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LuciferDaem...

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Catriona McLoid - 18. Dezember

von LuciferDaemonium am 19.12.2024 13:41

18. Dezember - Frosty the Snowman... or something like that

 

Der Schnee hielt auch am nächsten Tag an und London schien dieses Jahr gute Chancen auf eine weiße Weihnacht zu haben. Es war die letzte Woche, in der sie noch in der Firma wären, ehe Azrael den Urlaub einläutete, den er angekündigt hatte. Noch immer hatte Catriona keine Ahnung, wieso, doch sie hatte auch nicht weiter nachgefragt. Zu sehr war sie jeden Tag aufs Neue mit etwas anderem beschäftigt und genoss einfach die Freizeit, die für den eigentlichen Workaholic beinahe schon ein Segen war. Es wurde sogar halbwegs ruhiger - sofern man das so nennen konnte. Die ganzen Meetings und Quartalstreffen waren durch, die Fürsten hatten auch noch ihren letzten Senf zu irgendwelchen Beschlüssen gegeben und damit hatten Azrael und sie deutlich weniger auf ihrer täglichen To-Do stehen. Jetzt galt es lediglich, einige Mails zu beantworten und neue Projekte mit den nötigen Terminen im neuen Jahr zu verteilen an die zuständigen Abteilungen. Etwas, das innerhalb weniger Stunden bereits erledigt war und zum ersten Mal in ihrer Zugehörigkeit zu dieser Firma hatte Catriona tatsächlich Langeweile. Anfang der Woche hatte sie nicht gedacht, dass es wirklich ruhiger wurde, da jeder auf den letzten Drücker noch kam und irgendwas wollte. Aber jetzt schien es still zu sein.
Die Schottin spielte ein wenig mit ihrem Kugelschreiber und ließ ihn teilnahmslos gegen ihren Schreibtisch klopfen. Ihre grauen Augen sahen dem leichten Schneefall zu, blickten über die weiße Großstadt, die sie von den Panoramafenstern wunderbar beobachten konnte. Ihr Handy vibrierte und ihre Aufmerksamkeit huschte zu dem Gerät. Monique's Name ploppte auf. Grinsend überflog sie die Nachricht. Die Lehrerin hatte sich für ihren Abend bedankt und für die kleine Hilfestellung. Mit schnellen Fingern antwortete sie und schmunzelte in sich hinein, ehe sie sich ihren Mantel schnappte, um sich auf die Terrasse zu verkrümeln. Wenn schon alles von der Agenda abgearbeitet war, konnte sie genauso gut Pause machen. Mit einem Kaffee bewaffnet und dem Kissen, dass sie sich auf dem Stuhl platzierte, machte sie es sichtlich gemütlich. Sie musste vorerst den Aschenbecher unter dem Schnee freiräumen, der kleine Tisch war regelrecht begraben unter der weißen Last.

Sie kam nicht wirklich weit, hatte gerade mal zwei Züge ihrer Zigarette genommen und einen Schluck Kaffee, als Azrael sich bereits zu ihr gesellte.
"Du sagst nicht mal Bescheid, wenn du Pause machst?", kam es als halbe Beschwerde von ihm und er ließ den Schnee auf seinem Stuhl mit einer Handbewegung verschwinden.
"Die letzten Termine sind fürs neue Jahr vergeben und ausnahmsweise explodiert mein Postfach mal nicht vor Mails. Es ist ziemlich ruhig.", gestand sie und konnte das leise Misstrauen nicht verhindern. Ruhig und die Morningstar Inc. passten eigentlich nicht zusammen.
"Sei doch einfach froh, dass es so ist.", zuckte Azrael mit den Schultern. Die Firma lief gut, das war nicht abzustreiten. Und da HOPE und die Morningstar Inc. nun offiziell miteinander arbeiteten, nahm Catrionas Firma ebenso einige Lasten ab, die sonst an ihnen hängen bleiben würden.
"Es ist nur ungewohnt, das ist alles.", gab die Rothaarige leise zu und blickte wieder zu der Aussicht. Der Himmel war in einem hellen Grau der dicken Wolken. Und fast schon könnte man es für einen verschlafenen Anblick halten, wenn es so leicht rieselte, auch wenn die Stadt unter ihnen niemals zur Ruhe kommen würde.
"Und Midnight lässt dich auch in Ruhe mit seinen Angelegenheiten?", hakte der Höllenherrscher neugierig nach. Catriona grinste nur spitzbübisch.
"Offenbar war unsere kleine Schmück-Aktion eine Lehre für ihn. Ich habe ihm gesagt, dass ich über die Feiertage bis zum neuen Jahr eine kleine Auszeit nehme. Wir sind nicht mehr auf den Wettkampf mit der Zeit angewiesen, wenn es um die Aetherquellen geht. Aber ich fürchte, er denkt noch immer, dass dein Vater irgendwas versuchen könnte, obwohl die Sache Schnee von gestern ist." Midnight war in der Hinsicht eben doch ein wenig festgefahren und hatte sich noch nicht wirklich an die neuen Umstände gewöhnt. Azrael schnaubte nur.
"Kann auch noch ein paar Jahrzehnte bei ihm dauern.", grinste er belustigt.
"Morgen muss ich nochmal ins Hauptquartier, Ezekiel hatte noch ein Anliegen. Aber dann ist auch alles bei meiner Firma geklärt.", zuckte sie schließlich nur mit den Schultern und lehnte sich tiefer in ihren Stuhl. Ein seltsames Gefühl. Nach den letzten Jahren, die doch mehr als turbulent waren, kam diese entspannte Ruhe so unverhofft und unerwartet für sie. Für einen Moment fühlte sie sich sogar rastlos und verloren, was sie mit der freien Zeit anfangen sollte. Andererseits schienen Körper und Geist es nötig zu haben, regelrecht dankbar zu sein.
"Was denn, eine weitere Kirchenaufführung?" Die Schadenfreude war Azrael noch immer anzusehen und gequält verzog Catriona ihr Gesicht.
"Ich hoffe nicht, einmal diesen Mist anzusehen, reicht mir für die nächste Ewigkeit.", schnaubte sie wenig begeistert. Der Dämon lachte nur darüber. Catriona war an dem Abend zeternd nach Hause gekommen, weil die Darstellung mehr als lachhaft gewesen ist. Zumindest wenn man sich in den höllischen und himmlischen Kreisen bewegt. Aber Ezekiel hatte sich merklich gefreut und obwohl er es selber besser wusste, schien er hin und weg von der kleinen Aufführung gewesen zu sein.
"Mal unter uns, er ist etwas zu sesshaft in den Kreisen der Menschen geworden. Ich mag Ezekiel, aber er mutiert regelrecht zu einem Kind, wenn ihn etwas hier begeistert und in den Himmel bekommt man ihn wohl so schnell nicht zurück. Er sagt immer, dass ihm sein Tee und die Macarons fehlen würden.", musste sie selbst grinsen. Ezekiel war ein Engel, wie Menschen sich diese Wesen wohl vorstellen würden. Aber manchmal musste man aufpassen, dass er in seinem Glitzerwahn nicht alles um sich herum in ein buntes Chaos verwandelte.
"Ich würde ja sagen, dass mich das überrascht, aber das wäre gelogen.", gab Azrael lediglich zu und zuckte leicht mit den Schultern. Es amüsierte ihn, manchmal den Engel etwas zu verwirren oder seine Naivität auszunutzen, aber sehr viel mehr hatte er mit ihm auch nicht zu tun.

"Bist du eigentlich schon durch mit deiner Arbeit?", lenkte Catriona das Thema um und warf dem Mann neben sich einen scharfen Blick zu. Er war immerhin der Meister der Prokrastination. Azrael ließ seelenruhig eine Zigarette entflammen und tat, als würde er die unterschwellige Warnung seiner Sekretärin nicht mitbekommen.
"Fast.", gab er diplomatisch zurück und seufzend schüttelte Catriona ihren Kopf. Er war unmöglich. Aber gut, sie kannte ihn nicht anders.
"Je schneller du fertig bist, desto eher können wir Feierabend machen.", versuchte sie ihn zu locken und erntete nur einen finsteren Blick.
"Und du drehst in der Zeit Däumchen?", schnaubte er wenig begeistert von der Vorstellung. Die Schottin grinste.
"So ungefähr. Ich könnte dir einen Schneemann bauen.", schlug sie in fast kindlicher Manier vor und schob den Schnee auf dem Tisch zusammen. Azrael beobachtete sie zweifelnd.
"Ich glaube, Ezekiel ist nicht der Einzige, der zu einem Kind werden kann.", kommentierte er ihre Albernheit. Doch Catriona grinste nur darüber und machte sich daran, irgendwas aus dem Schnee zu formen. Jetzt hatte sie einmal damit angefangen. Auch wenn sie ewig keinen Schneemann mehr gebaut hatte. Das letzte Mal tatsächlich als Kind. Azrael sah ihr eine Weile bei den kläglichen Versuchen zu, anstatt seine Aufgaben fertigzumachen. Lieber beäugte er das schiefe Kunstwerk.
"Soll das ein Imp werden?", fragte er irgendwann belustigt. Böse blickte Catriona auf.
"Natürlich nicht!", murrte sie und fluchte leise, als alles wieder in sich zusammenfiel. Während ihr Kaffee wie so oft kalt wurde, versuchte sie sich erneut daran. Ihre Hände waren bereits eiskalt, als sie es schaffte, eine halbwegs schöne Kugel zu formen, die sie vorsichtig absetzte. Kurz hatte sie überlegt, ihm den Schneeball rüberwerfen, aber diesbezüglich hatte sie gestern ihre Lektion gelernt.
"Du gibst nicht auf, was?", stellte Azrael amüsiert fest, als sich Catriona in wie so viele Dinge mal wieder rein kniete.
"Niemals!", grinste sie ihn an und machte sich an eine etwas kleinere Kugel. Langsam hatte sie den Dreh raus oder aber es fiel wieder alles zusammen. Noch hatte sie Glück, die zweite Kugel hielt auf der ersten. Auch wenn sie noch einige Ecken aufwies und nicht perfekt rund war. Aber das war ihr egal. Azrael hingegen nutzte es, um sie wieder zu reizen.
"Du solltest es ein wenig begradigen.", kommentierte er und beobachtete süffisant ihren Versuch.
"Mach es doch selber besser!", gab Cat nur spitz zurück und formte die letzte kleine Kugel. Oder versuchte es, sie brauchte einige Anläufe, bis diese nicht zerbrach. Es war eben nur ein kleiner Schneemann auf dem Tisch. Keine kunstvolle Skulptur. Beinahe wie bei einem Kartenhaus versuchte sie, den Kopf so vorsichtig wie möglich aufzusetzen. Azrael gluckste amüsiert darüber und hob schon seine Hand, als Catriona ihn warnend anfunkelte.
"Denk nicht einmal daran!" Er wollte ihn umstoßen, das wusste sie! Azrael ließ seine Hand enttäuscht wieder sinken und sah auf ihre krumme Figur.
"Und jetzt?", wollte er wissen und nachdenklich musterte Catriona den sehr traurigen Schneemann. Sie gab ihm einen Kippenstummel als Nase, da sie nichts anderes zur Verfügung hatte. Wirklich stolz war sie nicht auf ihr Werk.
"Ich würde ihm ja Hörner geben, aber dann fällt mir alles zusammen.", bedauerte sie fast schon. Azrael schüttelte den Kopf und erhob abermals seine Hand, nur um ihr diesbezüglich etwas auszuhelfen. Die Kanten wurden geglättet und er gab ihrem Schneemann tatsächlich ein Paar geschwungene Hörner aus Eis, ebenso ein Gesicht. Jetzt erinnerte er sie wieder an Krampus und dieser kleine Scherz würde sich wohl jedes Jahr durch die Weihnachtszeit ziehen. Der Körper war noch ihre Kreation, nur etwas ausgebessert, während der Kopf dann doch einem Kunstwerk aus Schnee und Eis glich. Catriona beobachtete die Magie fasziniert, ehe sie halb schmollend, halb belustigt zu ihm aufsah.
"Ich wäre beeindruckt gewesen, wenn du es ohne Magie geschafft hättest.", grinste sie frech und Azrael schnaubte nur.
"Ich konnte es mir einfach nur nicht mehr mit ansehen, wie du dich abmühst. Und jetzt rein mit dir, du kannst mir beim Papierkram helfen.", grinste er und die Schottin verdrehte leicht die Augen. Das war ja absehbar gewesen... Trotzdem folgte sie ihm nach drinnen, aber nicht ohne ein Foto von ihrem Schneemann zu machen.

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Catriona McLoid - 17. Dezember

von LuciferDaemonium am 18.12.2024 19:16

17. Dezember - Wer kämpft... verliert?

 

Kleine Atemwolken stiegen in die kalt gewordene britische Luft hinauf. Das Schneegestöber hielt an, das Sonntag begonnen hatte. Dicke Flocken fielen zu Boden, bedeckten diesen Mittlerweile mit einer feinen Schicht. Jetzt war die weihnachtliche Stimmung vollends in London angekommen und auch wenn Catriona bereits in Russland oder Kanada mit dem weißen Nass in Kontakt kam, so erfreute sie der Anblick. London war leider immer so eine Sache, man konnte Glück haben, oder eben auch nicht und man feierte ein schneeloses Weihnachten. Die Schottin zog ihren Wintermantel enger um ihren Leib und hatte die Hände tief in den köstlich warmen Taschen vergraben, als sie absichtlich ihre Spur mit den Füßen im Schnee zog. Noch war es Dunkel, lediglich die warmen Straßenlaternen erhellten die Straßen. Der Berufsverkehr war bereits im vollen Gange, die Metropole schlief nicht. Um halb Sieben noch weniger und ausnahmsweise war sie so früh schon draußen unterwegs. Azrael, der die restliche Nacht nach ihrem langen Gespräch am Ende geblieben war, schüttelte noch immer ungläubig den Kopf über den Rotschopf. Sie hatte ihn regelrecht gedrängt, eine Stunde früher loszulaufen. Am Abend war es fraglich, wann sie Feierabend machen konnten und dann wäre der Hydepark überrannt. Zur Weihnachtszeit hatte die Stadt dort einen Vergnügungspark errichtet, einen prunkvollen Jahrmarkt, wenn man es so sehen wollte. Aber am Abend waren selbst die grünen Parkanlagen mehr als überfüllt und danach stand Catriona nicht der Sinn. Sie wollte den Schnee in Ruhe genießen und einfach spazieren gehen. Zumal sie heute vielleicht etwas früher ins Bett wollte, wenn man bedachte, wie wenig sie in den letzten Tagen geschlafen hat.


