundlich zueinander zu sein. Und dies' wollt ihr nun wieder kaputt machen?"
Lina und ihre Freunde schienen noch nicht überzeugt. Es reiche doch schon, ein klein wenig Grusel in das Weihnachtsfest einzupflegen – durch gruselige Plätzchen oder eben gruselige Christbaumkugeln.
... Oder eben kleine Monster, die die Geschenke verteilten.
Auf dem Weg zum nächsten Haus, kam Chris plötzlich auf die glorreiche Idee, die Menschen doch sehen zu lassen, wer ihnen ihre Geschenke brachte! Natürlich stieß diese Idee bei Lina und Frank augenblicklich auf Zustimmung. Monster wollten eben gerne Andere erschrecken!
Beim nächsten Haus angekommen, veranstalteten sie im Wohnzimmer also einen solchen Krach, dass die Menschen aus ihren Betten fielen und irritiert nach der Ursache des Lärms suchten. Als sie die Monster erblickten, die diesen Radau veranstalteten, schrien sie natürlich laut vor Schreck auf und verkrochen sich augenblicklich in einer Ecke, um Schutz zu suchen.
Überrascht über den plötzlichen Lärm, machte der Weihnachtsmann sich auf den Weg in das Innere des Hauses. Als er das Chaos erblickte, das seine unfreiwilligen Weihnachtshelfer veranstalteten, nahm er ihnen die Geschenke ab. „Ab nach oben mit euch!", wies er die drei an und wartete, bis sie verschwunden waren. Erst dann ging er zu den Menschen und überreichte der verschreckten und nun auch sehr verwirrten und gleichzeitig faszinierten Familie die kleinen Pakete. „Ich entschuldige mich vielmals für dieses Chaos und wünsche euch fröhliche und besinnliche Weihnachten." Mit diesen Worten verließ er das Wohnzimmer durch den Kamin und kletterte wieder in seinen Schlitten, in dem die Monster auf ihn warteten. Kaum war der Schlitten gestartet, entbrannte wieder die Diskussion, dass man an Weihnachten Niemanden erschrecken sollte, aber im Grunde war es seitens des Weihnachtsmannes verschenkte Liebesmüh. Die Monster hatten viel mehr Spaß daran, die Menschen zu ärgern und zu erschrecken. Natürlich hätte der Weihnachtsmann die drei Monsterfreunde einfach absetzen und seinen Weg wieder alleine fortsetzen können. Aber er musste sich eingestehen, dass er Mitgefühl mit ihnen empfand. Sie hatten tatsächlich nur den einen Tag im Jahr, während die Weihnachtszeit so viel länger andauerte. Warum ihnen also nicht diesen einmaligen Spaß ein wenig gönnen?
Und so verging die Nacht vor Weihnachten: Die drei Monster hatten den Spaß ihres Lebens, während sie den Menschen die größten Schrecken überhaupt einjagen konnten. Und der Weihnachtsmann hatte alle Hände voll zu tun, das Chaos zu beseitigen und die verängstigten Menschen mit seinen Geschenken wieder zu besänftigen.
Es war kurz vor Sonnenaufgang, als das letzte Geschenk des Weihnachtsmannes verteilt und die Schuld der Monster somit eingelöst war. Die drei Freunde rieben sich bereits ein wenig erschöpft die Augen – hatten sie doch nicht erwartet, eine so ereignisreiche Nacht zu haben.
„Ich danke euch sehr für eure Hilfe", sagte der Weihnachtsmann, als sie unweit vom Zuhause der Monster gelandet waren. „Hier sind eure Kugeln", schob er hinterher und überreichte den Freunden den Sack, der nun nicht mehr mit Geschenken, sondern mit ihren monsterlichen Weihnachtskugeln gefüllt war.
Auch die Monster bedankten sich beim Weihnachtsmann und machten sich dann mit ihren Kugeln gemeinsam auf den Weg nach Hause. „Lasst uns noch schnell den Baum schmücken!", schlug Chris mit plötzlicher Euphorie vor, und auch wenn ihre Körper nur so nach Schlaf schrien, hängten die drei Freunde noch gemeinsam die schaurig-gruseligen Kugeln an ihren Weihnachtsbaum. Ein bisschen Grusel an Weihnachten musste für sie einfach sein.
Am nächsten Morgen wurde Lina in ihrem Bett wach. Irritiert rieb sie sich die Augen. Sie hatte einen komischen Traum gehabt. Sie hatte mit ihren Freunden gruselige Weihnachtskugeln gesucht und dann dem Weihnachtsmann geholfen, seine Geschenke zu verteil-
„Komm schon, Lina! Wir haben Geschenke unter dem Weihnachtsbaum!", drang in dem Moment Franks Stimme an ihr Ohr und ließ die Gedanken an den Traum augenblicklich verschwinden.
Sofort war der kleine Geist hellwach. Sie schwebte aus ihrem Bett und machte sich mit ihren Freunden gemeinsam auf den Weg nach unten. Und tatsächlich: Unter ihrem Weihnachtsbaum standen drei Geschenke.
Vorfreudig nahm sich jeder der drei Freunde eines von den Päckchen und zerriss das bunte Papier. Überraschte Laute entfuhren ihnen, als sie je eine Tüte mit Plätzchen darin vorfanden – und daneben je eine gruselig bemalte Weihnachtskugel. Mit einem Geist, einem Zombie und Frankensteins Monster.
„Habt ihr die gemalt?", fragte Frank verwirrt, aber Lina und Chris konnten nur die Köpfe schütteln. Sehr glücklich, aber auch verwirrt, griff Lina nach der beiliegenden Karte und las sie laut vor:
Ich verschenke lieber nur SĂĽĂźes statt Saures und wĂĽnsche euch dreien ein tolles Weihnachtsfest.
„Also war das alles doch kein Traum?", murmelte sie leise vor sich hin.
„Hast du etwa auch geträumt, dass wir unsere Kugeln einsammeln mussten und dabei dem Weihnachtsmann geholfen haben?", fragte Chris und Lina konnte nur nicken.
„Ich hatte denselben Traum", stimmte auch Frank zu.
Einen Moment lang herrschte Stille. Jeder schien seinen Gedanken nachzuhängen.
„Also haben wir wirklich dem Weihnachtsmann geholfen und mit ihm darüber diskutiert, dass man Weihnachten gruseliger machen sollte?", überlegte Lina laut und wieder konnten ihre Freunde nur nicken.
„Vielleicht sollten wir froh sein, dass Weihnachten nicht gruselig ist", warf Chris dann plötzlich ein. „Seht es doch mal so – an Weihnachten gibt es nur Süßigkeiten. An Halloween können wir zwischen Süßem und Saurem wählen!"
So hatten Lina und Frank es noch gar nicht betrachtet. „Also ist Halloween viel cooler als Weihnachten!", waren sich die drei Freunde einig. Und somit sahen sie, dass jedes der Feste seine eigenen Vorzüge hatte. Und die Monster feierten nun nicht nur Halloween, sondern auch ein gemeinsames Weihnachtsfest.




