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Kultur-Schock - Comedy Club [bodenlos]

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break

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Re: Kultur-Schock - Comedy Club [bodenlos]

von break am 09.10.2026 22:43

Ich bin Deutsche schlesischer Abstammung. 
Ich bin im Ruhrgebiet aufgewachsen zu einer Zeit, als einige Zechen noch offen waren. So kam ich mit vielerlei Kulturen und Bräuchen in Kontakt. Dazu wurde unsere schlesische Tradition belächelt, was ich als Kind nicht bemerkte und eine Zeitlang nicht verstand.
Wir feierten bei uns (Familie und auch einige Nachbarsfamilien mit schlesischer Abstammung) den "Fetten Donnerstag". Es war ein Frauenfeiertag, ihr anderen kennt ihn unter "Altweiber". An diesem Tag gab es in unserer Familie eine reine Frauenrunde. Die Männer waren von Morgens 6 bis Abends 23 Uhr ausgeschlossen und durften das Haus nicht betreten. Taten sie es doch, egal ob Jugendlicher oder Erwachsener (Jungs unter 12 Jahren waren erlaubt), wurden sie gefangen, mit Kohle bemalt und gefesselt in den Keller gesperrt. Wobei die Männer versuchten, Schabernak mit den Frauen zu treiben und dabei natürlich Gefahr liefen, eingefangen zu werden.
Die Frauen und Mädchen feierten für sich, es gab gutes Essen, traditionell Mohkleesla (Mohnklöse, ein kalter Schichtauflauf aus Mohn, Brötchen, Weißbrot, Milch, Zucker und allerlei anderen Zutaten, jede Familie hat ihr eigenes Rezept), Żurek (saure Mehlsuppe), Hekele (eine Paste aus gehackten Salzheringen, Gemüse und Gewürzen) und Karminadle (sehr würzige Hackbällchen aus Ziegengehacktes). Unverheiratete Mädchen "kauften" sich bei den ältesten Frauen für das Jahr frei mit kleinen Geschenken, so erkauften sie sich freie Zeit für sich, in der sie ihrer Mutter/Großmutter/Tante keine Rechenschaft ablegen mussten, was sie in der Zeit taten.
War eine schöne Zeit und Tradition, die leider mit den Toden der "Alten" und dem Wegzug der Kinder eingeschlafen ist.
   
Vor einigen Jahren habe ich im Japanischen Viertel in Düsseldorf gearbeitet.
Oft wunderte ich mich, dass ich Japaner sah, die mit Maske rumliefen. Damals dachte noch niemand an Corona.
Nach einigen Gesprächen bekam ich mit, dass dies in Japan Tradition ist, um seine Mitmenschen zu schützen, wenn man sich etwas unwohl fühlt oder erkältet ist. Ein Brauch, den ich sehr schnell übernommen habe, denn es ist ein sehr sinnvoller Brauch. Bei meinem jetzigen Arbeitgeber wurde ich deswegen anfangs schief angesehen, doch nachdem ich es erklärte, zogen viele Kollegen mit. Seitdem macht nicht mehr jede kleine Erkältung die Bürorunde.

 
Invictus
maneo

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