KI - Die Hinrichtung der Kreativität oder eine helfende Elfe
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Re: KI - Die Hinrichtung der Kreativität oder eine helfende Elfe
von Anticonformist am 03.11.2026 13:39Hey ihr Lieben!
Es lief doch bislang wirklich gut und ich würde mir wünschen, dass wir uns das auch weiterhin bewahren. Lasst uns bitte nicht von ein paar Sticheleien dazu verleiten, dass die Diskussion kippt oder persönlich wird. Ich bin wirklich dankbar für den bisherigen Input, die unterschiedlichen Perspektiven und den überwiegend respektvollen Austausch. Genau das sollte doch auch weiterhin im Vordergrund stehen. Man muss nicht einer Meinung sein, um sich gegenseitig mit Respekt zu begegnen. ❤️
Und wenn ich schon dabei bin (vielleicht passt das nicht so ganz), aber ich würde gerne mal folgenden Gedanken mit euch als stinknormaler User teilen:
Die Debatten, die derzeit um dieses Thema herum geführt werden, erinnern mich sehr stark an meine damaligen Vorlesungen zum internationalen Schutz geistigen Eigentums (hear me out). Da haben wir uns unter anderem ziemlich ausführlich mit der Frage beschäftigt, was eine originär eigene Schöpfung eigentlich ausmacht und wie viel davon tatsächlich ausschließlich auf uns selbst zurückzuführen ist. Denn wenn man es sehr, sehr, sehr eng (!) nimmt (das ist nur eine Ansicht), entsteht ein kreatives Novum oftmals nicht völlig losgelöst von etwas bereits Bestehendem. Wir lassen uns inspirieren, greifen Gedanken, Stilmittel, Motive oder bestimmte Gestaltungsweisen anderer auf, entwickeln sie weiter, grenzen uns bewusst davon ab oder kombinieren sie mit völlig anderen Einflüssen. Und nicht selten entsteht gerade durch solche Übernahmen, Abwandlungen und Weiterentwicklungen etwas Neues, das im Ergebnis durchaus wieder eine eigene schöpferische Leistung darstellt. Gerade das Thema „klauen", um etwas Neues zu schaffen, hat in dem Rahmen eine echt große Rolle gespielt. Es lässt sich nämlich nicht von der Hand weisen, dass auch dadurch (unabhängig davon, ob es jetzt moralisch verwerflich ist oder nicht) etwas Neues geschaffen werden kann und sich davon dann weitere Schöpfungen ableiten lassen (bitte nicht falsch verstehen, ich befürworte kein „Kunstklau").
Genau daraus ergab sich damals die durchaus spannende Frage, ob eine zu weitreichende Reglementierung zum Schutz des ursprünglichen Schöpfers nicht letztlich auch jene kreativen Prozesse einschränken oder gar im Keim ersticken könnte, die überhaupt erst weitere eigenständige Schöpfungen ermöglichen. Anders ausgedrückt: Kann ein übermäßiger Schutz des Bestehenden nicht irgendwann zulasten des Neuen gehen und damit letztlich auch Innovation und künstlerische Weiterentwicklung behindern? Ich lasse diesen Gedanken an dieser Stelle einfach mal bewusst so stehen.
Um den Bogen wieder zur KI-Debatte zu spannen: Ist es im Kern nicht eigentlich ein ähnlicher Vorgang? Wenn sowohl ein Mensch als auch eine KI auf bereits vorhandene Werke zurückgreifen, diese aufgreifen, miteinander kombinieren, verändern und daraus etwas Neues entstehen lassen, wo genau ziehen wir dann die Grenze zwischen beiden Vorgängen? Was macht die Übernahme durch einen Menschen grundsätzlich anders als die durch eine KI (hinter der wiederum ein Mensch steht)? Ist es tatsächlich der schöpferische Prozess, die dahinterstehende Absicht oder letztlich doch nur die Frage, wer sich fremder Werke bedient?
Ich glaube, wir sind uns grundsätzlich einig, dass weder ein Mensch noch eine KI sich einfach ungefragt an der kreativen Leistung anderer bedienen sollte. (Wobei es durchaus auch Menschen gibt, die nach dem Motto „For the sake of creativity ist alles erlaubt" verfahren – und solche Vögel sind ja durchaus bekannt, haha.) Aber wenn wir die grundsätzliche Frage nach dem Aufgreifen und Weiterverarbeiten bestehender Werke stellen, finde ich es schwierig, bei der Bewertung ausschließlich danach zu unterscheiden, ob am Ende ein Mensch oder eine KI diesen Prozess durchlaufen hat.
Das soll ausdrücklich keine Gleichsetzung der beiden Schaffensprozesse und erst recht keine Rechtfertigung der gegenwärtigen KI-Praxis sein. Ich frage mich nur, ob wir hier nicht teilweise mit zweierlei Maß messen und ob wir die grundsätzliche Problematik der Aneignung fremder kreativer Leistungen nicht unabhängig vom jeweiligen Werkzeug betrachten müssten. Kann man mir folgen?