Mit Kaffeebechern bewaffnet betraten sie den ikonischen Park inmitten der Londoner Innenstadt. Wie erhofft waren einzig einige Frühjogger sowie Hundebesitzer unterwegs. Der Rest war auf dem Weg zur Arbeit. Zufrieden zog Catriona den Dämon mit sich, weg von dem riesigen Ungestümen von Riesenrädern und anderen Attraktionen. Sie wollte zum See. Anders als der in Russland war das Wasser noch lange nicht gefroren, aber ein friedlicher Anblick war es allemal. Mit einem Lächeln im Gesicht ließ sie ihren Blick schweifen, kam innerlich zur Ruhe und wärmte die kühlen Hände an ihrem Kaffeebecher.
"Ich dachte für einen Moment, dass du nochmal aufs Eis willst.", zerstörte Azrael mit neckender Stimme die Ruhe. Catriona warf ihm einen spöttischen Seitenblick zu.
"Du warst kein guter Lehrer, lieber nicht.", konterte sie schlicht und sah wieder zu den großen Flocken, die durch die Luft schwebten.
"Du bist einfach nur eine lausige Schülerin.", kam es auch prompt zurück und Catriona grinste nur in sich hinein. Diese Form der Sticheleien waren mittlerweile so alltäglich, dass ihr etwas fehlen würde, sollte es jemals aufhören.
"Ach bin ich das?" Gespielt nachdenklich legte sie einen Finger an ihr Kinn, als würde sie überlegen müssen.
"Ich denke, es liegt an meinem Lehrer, der an Selbstüberschätzung leidet.", gab sie zurück, als wäre dies die sichere Antwort.
"Selbstüberschätzung?", wiederholte Azrael mit einem gefährlich ruhigen Lächeln. Hatte sie es doch zu weit getrieben? Catriona zog leicht die Schultern an, war jedoch zu stur, um ihre Worte zurückzunehmen. Deshalb nickte sie nur grinsend, wich jedoch vorsichtshalber einen Schritt zurück.
"Das sagt die Frau, die sich mit alles und jedem anlegt und dabei gerne über die Strenge schlägt." Fast schon altklug seufzte er nur, als hätte er ein Kind vor sich.
"Ich schlage gar nicht über die Strenge!", protestierte Cat sofort und bekam einen eindeutigen Blick von ihm geschenkt.
"Nein, natürlich nicht. Hast mich ja nur sofort misstrauisch gemacht mit deinem ganzen Auftreten anfangs.", kommentierte er es nur mit triefendem Sarkasmus. Gut, der Punkt ging leider an ihn. Catriona verzog nur halb schmollend ihr Gesicht.
"Ich habe nur meine Arbeit gemacht...", wollte sie sich rechtfertigen. Doch Azrael schüttelte nur den Kopf und kam wieder einen Schritt näher, die Hände hinter dem Rücken verschränkt.
"Du schießt gerne über Grenzen. Da lernst du auch nie dazu." Noch ein Schritt und sein Gesicht wandelte sich zu einem gefährlichen Grinsen, dass eher an ein Raubtier erinnerte. Argwöhnisch starrte die Schottin ihn an, wusste sie gerade nicht mehr, ob er es ernst meinte oder scherzte.
"Ich...-!", öffnete sie schon den Mund, als eine Hand voll Schnee in ihrem Gesicht landete. Kein fester Schneeball, nur leicht zusammengepresst, aber genug, dass sie verdattert dastand, während es von ihren Haaren zu rieseln begann. Catriona brauchte einen viel zu langen Moment um zu verstehen, was gerade passiert war. Dieser höllische Mistkerl hatte ihr allen Ernstes einen Schneeball ins Gesicht geworfen! Sie sah mit einer Mischung aus Unglaube und Empörung zu ihm auf, als Azrael ihr ein zuckersüß triumphierendes Grinsen zuwarf.
"Man muss mit den Konsequenzen leben, wenn man schon nicht dazu lernt." Oh, dieser...! Catrionas Kampfgeist war geweckt, auch wenn sie leider ahnte, dass sie gegen diesen Mann absolut keine Chance hatte. Er forderte sie jedoch heraus und sie stellte ihren Kaffeebecher ab, befreite ihre Haare von dem Nass und klopfte ihren dunklen Mantel ab, als wöllte sie sich nur wieder herrichten. Fast schon schimmerte ein enttäuschter Funke in Azraels Bernsteinen, doch leider nahm er viel zu schnell wahr, wie sie zu einem Gegenschlag ausholte. Lachend hob er eine Hand und ließ ihren Versuch eines Schneeballs mitten in der Luft schmelzen. Das Wasser platschte zu Boden und er zog spöttisch beide Brauen an.
"War das schon alles?", wollte er scheinheilig wissen. Catriona blies entrüstet die Wangen auf.
"Magie zu nutzen ist unfair!", rief sie aus und stampfte auf ihn zu. Azrael legte nur unschuldig den Kopf schief.
"Es gibt keine Regel, die sie verbietet.", schmunzelte er, während er leichthin den nächsten Schneeball mit einem Wink seines Fingers lenkte und Catriona sich im letzten Moment noch ducken konnte, ehe sie ihn selbst ins Gesicht bekam.
"Das ist gemein!" Er würde jeden ihrer Schneebälle abwehren können, während sie im Schnee baden würde. Das war doch kein fairer Kampf! Azrael lachte nur.
"Ich bin ein Dämon, Kätzchen. Ich spiele nie fair.", hob er die Schultern, als wäre es damit erledigt. Aber Catriona wollte nicht aufgeben. Nicht jetzt... Doch auch der nächste Angriff endete damit, dass erneut Wasser zu Boden platschte. Verfluchte Höllenmagie! Aber gut, es war naiv zu glauben, dass Azrael zulassen würde, dass sie wirklich einen Treffer landete. Ein wenig eingeschnappt verschränkte sie ihre Arme. So machte das doch keinen Spaß...


Der Höllenherrscher schien ihren Unmut zu spüren und wenngleich es ihn amüsierte, kam er näher.
"Beim nächsten Mal passt du vielleicht auf, wen du zu reizen versuchst." Ganz unrecht hatte er nicht, immerhin hatte sie angefangen, ihn zu sticheln. Er hatte sich nur revangiert.
"Jaja... Ich habs verstanden.", murrte sie unglücklich darüber. Fast schön tröstend legte Azrael seine Arme um ihre Hüfte und zog sie etwas näher, um ein paar Strähnen vom Schnee zu befreien.
"Du bist eine schlechte Verliererin.", stellte er amüsiert fest.
"Und du ein lausiger Gewinner.", schoss es auch direkt zurück, doch sie lehnte sich nichtsdestotrotz gegen ihn. Azrael wusste immerhin, wie ihr Temperament zu besänftigen war. Er schloss die Schottin in seine Arme und grinste leicht, als er plötzlich selbst zusammenzuckte. Unangenehm kalt rieselte Schnee in seinen Nacken und seine Augen verengten sich. Dieses Biest hatte es wirklich gewagt, den Moment auszunutzen, in dem er mal nett sein wollte.
"Du hast dir das kommende jetzt selbst zuzuschreiben.", knurrte er nahe ihrem Ohr und mit einem aufgeregten Quietschen duckte sie sich aus der Umarmung, um vor ihm wegzulaufen. Weit würde sie ohnehin nicht kommen, aber ihr Lachen erhellte das ganze Ufer des Sees. Sie konnte einen Blick darauf erhaschen, wie er sich den Schnee aus dem Kragen schüttelte, ehe er mit gemächlichen Schritten ihr folgte. Catriona wusste, dass sie im nächsten Schneeberg landen würde. Das war so sicher wie das Amen in der Kirche. Aber scheiß drauf, sie hatte sich zumindest an ihm rächen können. Halb erschrocken, halb belustigt entkam ihr ein kurzer Schrei, als Azrael wie aus dem Nichts direkt vor ihr stand und er sie mühelos hochhob und fast schon grob über die Schulter warf. Das wars. Wer kämpfte, verlor. Zumindest wenn der Gegenspieler ein gewisser Dämon war. Sie zappelte, doch entkommen konnte sie seinem Griff nicht.
"Ich gebe auf! Azrael! Lass mich runter!", lachte sie mehr als dass sie flehte.
"Du hast es verdient, komm schon!" Vergeblich versuchte sie sich aufzurichten. Sie spürte nur das Lachen in seinem Körper vibrieren.
"Frech und uneinsichtig? Miss McLoid, wir haben noch sehr viel Arbeit vor uns.", schnalzte er tadelnd mit der Zunge. Schließlich ließ er sie in den nächsten Haufen fallen und besaß die Güte, noch etwas Schnee über sie rieseln zu lassen. Catriona hockte ähnlich wie bei ihrem Skiausflug im Schnee und funkelte ihn nur an, konnte jedoch das breite Grinsen nicht verstecken. Azrael sah auf sie hinunter und grinste.
"Dir würde etwas fehlen, wenn ich anders wäre.", gab sie selbstbewusst von sich. Er hob eine Braue und tat, als ob er nachdenken müsste.
"Dann hätte ich Ruhe und müsste mich nicht vor einem durchtriebenen Rotschopf in Acht nehmen.", gab er zu bedenken und jetzt war es an ihr, mit der Zunge zu schnalzen.
"Und hättest nur langweiligen Papierkram vor dir und niemanden, der dir die Langeweile vertreibt." So leicht kam er ihr nicht davon. Auch wenn er es nie deutlich sagte, Catriona glaubte, dass er ihre direkte und freche Ader durchaus mochte. Buckeln konnten andere vor ihm.
"Touché." Ein wärmeres Grinsen legte sich auf seine Züge, als er ihr schließlich die Hand reichte. Damit hatte sie indirekt ihre Antwort, die sie hören wollte.
"Versuch gar nicht erst, mich reinziehen zu wollen.", warnte er sie vor und ertappt verschwand das schalkhafte Funkeln aus ihren grauen Augen und sie ergriff brav seine Hand. Er kannte sie wirklich zu gut...
"Jetzt darf ich nochmal heim und mich umziehen...", merkte sie schließlich an und sah auf ihre feuchte Bürokleidung hinunter. So konnte sie nicht arbeiten. Aber es hatte durchaus Vorteile, mit einem Dämon seine Albernheiten zu treiben. Azrael legte nur einen Arm um sie und im selben Moment spürte sie, wie ihre Klamotten merklich warm und trocken wurden, die Spuren des kleinen Kampfes lösten sich in Dampf auf.
"Dann kommen wir nie im Büro an.", gab er nur zu verstehen und schmunzelnd stieß sie ihm in die Seite.
"Das würde dir gefallen!" Immerhin nutzte er gerne jede Gelegenheit, mal dem Arbeitsalltag zu entkommen.
"Würde es auf jeden Fall." Er warf einen anzüglichen Blick auf ihre Gestalt und Catriona konnte sich ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen.
"Aber das erste Meeting ist gleich eins mit Mammon, das auch noch wichtig ist.", seufzte er bedauernd und diesmal war es nicht gespielt. Sie mussten langsam in die Firma, doch die Gemüter waren nach der kleinen Schneeballschlacht - wenn man sie denn so nennen konnte - wesentlich leichter.

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Catriona McLoid - 16. Dezember

von LuciferDaemonium am 17.12.2024 16:00

16. Dezember - Once upon a time...

 

Der Duft von warmen Gebäck und Kaffee erfüllte die Luft, ebenso das muntere Stimmengewirr der Menschen, die sich an einem frühen Feierabend erfreuen. Ausnahmsweise gehörte auch Catriona dazu und sie wusste gar nicht, wann sie das letzte Mal so oft in einem Monat Zeit hatte, nach der Arbeit ihre Freizeit zu genießen. Doch die späten Stunden unterband Azrael mittlerweile, wohl weil er selber nicht unbedingt Lust darauf hatte, bis spät in den Abend hinein vor irgendwelchen Papieren zu sitzen. Und kaum hatte Catriona eine Nachricht von ihrer damaligen Mitstudentin erhalten, schien Azrael es nur zu gern als Vorwand zu nutzen, ebenso früher Feierabend zu machen. Monique hatte gefragt, ob sie nicht einen Kaffee trinken wollten und selbstredend hatte sich der Dämon selbst mit eingeladen. Sie hörte schon jetzt Moniques Seitenhiebe, dass er doch ihr Partner und nicht nur ein Freund war. Seufzend warf Catriona dem Dunkelhaarigen einen Blick aus dem Augenwinkel zu. Er lehnte gelassen in der bequemen Lederbank des kleinen Cafés und sah durch die Karte. Weihnachtliche Girlanden und Lichterketten erschufen eine behagliche Atmosphäre.
"Du weißt, dass sie dein Kommen anders interpretieren wird, oder?", murmelte die Schottin leise und Azrael sah von der Karte amüsiert auf.
"Mir ist es egal, was deine Freundin denkt, Kätzchen.", grinste er und Catriona schnappte nach Luft. Sie wehrte sich schon gar nicht mehr auf diesen Spitznamen und beließ es bei einem halb verlegenen, halb bösen Blick, der Azrael jedoch nur noch mehr amüsierte.
"Ist es denn so wichtig, was sie darin lesen will oder was sie denkt?", meinte er schließlich ein wenig zu betont beiläufig. Überrascht sah sie zur Seite. Diese Frage hatte sie nicht erwartet. Azrael wohl ebenso wenig von sich selbst, er zog leicht die Stirn kraus. Ein warmes Ziehen floss durch ihren Körper und sie musste unweigerlich Lächeln.
"Es ist unwichtig.", gab sie leise zu und Azrael nickte nur, tat, als ob er erneut die Karte ansehen würde.