Langsam öffnete sie die Augen und sah als erstes die grauen Sprenkel an der Decke über ihr. Diese verschwammen leicht, so dass sie die Augen sofort wieder schloss, denn in ihrem Kopf schienen alle Yamato-Trommler gleichzeitig auf ihre Felle zu schlagen.
Fuck... das letzte Bier war wohl schlecht...
Brummend drehte sie sich in ihrem Bett um, doch die geschlossenen Lider halfen nichts gegen das Licht, das durch das Fenster ihres Einzimmer-Wohnklos mit Autobahnanschluss strömte. Langsam drangen auch die Geräusche an ihr Ohr, das Hupen von vor ihrem Balkon, was eigentlich durch die Lärmschutzwände gedämpft werden sollte. Doch in der ersten Etage war sie ganz knapp darüber, so dass ihre Doppelverglasung nicht wirklich viel davon abhielt.
Stöhnend schlug Selima die Decke zurück, drehte sich im Bett und schob dann die Beine auf ihren Läufer. Sofort bekam sie eine Gänsehaut. Die bescheuerte Hausverwaltung hatte die Heizung immer noch nicht repariert. Ohne die Augen zu öffnen, griff sie zu ihrem Nachtschrank, auf welchem die Senseo stand. Diese schaltete sie ein, so dass das Wasser heiß wurde. Sie tastete nach ihren Sachen, doch schließlich musste sie doch die Augen öffnen, denn sie fand sie nicht.
Es dauerte einige Momente, bis sie das, was vor ihr lag, fokussiert bekam. Endlich fand sie ihre graue PlĂĽschhose, zog die Flauschsocken an die FĂĽĂźe, welche sie dann in ihre Nilpferd-Hausschuhe steckte. Ein Wollpulli wanderte nur ĂĽber ihr Schlafshirt.
Langsam schlurfte sie in das kleine Badezimmer, was grade mal Platz hatte für eine ebenerdige Dusche, ein winziges Waschbecken und die Toilette. Irgendwie war alles dumpf und auch die Farben nicht so kräftig, wie es sonst war. Sie hang schwankend auf dem Klo, raffte sich dann aber schließlich auf, zog ab und schlurfte wieder raus. Ihre Tasse stand wie immer schon unter der Senseo, weshalb sie nur zwei Pads einlegte und auf die kleine Tasse drückte. Sprotzend füllte sich die Tasse zur Hälfte. Ein Löffel Zucker landete in dem starken Kaffee. Mit der Tasse in der Hand schlurfte sie zur Balkontür, öffnete diese und keuchte auf.
Shit... Frau Holle hätte sich echt noch Zeit lassen können... murmelte sie, als sie den Schnee auf ihrem Balkon sah und den Grund für den Stau auf der Autobahn. Direkt unter ihrem Balkon hatten sich drei Fahrzeuge auf spiegelglatter Fahrbahn ineinander gedreht. Sie stellte sich an das Geländer, schaute sich an wie die roten, dicken Männer mit den weißen Bärten da unten hin und her flitzten, die Leute aus den Autos holten. Zwei Mal schaute sie hin, bekam das Geschehen aber nicht richtig fokussiert.
Da wummerte es an ihre TĂĽr.
Brummend drehte sie sich um, schlurfte rein und schlug die BalkontĂĽr zu. Noch auf halbem Weg wummerte die Faust wieder an die TĂĽr, dabei war ihr Zimmer gar nicht so groĂź.
Jaja, schon gut, ich bin ja da...