Und nochmal mit Nachdruck: Das alles bedeutet ausdrücklich auch nicht (!), dass ich die derzeitige Nutzung von KI, insbesondere mit Blick auf die teilweise ungeklärte urheberrechtliche Situation, die fehlende Zustimmung vieler Urheber oder die wirtschaftliche Verwertung ihrer Arbeit, gutheiße. Ich finde nur, dass man bei der Diskussion neben dem berechtigten Schutz bestehender schöpferischer Leistungen auch die Frage nach den möglichen Auswirkungen auf zukünftige kreative Entwicklungen nicht vollständig ausklammern sollte. Beides sind Interessen, die meines Erachtens durchaus in einem Spannungsverhältnis zueinander stehen.
Ähnlich verhält es sich für mich mit der Frage, in welchem Umfang solche Hilfsmittel überhaupt eingesetzt werden dürfen bzw. sollten. Warum sollte Kreativität zwangsläufig an den eigenen Fähigkeiten und den persönlichen technischen Möglichkeiten ihre Grenzen finden? Wenn ich ein bestimmtes kreatives Ergebnis im Kopf habe, aber nicht über die zeichnerischen, gestalterischen oder technischen Fähigkeiten verfüge, es selbst umzusetzen, ist es dann grundsätzlich verwerflich, mir dafür Unterstützung zu holen? Wo ziehen wir die Grenze zwischen einem legitimen Hilfsmittel und einer unzulässigen Auslagerung der eigenen kreativen Leistung?
Ich stelle das alles absolut wertungslos und ergebnisoffen in den Raum, weil ich selbst noch keine abschließende Meinung dazu habe (ausgeschlossen davon ist die Verwendung zur Generierung von Texten). Ich finde nur, dass man sich mit diesen Fragen auseinandersetzen sollte, bevor man die Nutzung von KI pauschal als das Ende eigener Kreativität betrachtet.
Lasst uns bitte auch weiterhin von diesem Austausch profitieren, y'all. <3

Re: KI - Die Hinrichtung der Kreativität oder eine helfende Elfe
von tintenfeuer am 03.11.2026 13:51@anticonformist: was für eine bereichernde und erfrischende Perspektive und was für interessante Blickwinkel!
Ich stimme vor allem in dem Punkt zu, dass diese Diskussion hier bitte nicht kippen sollte, ich finde diesen Austausch sehr wichtig und kann mir vorstellen, dass es vielen ähnlich geht. Entsprechend verdient er es, dass er nicht an einem oder zwei tontechnisch unglücklichen Beiträgen scheitert <3
Re: KI - Die Hinrichtung der Kreativität oder eine helfende Elfe
von Darkdestination am 03.11.2026 13:54
Re: KI - Die Hinrichtung der Kreativität oder eine helfende Elfe
von Feather am 03.11.2026 14:04Ich werde mich nicht großartig an der Debatte beteiligen, möchte mich aber für den überwiegend informativen Austausch und die Möglichkeit bedanken, die Sichtweise anderer lesen zu können. Ich selber habe eine gewisse Grundeinstellung gegenüber KI, die sich mit der Zeit gewandelt hat und auch heute nicht in Stein gemeißelt ist. Mir hilft es, (neuen) Input zu bekommen, diesen mit meiner Meinung abzugleichen und ggf. in eine für mich konforme Richtung anzupassen.
Kurz und knapp denke ich, dass der Einsatz von KI nicht blind geschehen und das eigene Denken ersetzen sollte. Auch die Prozesse dahinter sowie die Folgen (übermäßiger) Nutzung sollten nicht außer Acht gelesen werden. Da ich aber kaum glaube, dass sie in Zukunft wegzudenken sein wird, ist es meiner Meinung nach umso wichtiger, einen Umgang mit ihr zu finden, der bereichert, statt ruiniert.
It's not a competition
Just bloom
Re: KI - Die Hinrichtung der Kreativität oder eine helfende Elfe
von Anticonformist am 03.11.2026 14:04An dieser Stelle möchte ich mich aber auch nochmal im Namen des gesamten RSH-Teams ausdrücklich bei @FrenzyFlame dafür bedanken, dass die Gelegenheit ergriffen wurde, dieser Debatte mehr Raum zu geben und dafür dieserThread ins Leben gerufen wurde. Wir finden es wichtig, dass solche Themen angesprochen werden und Raum für einen offenen Austausch bekommen. Selbstverständlich machen auch wir uns Gedanken dazu und nehmen die unterschiedlichen Perspektiven, Anregungen und Denkanstöße aus der Diskussion mit.
Aktuell tendieren wir dazu, die Community im Rahmen einer Abstimmung in die Entscheidungsfindung einzubeziehen. Darüber hinaus würden wir uns sehr über konkrete Vorschläge freuen, wie eine mögliche Regelung praktisch umgesetzt werden könnte. Insbesondere die Frage nach geeigneten Kontroll- und „Verifizierungsmöglichkeiten" beschäftigt uns dabei: Wie ließe sich beispielsweise nachvollziehbar überprüfen, ob ein Bild KI-generiert ist oder nicht? Das ist nicht immer eindeutig. Dasselbe für Texte. Kennt ihr vielleicht entsprechende Tools oder habt ihr andere Ideen und Ansätze, wie man eine solche Überprüfung sinnvoll gestalten könnte? Denn letztlich ist eine Regelung nur dann sinnvoll, wenn sie sich auch in der Praxis vernünftig umsetzen lässt.
Wir freuen uns über weitere konstruktive Gedanken und bedanken uns ganz herzlich für eure Beteiligung, die verschiedenen Perspektiven und den bisherigen Austausch! 




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