"Kitty!", tönte auch schon Moniques Stimme durch das Café und die Brünette kam strahlend winkend auf sie zu. Catriona lächelte sofort und erhob sich, schenkte der gleichaltrigen Frau eine Umarmung und Monique hielt wie zu erwarten bei Azraels Anblick inne.
"Nur ein Freund, mh?", grinste sie sofort drauf los und stieß Cat neckend in die Seite. Verlegen murrte die Schottin.
"Halt die Klappe.", nuschelte sie nur und es reichte, um Moniques Laune in die Höhe zu treiben.
"Kane, richtig? Schön dich wiederzusehen.", begrüßte sie den Dämon munter, der wieder das charmante Grinsen trug.
"Ebenso, ich hoffe, es stört den Mädelsabend nicht, wenn ich dabei bin?" Catriona musste ein Schnauben unterdrücken. Als würde es Azrael interessieren, ob er jemanden störte oder nicht. Aber sie kannte diese gespielte Maske mittlerweile, die sie zugegeben durchaus amüsierte. Monique wank wie zu erwarten ab.
"Ach nicht doch! Ich bin froh, dass Kitty endlich jemanden gefunden hat. Du bist jederzeit eingeladen! Vielleicht kannst du mithelfen, ich muss zugeben, das Kaffeetrinken war nicht ohne Eigennutz!", lachte Monique und setzte sich endlich, gefolgt von Catriona, die wieder neben Azrael Platz nahm. Dieser beachtete die geröteten Wangen seiner Sekretärin schmunzelnd, die Moniques Worte einfach über sich ergehen ließ. Um sie ein wenig zu ärgern, legte er tatsächlich seinen Arm um Catriona.
"Natürlich, ich helfe gern.", gab er die Antwort, doch sein Augenmerk lag nur belustigt auf dem Rotschopf, die ihn mit leichter Überforderung ansah. So offensichtlich, vor anderen von ihm halb in den Arm genommen zu werden, war mehr als ungewohnt und ihr Herz schien dabei fast aus ihrem Brustkorb springen zu wollen. Dabei hatte der Abend erst angefangen! Himmel, das würde sie nicht überleben...
Schnell räusperte sie sich, dankbar, dass ein Kellner kam und sich nach ihren Wünschen erkundigte. Azrael bestellte für sie beide und nochmals machte der dumme Muskel in ihrer Brust einen Hüpfer, als er genau zu wissen schien, was sie mochte. Monique seufzte fast schon neidisch.
"Also wirklich, du hast ein unverschämtes Glück. Mein Mann weiß immer noch nicht, dass ich Tulpen mehr mag als Rosen. Ich wünschte, er wäre etwas aufmerksamer wie dein Freund.", gab sie offen zu und jetzt wollte Catriona wirklich am Liebsten im Boden versinken. So sehr sie auch mit allem und jedem umzugehen wusste - in der Hinsicht war sie mehr als unbeholfen.
"D-Du sagtest, du brauchst Hilfe?", lenkte sie deshalb ab und spürte das leichte Lachen Azraels, der seinen Arm offenbar nicht wegzunehmen gedachte. Doch mehr als ein spöttisches Funkeln kam nicht von ihm, er erbarmte sich.
"Oh, stimmt!", riss es Monique aus ihren Tagträumen eines perfekten Mannes. Wenn sie wüsste, wie oft Azrael die Schottin in den Wahnsinn trieb, würde Moni ihre Aussage nochmal überdenken. Er konnte verflucht charmant und zuvorkommend sein, meist aber nur, wenn er jemanden an der Nase herumführen wollte.

"Du weißt ja, dass ich selbst Lehrerin geworden bin. Und naja... Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich eine zu schwere Aufgabe an meine Schüler gestellt habe. Und ich wollte mir deine Meinung einholen, ich meine... Du warst immer der fantasiereiche Kopf.", erklärte sich die Brünette mit einem verzweifelten Lachen. Catriona blinzelte überrascht und hob dann die Schultern.
"Dann schieß mal los, vielleicht fällt mir etwas ein." Dankbar strahlte Monique, während ihre Bestellung gebracht wurde. Zimt umwob Catrionas Geruchssinn, als der Latte Macchiato vor ihr abgestellt wurde. Unweigerlich musste sie freudig lächeln. Damit hatte man sie immer.
"Also...", begann die Lehrerin auch schon nach einem großen Schluck von ihrem Cappuchino.
"Die Aufgabe ist folgende: Meine Schüler sollen sich einen Titel und einen Inhalt für ein weihnachtliches Buch ausdenken. Wie bei einem Einband eines Buches, quasi einen kleinen Klapptext schreiben. Aber irgendwie scheinen sie entweder keine Lust zu haben oder ich habe es ungünstig formuliert...", jammerte Monique leicht und stützte den Kopf auf einer Hand ab.
"Was würde dir dazu einfallen, Cat?", fragte sie geradeheraus und die Schottin musste ernsthaft einen langen Moment überlegen und rührte nachdenklich in ihrem Kaffee.
"Eine ganz eigene Geschichte zu Weihnachten ist recht schwierig, wenn man bedenkt, wie viele es heute gibt.", gab die Rothaarige schließlich zu bedenken, ehe ihr jedoch eine amüsante Idee kam. Monique bekam es nicht mit, schien frustriert und nickte langsam, doch Azrael musterte das Funkeln in den grauen Augen, dass immer kam, wenn ihr eine Idee kam.
"Aber ich hätte eine Idee.", grinste sie schließlich und hoffnungsvoll schaute ihre Freundin auf.
"Und welche?" Sie ahnte nichts von der doch etwas horrorartigen Version einer Weihnachtsgeschichte.
"Es ist vielleicht nicht unbedingt kinderfreundlich, aber..." Catriona warf einen grinsenden Blick zu Azrael, der fragend den Kopf schief legte.
"Mir würde 'Schlittenfahrt mit Krampus' einfallen.", verkündete sie und jetzt hellten sich seine Züge amüsiert auf. Seine Mundwinkel zuckten im Versuch, ernst zu bleiben. Immerhin erinnerte er sich noch zu gut an ihren albernen Traum und der kleinen Geschichtsstunde, die er ihr gegeben hatte. Monique hingegen starrte sie ungläubig an.
"Krampus? Aber..." Catriona grinste nur breit und zuckte mit ihren Schultern.
"Er gehört theoretisch zur Weihnachtszeit und ist ebenso eine Sagengestalt wie St. Nicolaus. Eine Geschichte über die wilde Jagd und Krampus' Rolle zur festlichen Zeit, aufgebaut als eine Schlittenfahrt durch die Zeit. Gespickt mit einigen Liedern und Gedichten zu seiner Wenigkeit und einer kleinen Moral am Ende.", fuhr sie unbeirrt fort und teilte ihre Idee über ein etwas anderes Weihnachtsbuch. Monique schüttelte nur ungläubig den Kopf.
"Du hast einen schrägen Humor.", meinte sie ernüchternd und Catriona schmunzelte nur.
"Ich würde es lesen.", grinste Azrael neben ihr durchaus begeistert von der Idee. Monique sah zwischen den beiden hin und her und lachte dann nur.
"Ihr beide seid schräg.", entkam es ihr nur belustigt.
"Hey! Scrooge ist auch nicht gerade eine harmlose Geschichte, wenn man sich die Geister ansieht, die ihn heimsuchen. Warum also nicht auch eine Weihnachtsgeschichte mit Krampus?", rechtfertigte sich die Schottin leicht lachend. Am Ende dienten diese Geschichten immerhin dazu, eine tieferliegende Moral zu vertreten und eine Warnung auszusprechen.
"Ja, das stimmt, aber... Ich habe von dir jetzt mit allem gerechnet, aber nicht mit sowas!! Aber das Prinzip hast du verstanden... Jetzt muss ich es nur noch meinen Schülern näher bringen...", gestand Monique und schien noch immer nicht ganz glücklich über diese Idee. Catriona lehnte sich leicht über den Tisch und schenkte ihrer Freundin ein Lächeln.
"Vielleicht kann ich dabei etwas mehr helfen.", schmunzelte sie und die nächste Stunde versuchte Catriona ihr weiterzuhelfen, wie sie die Aufgabe für die Kinder attraktiver gestalten konnte. Sie kamen gut voran, drifteten jedoch immer wieder zu alten Geschichten aus der Uni ab und am Ende des Abends plauderten sie einfach munter über alles mögliche. Wobei Monique ein ums andere Mal versuchte, Fragen zu ihrer verrückten Krampus-Idee zu stellen, allem voran seit wann sich die Schottin für Legenden interessierte. Oh, wenn Monique nur wüsste, wie echt diese Sagengestalten mitunter waren. Doch Cat schwieg und wich gekonnt mit Humor den Fragen aus.

Am Ende ging Monique mit einigen Ideen für ihre Aufgabe nach Hause und Azrael amüsierte sich noch immer prächtig über den Buchvorschlag. Auf dem Heimweg diskutierten Catriona und er über den Inhalt des Buches und was man alles einbauen könnte. Dabei waren sie so vertieft, dass sie zu spät bemerkten, dass sie eigentlich fahren statt laufen wollten, doch sie waren bereits in der Straße, in welcher die Schottin lebte, angekommen. Der etwas längere Weg hatte viel zu kurz gewirkt, während sie in ihren begeisterten Erdenken irgendwelcher Szenen vertieft gewesen sind.

"Krampus, Krampus, Krampus
Legendary demon of Christmas
Have you been good or wretched and cruel my child?
Hear him coming, Krampus
Hunting foul children so wicked
Better behave or he'll fetch you away to Hell!"
[Songlyric von Karliene's Song Krampus]

Catriona hatte mittlerweile am Handy sogar nach einem passenden Lied gesucht und ließ es leise laufen, während sie sich nur zu gerne in dieser Buchidee verstrickte. Mit Azrael als wandelndes Geschichtsbuch war das auch nicht sonderlich schwer, ihm fielen immer wieder neue Möglichkeiten ein, die Geschichte zu erweitern. Dass sie dabei mal wieder völlig die Zeit aus den Augen verloren, bemerkten sie nicht einmal.

Antworten Zuletzt bearbeitet am 17.12.2024 16:02.

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Catriona McLoid - 15. Dezember

von LuciferDaemonium am 15.12.2024 13:32

15. Dezember - Das Krippenspiel

 

Catriona hatte entnervt den Kopf in den Nacken gelegt, während Azrael neben ihr nur abermals zu Lachen begonnen hatte.
"Ezekiel ist wirklich eine Nummer für sich.", gluckste der Dämon mehr als amüsiert, während Cat nur einen unwilligen Laut von sich gab.
"Warum ich?", jammerte sie.
"Ich habe doch mit der ganzen Scheiße nichts am Hut!", meckerte sie weiter und fast schon tröstend tätschelte Azrael ihren Rücken.
"Du bist eben manchmal zu nett zu deinen Untergebenen.", grinste er vielsagend und erntete einen gequälten Blick.
"Du hast ihn doch gesehen, er hat gestrahlt wie ein kleines Kind. Wie soll ich da nein sagen?", wollte sie sich für ihre Schwäche rechtfertigen. Azrael hob nur spöttisch eine Braue.
"Er ist ein verdammter Engel, wann schaut er mal nicht dämlich drein?"
"Touché.", musste die Schottin dem Dämon zustimmen. Zumindest hatte Azrael Ezekiel und die anderen Engel halbwegs akzeptiert, auch wenn er sich die Spitzen nicht verkneifen konnte und nur zu gerne die Elysischen Helferlein reizte. Wobei im Falle von Ezekiel es schwierig wurde, da seine Naivität ihn manches Mal die verborgenen Seitenhiebe missverstehen ließ. Nur ein Grund mehr für Azrael, seinen Spaß zu haben.
"Du könntest ja mitkommen.", schlug sie vor und der Dämon verschluckte sich an seinem Kaffee, den sie auf Catrionas kleiner Terrasse tranken. Natürlich war er gestern noch bei ihr geblieben und schien auch jetzt noch nicht gehen zu wollen.
"Bist du wahnsinnig?! Ich werde definitiv nicht in eine verseuchte Kirche gehen, um mir die verfluchte Geschichte von Jesus anzutun. Das musst du alleine aussitzen, ich bleibe derweil hier.", wehrte er augenblicklich ab. Catriona stöhnte auf.
"Mit dir wäre es aber erträglicher! Komm schon, du verbrennst doch nicht gleich auf geweihtem Boden und die Kirche ist auch nicht direkt in Michaels Einzugsgebiet.", bettelte sie, doch Azrael schüttelte nur angewidert den Kopf.
"Ich mache ja wirklich viel mit, Kätzchen, aber das geht zu weit. Ich werde keine Kirche betreten, noch weniger um einen Engel glücklich zu machen.", blieb der Dämon stur. Was hatte sie auch erwartet? Dass er sich das Krippenspiel ansehen würde? Nein, da kannte er die echte Version und brauchte keine kleine Nachstellung zum sonntäglichen Gottesdienst. Sie konnte sich auch Besseres zum dritten Advent vorstellen... Catriona seufzte nur.
"Na schön... Dann bestell uns wenigstens was zu Essen, das werd ich brauchen, wenn ich wiederkomme.", murrte sie wenig begeistert.
"Lass mich raten: Sushi für deine Nerven?", wollte der Dunkelhaarige sogleich grinsend wissen. Catriona musste lächeln.
"Du kennst mich zu gut.", sagte sie bloß, immerhin schien der Mann neben ihr zu wissen, was sie wollte oder brauchte. Azrael nickte nur und scheuchte sie hoch.
"Dann bring es endlich hinter dich und mach Ezekiel glücklich.", grinste er noch immer schadenfroh und die Schottin erhob sich missmutig. Versprochen war versprochen, in der Hinsicht schaufelte sie sich öfter ein eigenes Grab. Sie brach ihre Versprechen nicht, was sie wohl mal überdenken sollte...


Zwei Stunden zuvor...