Selima öffnete mit der Tasse in der Hand die Tür, welche ihr sofort aus der Hand gedrückt wurde.
Erschrocken riss sie die Augen auf, denn vor ihr stand... Frankenstein.
„Frau Karabek, Sie sind gestern Abend auf einer Feier gewesen und haben dabei von dem Büffet gegessen, ist das Richtig?"
Der Frankenstein drang sofort auf sie ein, so dass sie nur mit offenem Mund nickte. Hinter ihm kam ein weißer Geist rein, fasste sie am Arm und drängte sie zu ihrem Bett zurück. Man nahm ihr die Kaffeetasse aus der Hand und schob ihren Arm hoch. Zwei Zombies kamen rein, machten irgendetwas, sammelten ihre Kleidung vom Abend ein, die überall verstreut lag und durchsuchten ihre Handtasche.
„Verfluchte Scheiße, was wird das hier? Das sind meine Sachen! Ich hab ‚n' Kopp wie 'n' Rathaus, draußen is Rutschpartie mit Abklatsch und ihr fummelt in meinen Sachen rum! RAUS!"
Sie brüllte so laut, dass sie selbst das Gehupe auf der A40 übertönte.
Die Menschen schaute sich verdutzt an, doch sie sprang auf und schob sie einfach raus, knallte die Tür zu, nachdem sie einem Zombie ihr Höschen aus der Hand gerissen hatte.
Selima rieb sich ĂĽber die Augen, nahm ihre Kaffeetasse und stellte sich wieder auf den Balkon. Sie beobachtete die Leute unten.
„Irgendwie sehen die heute alle so aus, wie sie sich benehmen..."
Langsam nippte sie an ihrem Kaffee, schaute den Weihnachtsmännern zu, wie sie einen Drakula aus einem Wrack zogen. Ein Sensenmann kam mit einer Bare angerannt und man legte ihn darauf. Sie sah einige Frankensteine und Schlümpfe, wie sie Wände aufbauten, damit die Fahrer auf der anderen Seite nichts sehen konnten. In den Fahrzeugen sah sie einige Leichen, einen Badman und einen grotesk aussehenden Spiderman.
„Ihr könnt mich doch alle mal..." murmelte sie und ging wieder rein, schlüpfte unter ihre Decke, nachdem sie sich ausgezogen hatte. Sie war schnell wieder eingeschlafen.
Nur um plötzlich wieder hoch zu schrecken.
Ihr Handy spielte ‚Jinglebells Rock'.
„Wer hat den scheiß Klingelton eingestellt? Wenn ich den erwische!" fluchte sie.
„JA!" brüllte sie in das Telefon, als sie dran ging.
„Selima, Schätzchen. Geht es dir gut?"
Es war Franka, ihre Arbeitskollegin.
„Wie gut kann es einem gehen, wenn das Handy so ein scheiß Weihnachtslied spielt?"
Ein Kichern war am anderen Ende zu hören.
„Das warst du selbst. Hast du es noch nicht gehört?"
„Nein, was?"
„Irgendwas war mit den Shrimps gestern nicht okay auf der Weihnachtsfeier. Entweder, die Kollegen haben gekotzt oder komische Sachen gesehen. Hast du nichts bemerkt?"
Sie schaute das Handy an, nahm es dann wieder ans Ohr.
„Ich dachte heute Mittag beim Aufstehen, wir hätten Halloween..."
„Für mich sah der Bulle in seiner grünen Uniform aus wie Frankenstein."
Plötzlich stutzte Selima.
„Und der Arzt wie ein Geist?"
„JA genau!"
„Franke... ich glaub, ich leg mich nochmal hin."
Sie legte auf, verdrehte die Augen und bekam den Lachflash ihres Lebens.