Catriona lehnte entspannt an Azraels Seite und hatte ihren Kopf auf seiner Schulter abgelegt, während sie zusah, wie ein leichter Schneefall London heimsuchte. Gehüllt in eine warme Decke genoss sie den ruhigen Anblick des Morgens mit ihm zusammen. Seine Hand lag locker um ihre Taille gelegt und manchmal strich er mit seinen Fingern ihre Seite entlang, während er selbst ruhig dem kleinen Schneegestöber zusah. Auf dem kleinen Tisch vor ihnen brannten die drei Kerzen zum Zeichen des dritten Advents und ein paar Plätzchen lagen in einer Schale, von der sie naschten. Ihr Mitbringsel vom gestrigen Weihnachtsmarkt. Zufrieden grinste die Schottin in sich hinein und genoss die Zweisamkeit. Er war die Nacht schon bei ihr geblieben, hatte dafür gesorgt, dass sie erneut viel zu spät eingeschlafen war, aber es war immerhin Sonntag und sie hatte ausschlafen können.

Ein Klingeln riss sie leider aus ihrer Zweisamkeit und sie spürte das leichte Vibrieren Azraels, als er unwillig brummte und seinen Griff um ihre Hüfte verstärkte.
"Lass es einfach klingeln. Wenn das wieder die Wasserhexe ist, jag ich sie davon.", kam es wenig begeistert von ihm und offenbar schien Azrael nicht gewillt, erneut irgendwelchen Besuch dazwischenfunken zu lassen, wenn sie eigentlich ihre gemeinsame Zeit genießen wollten. Catriona lachte leicht, doch es klingelte erneut, diesmal drängender. Seufzend strich sie einmal über seine Brust und stand auf.
"Vielleicht ist es nur irgendjemand Unwichtiges.", sprach sie hoffnungsvoll, doch sie irrte. Kaum, dass sie öffnete, begrüßte sie auch schon ein aufgeregter Ezekiel. Überrumpelt, den Engel zu sehen, blieb Catriona leicht der Mund offen. Der Blonde brach auch schon mit seinem Grund des Kommens über sie hinein.
"Catriona! Oh, gut, dass du da bist! Gut, sehr gut! Ich brauche deine Hilfe, naja, wohl eher wollte ich um einen Gefallen bitten und... Oh, Azrael! Ihr seid auch hier!", verneigte sich der Engel hastig vor dem Höllenherrscher und lächelte freudig.
"Ezekiel... Was machst du hier?", wollte Catriona wissen und ging zur Seite, um den Engel hereinzulassen, der dankend nickte und ihre Wohnung betrat. Der Dämon musterte den aufgeregten Engel nur mit hochgezogenen Brauen irritiert, da er förmlich vor Enthusiasmus sprudelte.
"Ich muss dich mal etwas fragen, Catriona: Wie vertraut bist du mit der christlichen Weihnachtsgeschichte?", wollte Ezekiel auch gleich wissen und seine Augen funkelten regelrecht begeistert. Überrumpelt wechselte die Schottin ein Blick mit Azrael, dessen Mundwinkel schon zuckten, doch er hielt sich noch zurück.
"Ich kenne die Geschichte von Jesus Geburt natürlich. Man wird jedes Jahr wieder aufs Neue daran erinnert. Ich glaube, es gibt kaum jemanden, der sie nicht zumindest einmal gehört hat.", gab sie langsam von sich. Ezekiel klatschte in die Hände.
"Oh, wunderbar! Wunderbar!", rief er aus und Azrael gluckste verhalten, versuchte ein spöttisches Lachen zurückzuhalten.
"Die menschliche Version zumindest.", konnte er sich nicht verkneifen, hinzuzufügen. Ezekiel strahlte nur.
"Nun, ich mag die Version der Menschen lieber als das, was früher wirklich passiert war.", gab der Engel offen zu und sah wieder zu Catriona.
"Also... naja, es gibt da eine kleine Kirche in Shadwell. Und dort wird heute die Geschichte von Jesus Geburt vorgeführt! Eine kleine Runde von Schaustellern, die es für einen guten Zweck machen! Die Kirche ist für Michael auch eher unwichtig, also ihn sieht man so gut wie nie dort, also bräuchtest du keine Bedenken haben, ihm über den Weg zu laufen. Niemand kann heute mit mir hingehen, ich will mich aber auch nicht alleine reinsetzen! Kannst du nicht mitkommen? Die Geschichte nochmal als Ganzes in dich aufnehmen, es ist doch immerhin Weihnachten!", bettelte der Engel auch schon und jetzt entglitten Catriona die Gesichtszüge. Sie sollte mit Ezekiel in die Kirche gehen, um sich das Krippenspiel anzusehen?! Azrael konnte nun nicht länger seine Selbstbeherrschung aufrechterhalten. Er brach in schallendes Gelächter aus, was Ezekiel mit einer enttäuschten Schnute bekundete.
"Es ist eine Tradition der Menschen, Sire!", rief er fast schon empört zu ihm aus. Catriona wusste nicht, was sie davon halten sollte. Christlich war sie ganz gewiss nicht, nicht bei den Dämonen und Engeln, mit denen sie schon zu tun hatte. Sie wusste zudem, dass der Glaube meist als Kontrolle genutzt wurde. Von Menschen Seite wie auch Himmlischer. Dass Ezekiel jedoch in ein klassisches Krippenspiel wollte, ausgerechnet mit ihr, war dann aber mehr als überraschend. Doch das Flehen in seinen hellen Augen und das kindliche Strahlen ließen die Schottin überfordert zurück. Fuck... Wenn sie absagen würde, wäre Ezekiel am Boden zerstört. Midnight würde einen Teufel tun, mit ihm dahin zu gehen. Wie wohl jeder Dämon.
"Ich bin aber nicht wirklich gläubig...", versuchte sie, eine lahme Ausrede zu finden. Ezekiel wank nur ab.
"Ich doch auch nicht!", rief er nur munter aus und bemerkte kaum, wie es für Außenstehende klang. Azrael lachte nur noch mehr.
"Ein Engel, der nicht gläubig ist, ich glaub das habe ich auch noch nicht erlebt!", rief er köstlich amüsiert aus. Ezekiel blinzelte verwirrt.
"Naja, ich kann ja nicht gläubig sein, wenn ich weiß, dass der Allmächtige existiert.", gab er überzeugt zu bedenken. Azrael starrte ihn an als wäre er verrückt geworden, da der Engel nicht zu wissen schien, wie der Therm 'Glaube' definiert wurde.
"Wenn du meinst. Lass das aber nicht Michael hören.", gluckste der Dämon nur und ließ den Blondhaarigen im Dunkeln. Catriona räusperte sich verlegen und rieb sich leicht das Genick.
"Ich weiß nicht..." Sie sah im stummen Hilferuf zu Azrael, der sie jedoch nur breit angrinste. Verdammte Idiot! Von ihm würde keine Hilfe kommen, das stand fest. Dafür genoss er es zu sehr.
"Bitte Catriona! Es dauert auch nur zwei Stunden mit dem Gottesdienst und dem Krippenspiel!", flehte Ezekiel auch schon wieder und die Schottin resignierte. Sie ließ sich viel zu sehr erweichen...
"Na schön, aber nur dieses eine Mal.", grummelte sie und der Engel klatschte begeistert in die Hände.
"Oh, dankeschön! Ich hole dich dann in einer Stunde ab! Es wird bestimmt ganz wundervoll!", freute er sich sichtlich und Azrael sah erst überrascht, dann voller Schadenfreude zur Rothaarigen. Sie bereute es schon jetzt...

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Catriona McLoid - 14. Dezember

von LuciferDaemonium am 15.12.2024 12:50

14. Dezember - Make a wish

 

Wie zu erwarten schien Azrael am nächsten Morgen nicht unbedingt gut gelaunt. Sein stechender Blick auf ihr war unmissverständlich, kaum dass sie das Büro betreten hatte. Zugegeben war die Schottin auch ziemlich müde, sie hatte noch bis in die Nacht hinein gezeichnet und viel zu spät realisiert, dass sie arbeiten musste. Sie rieb sich ein wenig über die Augen, was wohl den Missmut des Dämons nur noch steigerte.
"Scheint ja ein langer Abend mit deinen Freunden gewesen zu sein.", kam es als halbes Knurren von ihn und Catriona verkniff sich mühsam ein Gähnen, um ihn nicht noch weiter anstacheln. Ein kleines Schmunzeln konnte sie sich jedoch nicht verkneifen. Sie würde nur zu gerne frech fragen, ob er eifersüchtig wäre, aber das Echo dessen würde sie wohl nicht vertragen. Freuen tat sie sich insgeheim dennoch und am Ende war das Wissen, ein schönes Geschenk für ihn gefunden zu haben, etwas, was sie beflügelte. Sanft hob sie eine Hand um seine Laune ein wenig zu besänftigen.
"Nein, deshalb nicht. Ich bin gestern Nacht einfach zu lange aufgeblieben.", wollte sie gleich die falschen Gedanken aus Azraels Kopf verbannen, doch er schnaubte wenig überzeugt. Die Schottin wollte ihn nicht belügen, aber wenn sie sagen würde, dass sie mit Baal und Belial ein kleines Treffen gehalten hatte, würde er auch nur wieder misstrauisch werden und denken, dass irgendwas gravierendes los war. Immerhin waren es zwei Höllenfürsten. Sie hatte sich selbst wohl in eine Zwickmühle gebracht.
"Ist das so?", kam es sarkastisch von ihrem Gegenüber, der offenbar wirklich nicht begeistert von ihrem gestrigen Abflug war. Während Catriona noch überlegte, wie sie die Wogen glätten sollte, ging jedoch der Fahrstuhl auf und Belial stolzierte herein.
"Guten Morgen, Süße!", flötete sie an Catriona gewandt und warf Azrael einen amüsierten Blick zu.
"Azrael, du schaust drein, als hätte man dir dein Lieblingsspielzeug weggenommen.", grinste sie sogleich spitz. Demonstrativ legte sie ihren Arm um die schmale Schulter der Schottin.
"Tut mir leid, dass ich mir Catriona gestern ausgeliehen habe.", schnaubte sie wenig ernstgemeint und Catriona musste ihre Mimik kontrollieren, als ihr klar wurde, dass Belial sie gerade deckte. Es schien auch zu funktionieren. Azrael sah im ersten Moment verwirrt zu Belial, ehe sich seine Schultern leicht zu entspannen begannen und er Catriona einen säuerlichen Blick zuwarf.
"Du hättest sagen können, dass du dich mit der Wasserschlange triffst."
"Pass auf wen du hier Schlange nennst!", fauchte Belial sogleich und Catriona grinste unbeholfen.
"Ich dachte mir, du wärst ohnehin nicht begeistert...", entschuldigte sie sich etwas ausweichend. Azrael seufzte nur und fuhr sich durch das dunkle Haar.
"Bin ich auch nicht, aber solange es nur Belial ist..." Er ließ den Satz offen und sprach nicht weiter, als er das vielsagende Grinsen der Fürstin bemerkte. Sie wackelte nur mit den Brauen und zischend wandte sich Azrael von Belial gänzlich ab.
"Was willst du eigentlich hier?", wollte er etwas ungehalten wissen, da die Schwarzhaarige sein Nervenkleid schon wieder strapazierte. Belial lachte gehässig auf, verkniff sich aber, darauf herumzureiten.
"Ich bin hier um da weiterzumachen, wo ich gestern aufgehört habe.", verkündete sie und jetzt sah auch Catriona verwirrt zu ihr auf.
"Was meinst du damit?", wollte die Schottin wissen. Das Geschenk für Azrael war doch geklärt und hier in der Firma würde sie definitiv nicht darüber sprechen! Belial schnalzte mit der Zunge.
"Süße, bald ist Weihnachten und ich weiß noch immer nicht, was du dir eigentlich wünscht!", schnippte Belial ihr sanft gegen die Stirn. Ein warmes Grinsen hatte sich auf ihre Züge gelegt. Azrael drehte sich tatsächlich aufmerksam geworden wieder zu beiden Frauen herum, während sein Blick Catriona fixierte. Die Schottin hingegen blinzelte und verstand im ersten Moment nicht.
"Ähm...", machte sie etwas überfordert, ehe sie schließlich entschuldigend die Hände hob.
"Ich... ehrlich gesagt habe ich keinen Wunsch für ein Geschenk. Ich habe alles, was ich brauche.", wehrte sie sanft ab, doch Belial ließ sich nicht von ihrer Idee abbringen. Sie stemmte eine Hand in die Seite und beugte sich leicht zum Rotschopf vor. Den Wunsch, den Catriona tief in ihrem Herzen hatte, konnte ohnehin nicht erfüllt werden.
"Catriona, jeder hat irgendwelche Wünsche! Es geht nicht darum, ob du es brauchst oder nicht. Es gibt doch bestimmt irgendwas, was du möchtest. Ganz egal wie verrückt, ich bin eine Höllenfürstin, ich kann dir fast jeden Wunsch erfüllen.", erinnerte die ägyptische Schönheit ihre Freundin gelassen. Doch der noch immer verständnislose Blick der Schottin ließ sie seufzen und zu Azrael blicken.
"Sie ist wirklich frei von Gier oder dergleichen, mh?", meinte sie an ihn gewandt und der Höllenherrscher hob nur die Schultern.
"Sie ist genügsam, vergisst aber gerne, sich selbst etwas zu gönnen.", antwortete er sogar ernsthaft. Belial legte nachdenklich zwei ihrer manikürten Finger unter ihr Kinn.
"Das macht es schwieriger...", murmelte sie mehr zu sich selbst, ganz so, als wäre Cat nicht anwesend.
"Wie wäre es, wenn wir heute shoppen gehen!", kam Belial die glorreiche Idee und ihre Augen funkelten.
"Du darfst dir nach Herzenslust etwas aussuchen.", bestimmte sie, als wäre es für sie die Lösung. Azrael ließ nur ein ersticktes Lachen verlauten.
"Viel Glück dabei.", grinste er nur spöttisch und Belial verzog etwas missmutig ihr Gesicht.
"Als hättest du eine bessere Geschenkidee für sie.", ging auch gleich das Gezanke wieder los. Azrael konterte diesmal jedoch nicht. Er blieb stumm und seine Augen huschten nur ein weiteres Mal zu Catriona, die seinen Blick fragend auffing.
"Meinetwegen, geht ihr Mädels shoppen. Cat und ich machen nur noch das Wichtigste fertig, dann können wir los.", wank er schließlich ab und Belial erstarrte.
"Wir?", wiederholte sie ungläubig und erntete ein zuckersüßes Grinsen.
"Wir. Ich komme natürlich mit. Es reicht, dass du sie gestern schon den ganzen Abend in Beschlag hattest." Catriona schnappte fast empört nach Luft. Die Bezeichnung Spielzeug, die Belial zuvor nutzte, schien ja fast auf sie zu passen, so wie er sich verhielt. Sie wollte bereits aufbrausen, stockte dann jedoch, als sie den flüchtigen warmen Schimmer in seinen Augen aufschnappte. Fast sofort wurde ihr Temperament besänftigt und sie klappte den Mund wieder zu. Verfluchter Mistkerl... Belial hatte die Arme vor der Brust verschränkt, verdrehte aber schließlich die Augen und gab nach.
"Meinetwegen. Ich bin in zwei Stunden wieder zurück.", wank sie zum Abschied mit der Hand und stolzierte genauso hinaus, wie sie auch gekommen war.

Catriona schüttelte nur belustigt den Kopf und wollte gerade an ihren Schreibtisch, als Azrael auf die Terrassentür deutete.
"Sag bloß, du willst es ausfallen lassen?", meinte er mit hochgezogenen Brauen, immerhin stand der Kaffee, mittlerweile kalt geworden, schon bereit. Lachend schüttelte die Schottin den Kopf und folgte ihm nach draußen und zündete sich eine der Giftstangen an.
"Was wünscht du dir wirklich? Du bist Belial vorhin ausgewichen, ich kenne dich, Cat.", fragte Azrael irgendwann und warf ihr einen wissenden Seitenblick zu. Catriona musste zugeben, dass er sie mittlerweile zu schnell durchschaute. Wann sie angefangen hatte, ihre dutzenden Mauern bei ihm fallen zu lassen, wusste sie gar nicht mehr. Sie musste leicht lächeln.
"Dir entgeht auch nichts, mh?" Außer die Überraschung, die sie für ihn plante. Auch nur dank Belial, die schnell geschaltet hatte. Azrael hob nur leicht grinsend die Schultern, wurde jedoch wieder ernst.
"Also gibt es etwas.", stellte er nur nüchtern fest und Catriona nickte langsam.
"Naja... im Prinzip erfüllt sich schon der Wunsch, dass ich Weihnachten dieses Jahr feiern kann..." Ihre Wangen wurden wärmer. "...mit dir...", flüsterte sie noch leise dazu und Azrael sah sie einen langen Moment an.
"Ich höre ein 'aber'...", kam es ebenso eine Spur leiser von ihm.
"Ich... hoffe irgendwann, wieder mit meiner Familie noch ein Fest verbringen zu können.", gab sie schließlich ehrlich zu und senkte ihren Blick, atmete kurz die kalte Luft ein.
"Aber ich weiß, dass es ein Wunsch bleibt. Das ist auch in Ordnung für mich, ich habe dieses Jahr schon so viel mehr, als ich es mir überhaupt zu wünschen erhofft habe!", fügte sie jedoch schnell hinzu und Azrael musterte sie einfach nur mit einem... Lächeln? Es war ein völlig fremder Ausdruck auf seinen Zügen und plötzlich spürte sie einfach nur seine warme Hand auf ihrer Wange.
"Dann sorgen wir dafür, dass es ein schönes Fest für dich wird.", raunte er ihr zu, doch was genau er damit meinte, erklärte er nicht. Catriona war auch etwas zu abgelenkt von seiner warmen Haut, um vernünftig nachdenken zu können. Damit ließ er sie tatsächlich auch stehen und verschwand ins Innere, nachdem er den Kippenstummel in Asche zerfallen ließ. Die Schottin sah ihm nur nach, das Herz schlug ihr dabei bis zum Hals, als sich ein neuer Wunsch in ihr formte. Der Wunsch danach, mit ihm jedes Jahr diese Zeit verbringen zu können. Ihre Eltern würde sie wohl nicht sehen, Lucifers Worte waren damals eindeutig. Aber nun hatte sie... eine weitere, geliebte Person, mit der sie die Zeit der Besinnlichkeit verbringen konnte. Und das war der Sohn des Leibhaftigen. Sie musste unweigerlich lächeln und blinzelte leicht, um ihre Gefühle halbwegs wieder in den Griff zu bekommen.


[...]


Der Nachmittag verlief mit dem üblichen Gestichel zwischen Belial und Azrael, als die Fürstin des Neids sie quer durch London schliff. Sie übertrieb es wohl ein wenig, Catriona beschenken zu wollen. Von Modegeschäften zu Schmuck und technischen Geräten, überall wo Belial eine Chance witterte, wurde der Rotschopf hinein gezerrt. Cat konnte darüber teilweise nur lachen, wie ernst und verbissen Belial an die Sache heranging und erbarmte sich irgendwann, als sie etwas fand, was ihr gefiel. Es war eine kunstvolle Figur eines silbernen Drachens, der einen Brieföffner in Form eines Dolches hielt. Das Design hatte es Catriona angetan und sie drehte das gute Stück bewundernd in ihren Händen, was Belial nutzte um es ihr aus den Händen zu reißen. Sie begutachtete es selber kritisch.
"Das hier also?" Catriona lachte nur und nickte leicht.
"Wenn du unbedingt darauf bestehst. Es würde sich gut auf meinem Schreibtisch machen.", gab sie ehrlich zu. Immerhin hatte sie begonnen, diesen langsam persönlicher zu gestalten. Zu den Anfangszeiten, in denen Azrael den Laden übernommen hatte, war ihr Tisch noch karg und kalt. Lediglich die Geräte und Papierkram wie Ordner hatten ihren Platz dort gefunden. Jetzt standen durchaus einige persönliche Wertigkeiten an ihrem Platz und sie fühlte sich merklich wohler damit.
Belial hatte derweil den Drachen an sich genommen und bezahlte ihn an der Kasse, während Azrael sich belustigt über ihre Schulter beugte.
"War das jetzt deine Gnade, dass Belial sich nicht noch weiter reinsteigert oder wolltest du das Teil wirklich?", fragte er leise und nur für sie hörbar.
"Beides fürchte ich.", grinste sie an ihn gewandt ebenso leise zurück und er lachte leicht.
"Schade, ich hätte sie nur zu gern weiter geärgert.", seufzte er theatralisch.
"Kannst du, ich zerre euch beide noch mit auf den Weihnachtsmarkt.", zwinkerte sie ihm zu und überrascht wie auch erfreut ruckten seine Bernsteine wieder zu ihr.
"Nicht, dass du mir immer noch böse wegen gestern bist.", zog sie ihn nun etwas auf. Azrael wandte murrend das Gesicht ab, als wäre es ihm unangenehm.
"Bin ich doch gar nicht.", gab er nur brummend zurück. Catriona lachte leicht und strich sanft über seinen Arm.
"Ich machs mit Zuckerwatte wieder gut.", gab sie versönlich von sich und Azrael sah halb verärgert, halb erfreut zu ihr.
"Und Met. Die erste Runde geht auf dich.", bestimmte er und holte für sich noch etwas mehr hinaus. Catriona lachte belustigt und nickte nur.
"Einverstanden.", schmunzelte sie nur, ehe Belial sie beide wieder störte.
"Wenn ihr hier anfangt zu knutschen, kotze ich." Catriona sah verlegen wie auch empört zu ihrer Freundin.
"Belial!", rief sie erbost aus und erntete nur ein freches Grinsen der Fürstin. Azrael trug nur ein zuckersüßes Grinsen.
"Verschwindest du dann?", fragte er hoffnungsvoll und verstärkte die Verlegenheit der Schottin um ein Weiteres, als er demonstrativ einen Arm um sie legte. Fast schon glaubte Catriona, dass er sie wirklich küssen würde, und wenn es nur war, um Belial damit zu reizen. Ihr Herz machte dabei einen hoffnungsvollen Hüpfer.
"Das kannst du vergessen, so leicht mache ich es dir nicht.", lachte Belial auf und enttäuscht seufzte Azrael.
"Zu Schade.", murmelte er nur. Die Hoffnung der Schottin verpuffte und sie kämpfte gegen den enttäuschten Stich in ihrem Inneren. Fuck, sie hatte wirklich...
"Dann lasst uns weiter.", wank Azrael lediglich mit der freien Hand und dirigierte Catriona sanft mit der anderen Hand in ihrem Rücken zur Ladentür. Belial runzelte die Stirn.
"Wo willst du denn noch hin? Sag bloß, dir ist eingefallen, dass du auch ein Geschenk besorgen willst!", wollte sie wissen und Azrael grinste sie über die Schulter hinweg an.
"Ich brauche kein Geschenk kaufen.", verkündete er nur selbstsicher. Belial schnappte schon nach Luft, wollte ihn belehren, dass er seiner Frau gottverdammt nochmal was schenken sollte, als sie jedoch den kleinen, vorfreudigen Zug um seine Mundwinkel vernahm. Er plante etwas, das wurde der Fürstin in diesem Moment bewusst.
"Catriona lädt auf den Weihnachtsmarkt ein. Du hast doch dein Geschenk, oder? Dann können wir los." Belial dämmerte langsam und sie grinste vorfreudig, als auch wohlwollend. Sie musste sich wohl keine Sorgen machen, dass ihre Freundin leer ausging. Und noch amüsanter war, dass Catriona es nicht zu verstehen schien. Also wirklich, so brillant sie auch im planen war, wenn es um sie selbst ging, stand diese Menschenfrau manchmal wirklich auf dem Schlauch. Aber Belial schwieg im stummen Einverständnis mit Azrael.
"Warum sagst du das nicht gleich?!", holte sie rasch zu ihnen auf und der Nachmittag im Londoner Weihnachtsgetümmel begann...

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Catriona McLoid - 13. Dezember

von LuciferDaemonium am 13.12.2024 15:19

13. Dezember - A special Gift

 

Zufrieden fuhr sie ihren Computer herunter und schaltete die kleine Lampe auf ihrem Schreibtisch aus, die sie beim Lesen der letzten Papiere zur Hilfe genommen hatte. Es war erst früher Nachmittag, eigentlich absolut nicht ihre Zeit, aber Catriona hatte heute einen besonderen Plan. Offiziell hatte sie angekündigt, ein Meeting bei HOPE zu haben, weshalb Azrael ihr den freien Nachmittag gewährt hatte. Und wenngleich sie sich auch in ihrem Hauptquartier mit einigen Leuten traf, so ging es ganz bestimmt nicht um die Arbeit. Aber das durfte der Dämon nicht wissen, weshalb sie sich bei Halbwahrheiten hielt, sodass er nicht misstrauisch wurde. Er selbst war wieder ganz der Alte, das seltsame Verhalten des gestrigen Tages war verschwunden und die Schottin schob es naiv auf das hohe Arbeitspensum. Auch wenn Azrael ihr selbst bei ihrem morgendlichen Kaffee nicht verraten wollte, was er nach den Feiertagen treiben wollte. Aber gut, zumindest stand ihr Date über die Feiertage noch. Fast sofort schlich sich das dämliche Grinsen in ihr Gesicht bei dem Gedanken. Himmel, sie konnte sich kaum daran erinnern, als sie zuletzt so glücklich gewesen war. Mit der ungewohnten Fröhlichkeit im Herzen und der Vorfreude auf das, was heute noch folgte, steckte sie ihren Kopf durch die Tür seines Büros.
"Ich bin dann mal weg. Wir sehen uns morgen!", rief sie grinsend und Azrael sah etwas verwirrt über ihre gute Laune auf.
"Ich dachte du hast keine Lust auf die ganze Arbeit, die Midnight auf dich abwälzt.", runzelte er die Stirn und Catriona zuckte nur mit den Schultern.
"Das schaffe ich schon.", meinte sie gelassen. Sie sollte sich vielleicht besser kontrollieren, ehe der Dämon noch argwöhnisch wurde.
"Wollen wir heute Abend auf den Londoner Weihnachtsmarkt?", kam unverblümt die Frage von Azraels Seite. Überrascht zuckte Catriona schuldbewusst zusammen. Natürlich wollte sie am Liebsten sofort "Ja" sagen, aber sie konnte nicht.
"Ich bin heute leider verhindert, tut mir leid...", seufzte sie entschuldigend und ein Schatten der Enttäuschung huschte über sein Gesicht.
"Du kannst mir ja Bescheid geben, wann du fertig bist.", gab er nicht so leicht auf und jetzt wurde es etwas heikel. Catriona wich ein wenig seinem Blick aus.
"Ich bin schon verabredet, tut mir leid. Aber vielleicht morgen?", bot sie versönlich an. Azrael starrte sie einen längeren Moment an.
"Mit wem?", überging er ihren Vorschlag geflissentlich und der zuckersüß neugierige Ton jagte ihr eine Gänsehaut über den Rücken.
"Mit ein paar Freunden. Ich muss jetzt wirklich los, bis morgen!", ergriff Catriona die Flucht und ließ einen erstarrten und wenig glücklichen Azrael zurück.


[...]