#ENDSPOILER#

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Acezerantis

30, Weiblich

  4. Writer's Assistant

Neuling

Beiträge: 56

Re: 🎲Gewinner Schaurig-Schöne Weihnachten

von Acezerantis am 05.12.2021 20:09

Wow! Vielen Dank! Ich freue mich riesig und die Zusammenarbeit mit meiner liebsten Lapislazuli war sensationell ^^ Auch danke an die, die das organisiert haben - hat Spaß gemacht ❤

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Lucifer

23, Männlich

  12. Famous Novelist

Event-Begeisterter

Beiträge: 6246

Re: 🎲Gewinner Schaurig-Schöne Weihnachten

von Lucifer am 05.12.2021 20:24

Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner und Erstplatzierten. 
Hat wirklich sehr viel Spaß gemacht mit @Honeybird zusammen an diesem Werk zu basteln. 

Und @Isla und ich haben jetzt herausgefunden, dass es auch für RSH eine Begrenzung der Beitragslängen gibt  

neueSig.png

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CheshireCat_86

72, Weiblich

  12. Famous Novelist

Amateur-Unterhalter

Beiträge: 14935

Re: 🎲Gewinner Schaurig-Schöne Weihnachten

von CheshireCat_86 am 05.12.2021 20:35

Herzlichen GlĂĽckwunsch auch von meiner Seite an alle Gewinner! Die Storys und auch die Bilder sind WAHNSINN!!! *___*

Alice asked the Cheshire Cat, who was sitting in a tree, "Can you show me the right direction?" The cat asked, "That depends on where you want to end up?" "I don't know where I want to end up" Alice answered. "Then," said the cat, "it really doesn't matter which direction you take, does it?"

~Lewis Carroll, Alice's Adventures In Wonderland~

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Bomml

29, Weiblich

  6. Fanfiction Writer

Neuling

Beiträge: 8

Re: 🎲Gewinner Schaurig-Schöne Weihnachten

von Bomml am 05.12.2021 21:16

Wirklich sehr, sehr tolle Werke! Von den Autoren und von den KĂĽnstlern! <3

Und danke an Silber22 fĂĽr die tolle Zusammenarbeit! :3

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Enna
Gelöschter Benutzer

Re: 🎲Gewinner Schaurig-Schöne Weihnachten

von Enna am 05.12.2021 22:16

Omg! YEAAAAH!! That’s my gürl! *super proud*
Herzlichen GlĂĽckwunsch
Ein stolzes KĂĽsschen aufs NĂĽsschen :*

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Lapislazuli

27, Weiblich

  11. Ghostwriter

Event-Begeisterter

Beiträge: 4512

Re: 🎲Gewinner Schaurig-Schöne Weihnachten

von Lapislazuli am 06.12.2021 05:02

Oh WOW! Ich bin richtig ergriffen und fĂĽhle mich geehrt. Es hat eine Menge SpaĂź gemacht und ich bedanke mich sehr fĂĽr die erste Platzierung!!!
Mich freut es, wenn meine Geschichte euch zusagt und zum Lächeln bringt ^^

@ Acezerantis: Riesen Danke an meine liebste Lieblings-Zeichnerin, es war mega mit dir zu arbeiten und jederzeit wieder ♥

@ Teilnehmende: All eure Geschichten und Bilder sind sooo wundervoll! Vielen Dank fĂĽr eure Zeit. Es war ein Genuss beim Lesen und Betrachten der Werke! *-*

@ Organisationsteam: Großes Dankeschön für euren Aufwand und Zeit dahinter! Es steck so viel Herzblut in diesem Forum, das ist wirklich großartig.




And then there is this urge to write ...


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