"Das war knapp...", keuchte die Schottin, die es sich auf der großen Couch im Kaminzimmer von HOPE gemütlich gemacht hatte. Sie hatte die glorreiche Idee gehabt, den einen Meetingraum in ein gemütliches, weihnachtliches Kaminzimmer umzuwandeln. Baal, der es sich ebenso in einem Sessel beim Feuer bequem gemacht hatte, lachte nur rau auf.
"Du weißt, dass er dich morgen ins Kreuzverhör nehmen wird?", gluckste der Russe amüsiert. Davor hatte die Schottin ehrlich gesagt schon am Meisten Angst.
"Ich befürchte es...", gab sie zu. Immerhin war Azrael nicht auf den Kopf gefallen und sie war ihm förmlich ohne direkte Antwort davongerannt.
"Aber vielleicht sieht er es gar nicht so ernst..." Hoffnung starb immerhin zuletzt. Baal und auch Belial, die neben ihr saß, begannen zu lachen.
"Catriona, du solltest die besitzergreifende Natur von Dämonen nicht unterschätzen.", gab Belial zu bedenken und grinste vielsagend. Die Wangen der Schottin röteten sich etwas. Natürlich war es weder Belial noch Baal entgangen, dass ihr Verhältnis zu Azrael wesentlich enger geworden war über die gesamte Zeit. In den letzten Wochen war es wohl mitunter überdeutlich zu sehen, wenn man bedachte, wie viel Zeit sie zusammen verbrachten und wie sie miteinander umgingen.
"Ich konnte ihm ja schlecht sagen, mit wem und warum ich mich treffe.", murmelte sie ein wenig verlegen.
"Du willst es also wirklich als Überraschung durchziehen?", wollte Baal vorfreudig wissen und rieb sich bereits die Hände. Er selbst schien dabei viel zu viel Spaß zu haben.
"Ja... Das ist ja das Schöne an Weihnachten. Ich meine, die meisten bekommen das, was sie sich wünschen. Bei Azrael ist es schwieriger, da er nie deutlich sagt, was er sich wünschen würde. Und wenn ich direkt frage, dann ist es ja offensichtlich... Deshalb brauche ich eure Hilfe, ich hab keine Idee, was ich ihm schenken soll." Catriona verzweifelte daran wirklich. Es war schwer, jemandem wie ihm ein schönes Geschenk zu machen, wenn er alles besitzen konnte, was er wollte. Und sie war keine Frau, die es bei einer dämlichen Grußkarte belassen wollte.
"Schenk ihm eine Flasche Vodka. Vodka geht immer.", schlug Baal lachend vor, als wäre es das einfachste der Welt. Catriona verzog das Gesicht.
"Das wäre eher ein Geschenk für dich, aber nicht für ihn.", lehnte sie es sofort ab und Baal schnaubte nur belustigt. Bittend sah sie zu Belial, die hoffentlich eine bessere Idee hatte. Die Fürstin überlegte einen Moment länger.
"Nun, als Dämon des Hochmuts wäre ein Spiegel etwas für ihn.", kam ein spöttischer Vorschlag und genervt verdrehte Catriona die Augen.
"Ihr nehmt das beide nicht ernst!", jammerte sie. Und auf ihre Hilfe hatte sie gehofft! Belial hob abwehrend die Hände.
"Schon gut, Süße. Ich würde ihm irgendein seltenes Artefakt schenken. Er sammelt diese Dinge doch, oder nicht? Ich hab das ein oder andere verfluchte Stück noch in meiner Obhut.", grinste sie schließlich und erst dachte Catriona, sie würde scherzen, doch der Vorschlag war ernst gemeint. Ihre Schulter sackten mutlos nach unten. Das half ihr alles nicht weiter.
"Ich werde nie ein Geschenk finden, was ihm gerecht wird.", stützte sie ihren Kopf schwer auf ihren Händen mit hörbarer Frustration.

"An Weihnachten geht es doch nicht um den Wert eines Geschenkes, Catriona." Ezekiel näherte sich ihnen mit der altbewährten Teekanne in der Hand. Baal lehnte dankend ab, während Belial und Catriona dankbar nickten. Zudem sah der Rotschopf zum Engel auf.
"Es geht um die Geste, ich weiß. Aber... ich weiß nicht, was ihn glücklich machen würde...", gab sie zu bedenken und der blonde Engel lächelte nur milde.
"Ich denke, Azrael würde sich über jedes Geschenk von dir freuen. Es spielt weniger die Rolle, was es ist, viel mehr von wem.", gab Ezekiel seine Weisheiten kund und Belial schnaubte.
"Wir sind Dämonen, natürlich interessiert es uns, was wir bekommen.", mischte sie sich ein.
"Ich muss Belial recht geben, wir sind nicht so barmherzig wie du, Ezekiel.", grinste Baal vielsagend und der Engel seufzte, sah aber wieder zu seiner Herrin.
"Du hast ihn doch eingeladen, mit dir die Zeit zu verbringen, nicht?" Erschrocken zuckte Catriona zusammen.
"Woher...?"
"Bitte, wir sind immer gut informiert.", lachte Ezekiel leicht, immerhin waren Informationen die Hauptquelle von HOPE's Macht. Belials Kopf fuhr zu ihr herum.
"Was, du feierst mit ihm Weihnachten?", wollte sie überrascht wissen.
"Und er hat ja gesagt?", hakte sie gleich weiter nach. Baal hingegen blieb weniger überrascht.
"Natürlich hat er das, er ist vernarrt in unsere Catja.", gab der Älteste nur zu verstehen und Belial schien es einzuleuchten.
"Stimmt auch wieder, es überrascht mich trotzdem, von jemandem wie ihm so etwas zu hören.", gab sie an Baal gewandt zurück, der jedoch nur abwank. Catriona sank dabei nur noch tiefer in die Couch, da Baal es für ihren Geschmack viel zu deutlich ausgesprochen hatte. Ihr armes Herz reagierte sofort darauf, was niemandem im Raum entging. Verfluchte übernatürliche Sinne!
"Catriona...", begann Ezekiel wieder und reichte ihr eine volle Tasse.
"Wie wäre es, wenn du einfach ein Geschenk auswählst, was du für Richtig hältst. Egal wie groß oder klein, du bist ein kreativer Kopf. Etwas wirst du sicherlich finden und am Ende ist es ohnehin die Zeit, die ihr gemeinsam verbringt, die Geschenk genug ist." Ezekiel konnte manchmal wirklich altklug sein, wenn er denn wollte. Catriona sah nachdenklich auf die rote, dampfende Flüssigkeit.
"Hey Baal...", fing sie dann langsam an. Der Fürst des Zorns wartete, dass sie fortfuhr.
"Wäre es... naja möglich, aus einem Aetherkristall... Eine Kette zu machen?" Baals Züge entglitten ihm etwas, als er verstand, worauf sie hinauswollte.
"Ein größeres Geschenk ist dir nicht eingefallen, oder?", gab Belial ihren Senf ungläubig dazu. Doch der Russe überlegte.
"Theoretisch ist es möglich. Mit einer besonderen Legierung nimmt niemand es direkt als Aether wahr, sonst hätte Azrael ein Problem von Aasgeiern um sich herum. Aber bist du sicher, dass du...."
"Ich bin sicher, Baal. Ich weiß, dass er damit keinen Unsinn anstellen wird.", kam es wie aus der Pistole geschossen zurück. Der Fürst sah das stumme Flehen in ihren Augen und ließ sich schließlich erweichen.
"Du liebst ihn sehr, mh?", meinte er nur nachgebend und Catriona nickte zaghaft, wich dabei aber seinen alten Augen aus.
"Sagt es nicht Midnight, der rastet aus, wenn er mitbekommt, dass ich ihm einen der Kristalle schenke.", sah sie etwas nervös in die Runde. Normalerweise hielten sie die Aether-Vorräte unter Verschluss, sollte niemand an sie herankommen. Diese Macht war verführerisch und auch wenn sie sich bei Azrael keine Gedanken machen mussten, so war der Schattenwandler vorsichtig und voreingenommen. Doch Catriona wollte Azrael dieses geschenk machen. Als Zeichen dafür, wie sehr sie ihm vertraute.
"Aber gleich einen Kristall? Es ist die höchste Konzentration von Aether, das ist weit mehr als ein königliches Geschenk.", gab Belial zweifelnd zu bedenken. Ihre blauen Augen bohrten sich in das Profil der Schottin, die jedoch nur nickte.
"Die Kristalle schimmern wie kleine Sterne...", gab Catriona ihren Grund zu. Immerhin war Azrael trotz allem noch ein Morningstar, was wäre denn passender, als ein strahlender Anhänger? Auch wenn sie noch ein zweites Geschenk vorbereiten würde, dass sie hier in der Runde jedoch nicht nannte. Sie würde sich an eine kleine Zeichnung setzen, eine von ihm, sofern sie es gut hinbekommen würde. Für Catriona war die Nachricht dahinter jedoch weitaus wichtiger. Sie wollte ihm zeigen, dass sie ihm bedingungslos vertraute. Dass er für sie das Wertvollste war, so wie es Aether für die Unsterblichen seit Urzeiten war.


Als sie aufsah, merkte sie, wie alle Augenpaare auf sie gerichtet waren. Teils amüsiert, teils aber auch besorgt.
"Ich hoffe, dass er den Brauch des Schenkens auch kennt, sonst mache ich ihm die Hölle heiß, wenn nur du dir Mühe gibst.", grinste Belial boshaft. Natürlich würde sie ihre Drohung nur zu gerne wahr machen. Baal lachte nur.
"Ich denke schon, dass er es weiß. Er kennt die menschlichen Feste besser als manche von uns. Ich mache dir diesen Anhänger, Catja. Wird etwas dauern, aber ich lasse es dich wissen, wenn er fertig ist.", versprach Baal ihr, da er der Einzige war, der Aether verarbeiten konnte. Früher hatte er es zu Zeiten des Krieges getan. Jetzt tat er es für ein Weihnachtsgeschenk. Eigentlich durchaus amüsant, wie viel sich verändert hatte. Glücklich grinste Catriona und nickte unendlich dankbar.
"Du bist der Beste!", rief sie euphorisch aus und klatschte in die Hände. Damit hätte sie ein wundervolles Geschenk!
"Danke für eure Hilfe! Ich werde aber auch gleich nach Hause, ich muss noch etwas vorbereiten!", rief Catriona aus und sprang bereits auf. Verdattert sahen die beiden Fürsten zu ihr.
"Wie jetzt?", brachte Belial hervor.
"Ich dachte wir trinken noch etwas!", beschwerte sich Baal, doch Catriona hörte die beiden schon gar nicht mehr. Der rothaarige Wirbelwind hatte sich schon ihre Jacke geschnappt und war aus dem warmen Raum verschwunden.


"So habe ich sie auch noch nicht erlebt.", gab Belial nach kurzem Schweigen zu und sah noch immer auf die Tür. Dennoch schlich sich ein warmes Lächeln auf ihre Lippen. Insgeheim freute sie sich für die Schottin. Ezekiel seufzte entzückt.
"Liebe ist etwas Wunderbares!", freute er sich schlichtweg. Belial schnaubte.
"Ihr Geschmack könnte besser sein. Ich hätte ihm das verfluchte Artefakt geschenkt...", meinte sie fast schon enttäuscht.
"Und ich ihm den besten russischen Vodka.", stimmte Baal der Herrin des Neids zu.
"Aber ihr könnt ihm doch selbst etwas zu Weihnachten schenken.", gab Ezekiel zu bedenken und beide Dämonen blickten zu ihm, als hätten sie bis eben noch gar nicht daran gedacht. Jetzt funkelte es schalkhaft in Belials und freudig in Baals Augen.
"Wunderbare Idee!", rief der Russe aus, und Belial lachte.
"Ob er sich freuen wird, ist eine andere Sache.", grinste die Seehexe hämisch. Damit stand fest, dass Catriona dieses Jahr wohl nicht die Einzige wäre, die Azrael beschenken würde. Ezekiel summte nur zufrieden eine weihnachtliche Melodie vor sich her, immerhin sah er es als Engel nur zu gerne, wenn sich auch Dämonen solcher festlicher Stimmung der Gaben und der Besinnlichkeit hingeben konnten.


[...]

Stunden waren vergangen und Catriona hatte den vertrauten Bleistift zur Hand genommen und zeichnete. Sie hatte ein gewisses Bild im Kopf, ein Porträt seiner menschlichen Hülle, doch dahinter sein wahres Gesicht, was sie mittlerweile schon ein paar Mal erblicken durfte. Angst hatte sie schon lange keine mehr, sie nahm ihn als das, was er war. Ob nun in Menschengestalt oder nicht, spielt für sie keine Rolle. Sie versuchte, es so detailverliebt wie möglich aufs Papier zu bringen und versank gänzlich in ihrer Arbeit. Endlich nutzte sie ihr Hobby wieder, um etwas Schönes zu schaffen, nicht um ihre Albträume auf Papier festzuhalten. Sie lächelte unentwegt und fantasierte bereits darüber, wie er wohl reagieren würde, wenn er sein Geschenk öffnete. Wahrscheinlich musste sie es gut verstecken, dass er es nicht schon am Heiligabend öffnete. Seine Neugier kannte manchmal keine Grenzen, erst recht, wenn er witterte, dass es etwas für ihn gab. Ein liebevolles Schmunzeln breitete sich auf ihren Lippen aus. Mittlerweile konnte sie ihre Gefühle eben wirklich nicht mehr leugnen oder herunterspielen. Auch wenn sie es ihm so deutlich noch nicht gesagt hatte, aber vielleicht würde sich die Gelegenheit ja bald ergeben.

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Catriona McLoid - 12. Dezember

von LuciferDaemonium am 13.12.2024 14:06

12. Dezember - Und täglich grüßt das Murmeltier

 

Der Dezember war wie jeder andere Monat des Jahres. Die Morningstar Inc. machte keinen Unterschied, welche Jahreszeit oder gar Festlichkeiten stattfanden. Um sich den menschlichen Gegebenheiten etwas anzupassen war die Firma zwar über die Feiertage geschlossen, doch danach ging es direkt weiter und je mehr Catriona in den Kalender sah, desto weniger Lust hatte sie auf die kommenden Termine und Veranstaltungen irgendwelcher Wirtschaftsbällen und ähnlichem. Ihr wäre der Weihnachtsstress normaler Menschen tatsächlich lieber. Die Hektik, alle Geschenke zu verpacken, das Planen des Familienfestes. All das wäre ihr hundertmal lieber als die stumpfe Arbeit Tagein und Tagaus. Aber dieses Jahr war es etwas anders. Hatte sie in den letzten Jahren absolut kein Hochgefühl in der Weihnachtszeit verspürt, da diese nur kalt und grau war unter Lucifers Führung, so haben sich die Dinge jetzt geändert. Azrael hatte es nicht nur geschafft, dass die Schottin seit langem mal wieder in Weihnachtsstimmung war, er schien den kleinen Aktivitäten ebenso wenig abgeneigt zu sein. Ob Schmücken, Weihnachtsmarkt oder selbst das vorgestrige Skifahren, er schien es selbst zu genießen, mal mehr als den stumpfen Papierkram zu sehen. Die Arbeit ertrug sich so um einiges leichter, für sie beide. Und sie würde ebenso die Feiertage planen müssen, wenn sie diese mit ihm verbringen wollte. Ebenso hatte sich bereits die Entscheidung in ihr manifestiert, ihm ein Geschenk machen zu wollen.


Catriona sah auf ihren Bildschirm und seufzte, als sie schon wieder eine Anfrage für ein Meeting sah, dass direkt am 27. Dezember für frühs angefragt wurde. Wer zur Hölle machte sich die Mühe, nach den Feiertagen kurz vor dem Wochenende noch irgendwelche Verträge zu besprechen? Murrend nahm sie einen Schluck Kaffee, ehe sie sich erhob und bei Azrael anklopfte. Er rief sie wie gewöhnlich schon vorher hinein und sah von einigen Dokumenten auf, über die er gerade gebrütet hatte.
"Der Nächste, der gleich am 27. einen Termin will...", meinte sie wenig begeistert. Azrael legte den Stift zur Seite und zog leicht die Brauen zusammen.
"Wer?", fragte er einsilbig.
"Global Investments, wahrscheinlich wollen sie die neuen Aktienwerte besprechen..." Azrael überlegte einen langen Moment, ehe er seinen Blick wieder auf die Papiere senkte.
"Sag es ab und vereinbare einen Termin im neuen Jahr. Wir sind bis zum 6. Januar nicht hier.", ließ er sie wissen und jetzt ruckte ihr Blick überrascht zu ihm.
"Wie meinst du das?", fragte sie verblüfft nach.
"Wie ich es gesagt habe. Wir sind bis zum 6. Januar nicht in der Firma, demnach verschieben wir alle Termine bis dahin.", wiederholte Azrael ruhig und jetzt verstand Catriona sichtlich nichts mehr. Das war neu. Für Gewöhnlich waren es nur die Weihnachtstage, an denen die Firma zwangsweise geschlossen hatte. Aber nicht über die Feiertage bis zum neuen Jahr.
"Haben wir auswärtige Termine nach Weihnachten?", wollte sie neugierig wissen und kam ein paar Schritte näher. Azrael hielt seinen Kopf gesenkt, offenbar war der Vertrag einer der Wichtigeren - demnach dämonischen Ursprungs.
"Nein.", antwortete er abermals einsilbig und misstrauisch geworden legte sie ihren Kopf schief und musterte ihn eingehend. Irgendwas war hier faul, aber sie konnte nicht sagen, was es war.
"Aber warum...?", wollte sie zu fragen beginnen, als ihr Boss seufzte und nochmals aufblickte.
"Weil ich an den Tagen verhindert bin und du Urlaub dringend nötig hast, Catriona. Nimm es einfach als solches hin." Es war ein Befehl, wenngleich auch mild ausgesprochen und stumm nickte die Schottin nur. Weiter nachbohren schien absolut nicht erwünscht und irgendwie hinterließ es ein flaues Gefühl. Normalerweise sprachen sie offen miteinander, aber sie würde es akzeptieren müssen.
"Verstanden...", kam es ihr etwas fragend über die Lippen. Azrael nickte, ignorierte ihren Unterton und machte weiter. Ein Zeichen, dass sie gehen sollte. Catriona zog sich aus seinem Büro zurück und starrte die nächsten fünf Minuten nur nachdenklich vor sich hin. Sicher, sie freute sich über die freien Tage. Bei Gott, sie hatte das letzte Mal vor knappen vier Jahren Urlaub gemacht. Aber das ungute Gefühl, dass etwas nicht stimmte, blieb bestehen, weshalb sich ihre Freude in Grenzen hielt. Sie wusste tatsächlich nicht, was sie mit der Zeit anfangen sollte. Zu sehr war sie es gewohnt, immer zu arbeiten oder sich um HOPE zu kümmern. Und wenn Azrael nicht da wäre, weil er was auch immer vorhatte.... Catriona fühlte sich plötzlich eine Spur einsamer, obwohl es bis dahin noch Zeit war. Irgendwie hatte sie sich daran gewöhnt, mit ihm auch nach der Arbeit Zeit zu verbringen oder gar am Wochenende. Die letzten zwei Wochen waren der beste Beweis dafür, dass sie es mehr als nur genoss. Auch die kommenden Feiertage, die sie hoffentlich noch mit ihm verbringen konnte, waren ihr Lichtblick in dem alltäglichen Wahnsinn aus Zahlen und Buchstaben. Blieb nur zu hoffen, dass der Höllenherrscher es sich nicht doch anders überlegte. Das war irgendwie die größte Angst der Schottin... und ihr war durchaus bewusst, warum dem so war. Ihre grauen Augen huschten zu der geschlossenen Tür mit den goldenen Lettern seines Nachnamens. Gestern war noch alles gut. Vielleicht dachte sie zu viel nach, immerhin hatte der Dunkelhaarige mehr als genug zu tun und vielleicht einfach keinen Nerv, sich lange zu erklären.


Entschieden schüttelte sie den Kopf und machte sich daran, die Termine mit neuer Zeit zu vereinbaren und andere zu verschieben, wie Azrael es gewünscht hatte. Die Arbeit häufte sich durch ihre vermehrten Ausflüge zu diversen Fürsten und auch auf ihrem Schreibtisch stapelten sich die Unterlagen, ebenso in ihrem Mail-Postfach. Seufzend ließ sie das Genick kreisen.
"Und täglich grüßt das Murmeltier.", flüsterte sie sich resigniert zu, ehe sie mit der Arbeit fortfuhr, die sie bis zu den Abendstunden festhielt. Leider im Wissen, dass die nächsten Tage nicht anders werden würden und bei HOPE wartete auch noch genügend Arbeit auf sie.

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Catriona McLoid - 11. Dezember

von LuciferDaemonium am 12.12.2024 20:06

11. Dezember - Nollaig Chridheil

 

Gedankenverloren starrte Catriona aus dem Fenster und blickte auf die Wolkendecke unter dem Flugzeug. Strahlend blauer Himmel begrüßte sie, während es unter ihnen zweifellos schneien musste. Es war bereits früher Vormittag und sie flogen nun schon seit ein paar Stunden. In den frühen Morgenstunden waren sie aufgebrochen, natürlich ganz ohne Verabschiedung von Asmodaeus, dem diese unchristlichen Zeiten absolut nichts waren. Aber so wären Azrael und Catriona nicht allzu spät wieder in London, immerhin flogen sie fast elf Stunden. Die ersten Stunden hatte die Schottin genutzt, um selbst noch etwas zu schlafen, doch jetzt war sie wach und ihr stand auch nicht der Sinn danach, jetzt schon auf ihren Laptop zu schauen, welche E-Mails eingetrudelt waren während ihrer Abwesenheit. Lieber genoss sie den Anblick und lehnte sich entspannt zurück. Mit einem Privatflugzeug zu reisen, war schon ein unheimlicher Luxus. Mittlerweile konnte sie sich nicht mehr vorstellen, in der Economy zu reisen. Dafür war sie vielleicht ein wenig zu verwöhnt durch die gehobenen Standards ihres Bosses und der Firma als solches.

"Ausgeschlafen?", wollte Azrael schmunzelnd wissen, der ihr gegenüber saß. Catriona lächelte flüchtig und nickte.
"Manchmal beneide ich dich dafür, dass du nicht schlafen musst.", gab sie offen zu und der Dämon schnaubte.
"Es würde dir nur die ersten paar Wochen gefallen, glaub mir. Die Langeweile, die irgendwann einsetzt, kann eine Last sein.", kam es ehrlich über seine Lippen und verstehend verzog sie leicht das Gesicht.
"Unsterblichkeit ist manchmal ein Fluch, mh?", meinte sie etwas einfühlsamer. Azrael schien kurz zu überlegen, zuckte dann jedoch mit den Schultern.
"Für manche von uns schon, für andere nicht. Wenn man sich zu beschäftigen weiß, ist es gar nicht so schlecht.", grinste er vielsagend in ihre Richtung und Catriona schnaubte belustigt.
"Ich hab mir vorher nie wirklich Gedanken über die Zeit gemacht. Aber bei uns Menschen rennt sie förmlich durch unsere Finger und es gibt dutzende Dinge, die man nie erleben oder sehen kann, weil man sich im Alltag festsetzt.", seufzte sie mit einem nachdenklichen Blick nach draußen.
"Gibt es denn etwas, was du sehen oder tun willst?", hakte Azrael tatsächlich interessiert nach. Catriona dachte kurz nach. Eine schwierige Frage.
"Hm... Ich glaube, einige Dinge gibt es sicher, die ich gerne erleben oder mitmachen würde. Reisen kann ich dank der Arbeit ja genug, daher habe ich nicht unbedingt den Drang, die Welt zu sehen - das tue ich schon. Ich war aber zum Beispiel noch nie in Japan, würde auch gerne mal in die skandinavischen Länder zur Winterzeit. Und das Totenfest in Mexiko würde ich gerne mal erleben, ich habe es bis jetzt nur im Fernseher gesehen.", fielen ihr ein paar Dinge ein.
"Wenn ich länger nachdenke, kommen sicher noch hundert Sachen, die ich gerne mal tun oder probieren würde. Ich möchte irgendwann auch mal die Unterwelt sehen, vielleicht sogar den Himmel.", gab sie grinsend zu und jetzt war es an ihr, die schmalen Schultern zu heben.
"Was willst du im Himmel? Da ist es öde.", kam es wenig begeistert von seiner Seite.
"Und ob die Hölle einen Besuch wert ist, wage ich zu bezweifeln. Versteh' mich nicht falsch, ich weiß, dass du viel abkannst. Aber die Unterwelt ist... nochmal etwas ganz anderes.", seufzte er abwägend. Catriona musterte ihn und ein kleines Lächeln legte sich auf ihren Zügen fest, als sie die versteckte Sorge hinter seinen Aussagen erkannte. Deutlich gesagt wollte er ihr den Anblick nicht antun. Das wusste sie, doch sie schwieg und nahm es stumm dankbar zur Kenntnis.
"Dann vielleicht irgendwann deine Dimension?", grinste sie frech und Azrael blinzelte kurz überrascht, ehe er sogar überlegte.
"Das wäre möglich... Ich habe aber vielleicht etwas...viel gesammelt.", gab er langsam zu, doch er lehnte es nicht direkt ab, was die Schottin dann doch überraschte.

Es herrschte ein kleines Schweigen, während Catriona sich tatsächlich Gedanken machte, was sie gerne tun würde. Was sie vor ein paar Jahren unbedingt als Erlebnisziele gesetzt hatte, bevor sie in die übernatürliche Welt gezogen wurde. Azrael musterte sie in der Zwischenzeit mit nachdenklicher Miene, überschlug die Beine und ein wenig fragend legte Catriona den Kopf schief.
"Wenn du die Wahl hättest, wo würdest du Weihnachten feiern wollen? Ganz egal wie weit weg, nenn mir einen Ort.", fragte er schließlich und überrascht als auch flüchtig überfragt starrte die Rothaarige ihn an. Schließlich tippte sie nachdenklich gegen ihre Lippe und sah aus dem Fenster. Egal wo also... Ihre grauen Augen huschten über das strahlende Weiß der Wolken. Die Antwort war für sie dabei deutlich, aber sie wusste nicht, ob sie es wirklich sagen sollte. Aber der Schwarzhaarige schien es wissen zu wollen, er wartete diesmal sogar geduldig auf eine Antwort, wo er doch gern zum Gegenteil neigte.
"Zu Hause... in Schottland.", kam es schließlich über ihre Lippen und überrascht verzog Azrael das Gesicht. Doch er schwieg und bedeutete ihr, fortzufahren.
"Ich weiß, es ist langweilig... Aber ich mochte das Weihnachtsfest in Schottland. Es ist dem britischen im Grunde sehr ähnlich, am 25. wird sich beschenkt und man feiert mit der Familie zusammen Nollaig Chridheil. Mein Onkel und mein Dad haben immer ganz klassisch auf dem Dudelsack gespielt und für feierliche Stimmung gesorgt. Meine Mom und Granny standen schon am 24. stundenlang in der Küche. Und abends gab es immer jede Menge Whisky und Met am großen Feuer und dutzende Geschichten der Familie, die jedes Jahr wieder und wieder erzählt wurden." Ein warmer Schimmer begann in ihren Augen zu funkeln und sie musste unweigerlich lächeln.
"Es ist nichts Großes, auch nicht mit irgendwelchen Großstädten zu vergleichen, aber... das brauche ich nicht. Wenn ich mir einen Ort aussuchen müsste, dann wäre es nahe Aberdeen, wo ich herkomme." Fast konnte sie die Musik und das Gelächter hören. Ihren Athair, wie er zum dritten Mal dieselbe Geschichte mit exakt dem gleichen Wortlaut erzählte, wenn er etwas zu viel Whisky getrunken hatte. Ihre Mutter, wenn sie sanft einige Weihnachtslieder mit ihr und Kilian gesungen hatte. Catriona vermisste es.
"Aber dieses Jahr könnten wir ja in London zusammen feiern, wenn du möchtest.", rutschte es ihr schließlich unbedacht über die Lippen und zu spät bemerkte sie ihre doch sehr eindeutige Einladung.
"A-Also ich weiß, du feierst kein Weihnachten, aber die Firma hat ohnehin geschlossen und...also, nur wenn...", begann sie zu haspeln und sah fast schon erschrocken über sich selbst zu Azrael, der ebenso überrascht wirkte, sich jedoch besser im Griff hatte als sie. Ein seltenes, ernst gemeintes Lächeln huschte über seine Lippen.
"Es wäre eine Verschwendung, es nicht zu tun, wenn ich mir schon mit deiner Wohnung solche Mühe gegeben habe.", unterbrach er ihr Gestammel. Catriona nickte eifrig, froh, dass er sie aus dieser Grube gezogen hatte.
"Ich könnte uns auch was Kleines kochen, auch wenn ich nicht besonders gut darin bin. Aber zur Not bestellen wir was.", lachte sie etwas nervös. Die Freude, die sich in ihr ausbreitete, sorgte schnell dafür, dass ihr warm ums Herz wurde. Sie wäre dieses Jahr nicht alleine... Und trotzdem war es etwas völlig anderes, Weihnachten mit Azrael zu verbringen.
"Du kannst nochmal dein Früchtebrot machen.", schmunzelte Azrael, dem es diesmal an Schalk fehlte. Catriona stimmte nur zu gerne zu, das konnte sie immerhin, und tippte sich schnell eine Erinnerung in ihren Kalender ein.

Dabei entging ihr das fast schon kryptische Lächeln auf des Dämons Zügen und das verräterische Funkeln seiner bernsteinfarbenen Augen. Ihm war eine Idee gekommen, doch davon bekam der Rotschopf nichts mit. Azrael brachte seine Miene auch zu schnell wieder unter Kontrolle, sodass sie nicht einmal die Chance hatte, etwas davon aufzuschnappen.
Das vorfreudige Grinsen auf ihren Lippen konnte sie dafür nicht verstecken, jeder Blinde konnte wohl sehen, dass es ihr mehr zu bedeuten schien, als sie zugeben wollte. Dieses Jahr würde perfekt werden, das wusste Cat einfach.

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CatrionaMcLoid - 10. Dezember

von LuciferDaemonium am 11.12.2024 20:06

10. Dezember - Let it snow

 

"Ich mach das nicht..." Catriona schüttelte wild den Kopf, dick eingepackt in ihren Wintersachen. Fast schon ängstlich sah sie zu dem Berg, den begeisterte Skifahrer hinunter sausten. Er war nicht sonderlich hoch, aber hoch genug für sie. Die Abfahrt war leicht steil und durch die rege Benutzung war das sonst so flockige weiß zu einer festen Schicht geworden. Ihr wurde schon flau vom Zusehen, wie schnell die anderen werden konnten. Elegant sah es aus, keine Frage. Aber bei ihrem nicht vorhandenen Talent würde sie entweder mit dem Hintern oder mit ihrem Kopf voran über die Schneedecke fliegen. Ihr Talent beim Skifahren war genauso groß wie beim Eislaufen - Tendenz gegen null. Und nun hatte sie wirklich diese Dinger unter ihren Füßen. Laufen ging, das hatte sie die letzte halbe Stunde gemacht, um sich an das schwere Gefühl an ihren Füßen zu gewöhnen. Und um den Dämon zu belustigen, der sie weiß Gott wie dazu überreden konnte, bei dem Unsinn mitzumachen. Eigentlich waren sie nicht für einen Skiurlaub in Kanada. Azrael hatte geschäftig mit Asmodaeus ein paar Dinge zu klären gehabt, aber dieser hatte viel mehr einfach alles durchgewunken, was der Höllenherrscher von ihm wollte. Der Herr der Trägheit war wohl umgänglicher als alle anderen Todsünden. Was aber mehr daran lag, dass er keine Lust auf irgendwelchen Stress hatte und sein einfaches und entspanntes Leben vorzog, als sich lange Verträge und Vorträge anzutun. Theoretisch hätten sie direkt danach wieder nach Hause gekonnt, aber offenbar schien Asmodaeus am Abend doch etwas Gesellschaft zu wünschen, wenn Azrael schon einmal in seinem Reich war. Aber zur Mittagszeit war der Fürst schläfrig geworden. Catriona verstand nicht, wie man wirklich derart träge sein konnte. Gefühlt tat Asmodaeus nichts anderes als schlafen, liegen und in den Träumen seiner Opfer herumstochern. Wie er es schaffte, eine doch sehr erfolgreiche Hotelkette zu führen, war ihr noch immer ein Rätsel. Wohl aber, weil andere die Arbeit erledigten.

Leider waren sie nicht in eben jener warmen Hotelanlage geblieben. Natürlich war Azrael rastlos und dachte gar nicht erst daran, die nächsten sechs oder sieben Stunden im warmen Hotel Däumchen zu drehen. Und kaum hatte er den Flyer von Whistler Blackcomb gefunden, eine große Skipiste nicht einmal eine halbe Stunde entfernt, war er auch schon nicht mehr aufzuhalten. Und wer litt darunter? Exakt... Sie! Auf ihren Protest hatte er erst gar nicht gehört, auch auf ihre Bemerkung, dass sie weder Skifahren noch Snowboarden konnte. Der Höllenherrscher hatte abgewunken und gemeint, er bringe es ihr schon bei. Und jetzt stand sie hier. Berge umgaben sie, hier und da stachen die dunklen Kiefern aus der hellen Masse hervor, die sich über die Gipfel gelegt hatte. Es war eisig kalt und die Schottin wusste, dass sie danach definitiv Asmodaeus' Wellnessoase bis zum bitteren Ende ausnutzen würde. Sie schluckte leicht, als jemand gekonnt über die Piste hinabfuhr, dabei eine ordentliche Geschwindigkeit aufnahm, die ihr den Magen umdrehte.
"Jetzt schau nicht so, dir wird schon nichts passieren.", drang Azraels Stimme zu ihr durch und Catriona sah zweifelnd über die Schulter. Er hatte gut reden, er konnte das wahrscheinlich genauso gut. Ihr Herz klopfte für den Dämon hörbar bis zum Hals und er grinste nur.
"Manchmal ergibst du wirklich keinen Sinn. Du legst dich mit Erzdämonen und -engeln furchtlos an, aber vor Schnee und Eis erzitterst du. Ich suche immer noch nach deiner Logik.", ließ er es sich natürlich nicht nehmen, sie zu ärgern. Wobei es wohl nur zur Hälfte ein Scherz war. Catriona warf ihm einen giftigen Blick zu.
"Ich wage zu behaupten, dass ich das eine kontrollieren kann. Das andere nicht...", schnappte sie auch gleich zurück und erntete nur ein spöttisches Lachen.
"Kontrollieren? Darum geht es dir hier?", wollte er wissen und ungewollt verzog Catriona das Gesicht.
"Du musst auch mal loslassen und einfach Spaß haben. Nicht alles lässt sich durchplanen und kontrollieren, weißt du?", kam es fast schon versönlich von ihm. Wenig überzeugt vergrub Cat ihren Kopf tiefer in ihren Schal und schielte wieder zur Abfahrt. Loszulassen fiel ihr merklich schwer und der Dämon seufzte nur.
"Du musst versuchen, das Gleichgewicht zu halten. Nicht zu weit nach vorne oder zurückbeugen. Verteile das Gewicht auf den Skiern so, dass du mit dem Fuß fest auf diesen stehst. Nicht auf der Ferse und nicht auf den Zehenspitzen.", begann er ihr sogar ernsthaft zu erklären und Catriona schaute es sich bei ihm ab und kopierte seine Haltung.
"Die Arme für dich am besten nach vorne, vor den Oberkörper." Catriona nickte, noch immer merklich nervös. Trotzdem gab sie sich Mühe, es richtig zu machen. Doch der Blick von Azrael sprach Bände.
"Du sollst nicht verkrampfen. Je mehr du dich auf die richtige Haltung konzentrierst, desto eher vermasselst du es.", tadelte er sie schnalzend und die Schottin schnaubte trotzig.
"Leichter gesagt als getan.", murrte sie.
"Versuch dich zu entspannen.", legte Azrael ihr eine Hand in den Rücken und diesmal lag sogar fast etwas beruhigendes in seinem Blick. Catriona sah kurz in die ihr vertrauten Bernsteine, ehe sie ihre eigenen Augen schloss und durchatmete. Er hatte ja recht, sie war viel zu verkopft bei der Sache.
"Wenn ich hinfalle ist es deine Schuld!", grinste sie schließlich und Azrael schüttelte unschuldig anmutend den Kopf.
"Für Unfähigkeit hafte ich nicht."
"Du weißt, dass ich den Rest des Tages die Sauna und Wellness im Hotel nutzen werde, oder? Asmodaeus verschläft das Abendessen eh.", schmunzelte sie leicht in Vorfreude auf die warme Anlage des großen Resorts.
"War das eine Einladung?", wollte ihr infernaler Boss wissen und Catriona grinste ihm dreist ins Gesicht.
"Nur wenn ich nicht falle~", flötete sie scherzhaft, doch da schien sie jemand beim Wort zu nehmen und das tückische Lächeln gefiel ihr kein Stück. Unbemerkt hatte sich die Schottin tatsächlich entspannt und des Teufels Sohn nutzte dies eiskalt aus, verstärkte den Druck seiner Hand in ihrem Rücken und er stieß sie plötzlich die Piste hinab. Sie hörte nur noch sein Lachen, als sie erschrocken aufschrie, doch folgte er ihr gleich. Am Anfang war es viel zu wackelig und sie hatte Probleme, die Balance zu halten, doch zwang sich der Rotschopf dazu, ihre Haltung wieder zu richten. Sie konnte den zufriedenen Blick Azraels bereits spüren, der lässig an ihr vorbeizog, als sie sich gefangen hatte. Mistkerl! Eine Vorwarnung wäre schön gewesen! Das würde er ihr später definitiv büßen!

Catriona musste zugeben, dass es sich sogar ziemlich gut anfühlte. Der eisige Wind im Gesicht, das Knirschen des Schnees unter den Skiern und das Adrenalin der Geschwindigkeit in ihren Adern. Auch wenn sie anfangs absolut nicht begeistert war, so hatte sich ein Lächeln auf ihren Wangen festgesetzt. Gegen ein kleines Abenteuer hatte sie nie etwas einzuwenden, ganz im Gegenteil. Aber vielleicht überschätzte sie sich ein wenig, was ihre Schnelligkeit anging. Sie ignorierte die Warnung, die durch das Rauschen an ihre Ohren drang.
Zumindest solange, bis ihr einfiel, dass sie gar nicht wusste, wie man bremste. Als sie es versuchte und natürlich den Fehler machte, und sich dabei zurücklehnte, geschah, was geschehen musste. Zu weit, sie verlor das Gleichgewicht und rauschte direkt in die Schneewehe vor ihr, wegen der sie eigentlich hat bremsen wollen. Das nächste, was sie spürte, war der kalte Schnee auf ihren Wangen, ein wenig war sogar in ihren Nacken gefallen und sorgte für eine unangenehme Gänsehaut, als er schmolz. Sie streckte ihren Kopf aus dem Pulverschnee heraus und blinzelte, um ein paar Flöckchen von ihren Wimpern zu vertreiben. Ihre Skistöcke lagen glücklicherweise in der Nähe, ebenso ihre Mütze, die ihr vom Kopf geflogen war. Azrael schien das Schauspiel mitbekommen zu haben und erst meinte sie, etwas wie Sorge zu sehen, ehe er wohl realisierte, wie sie da aus dem Schnee zu ihm schaute. Catriona wusste nicht, wann sie Azrael mal so hat lachen sehen, aber er schien sich nicht kontrollieren zu können und brach in schallendes Gelächter aus. Sie brauchte einen Moment um zu verstehen, was eben passiert war. Aber er schien sich köstlich zu amüsieren, sie musste wohl ein herrlich dämliches Bild abgeben.

"Hoppla, den Part hatte ich vergessen.", lachte er noch immer, besaß aber die Güte, ihr die Hand zu reichen und ihr aufzuhelfen. Der Schnee haftete an ihren Sachen und hing sogar in ihren geflochtenen Haaren. Catriona selbst wusste nicht, ob sie wütend oder belustigt sein sollte. Sonderlich wehgetan hatte es glücklicherweise nicht, sie war weich gelandet. Und sein Lachen war leider zu ansteckend. Trotzdem holte sie - nicht wirklich schmerzhaft - mit dem Skistock nach ihm aus und stieß ihn gegen sein Bein.
"Idiot!" Doch ihre Mundwinkel zuckten bereits im Versuch, nicht selbst laut loszulachen. Azrael klopfte etwas Schnee von ihrem Haarschopf und schien zu versuchen, sich ein wenig unter Kontrolle zu bekommen, doch es wollte ihm nicht wirklich gelingen. Sein Körper vibrierte noch immer vom Lachen.
"Die Landung war eine zehn von zehn, das muss ich dir lassen.", prustete er auch schon wieder los. Jetzt musste sie doch lachen und sammelte ihre Mütze auf.
"Das will ich auch meinen, ich hab mir viel Mühe gegeben.", stieg sie in den Spaß mit ein und richtete halbwegs ihre nunmehr feuchten Haare. Witzig war es allemal.
"Schaffst du den Rest der Strecke noch?", wollte er wissen, nachdem sie sich beide halbwegs wieder beruhigt hatten. Catriona sah prüfend zur Strecke.
"Wenn du mir verrätst, wie ich einen weiteren Freiflug vermeide.", klopfte sie sich etwas ab. 
"Schade. Ich hätte ein Video machen sollen, also keine Wiederholung?" Wieder zuckten seine Mundwinkel, bevor er ihr das Wichtigste noch erklärte und sie die restliche Strecke ohne Unfall zurücklegten.


Das Aufwärmen im Hotel war für Catriona danach aber bitter notwendig. In der Zwischenzeit hörte sich Asmodaeus nur zu gerne ihre Glanzleistung an und schien tatsächlich mal etwas wacher als gewöhnlich zu sein, während er hämisch grinste. Er war wach genug, dass der Abend mit Spitzen und Sprüchen auf ihre meisterhafte Landung erfüllt war, doch Catriona war selbst ganz vorne mit dabei. Es ging auf ihre Kosten aber scheiß drauf, dafür hatte sie definitiv Spaß gehabt!

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Catriona McLoid - 9. Dezember

von LuciferDaemonium am 10.12.2024 10:51

9. Dezember - Whisky Fruit Loaf

 

Catriona rieb sich eine wirre Strähne aus dem Gesicht, die sich aus dem lockeren Pferdeschwanz gelöst hatte. Zufrieden sah sie auf das noch warme Werk hinunter und grinste glücklich. Zugegeben war sie keine Frau, die wirklich viel Zeit in der Küche verbrachte - noch weniger war sie eine Bäckerin. Dafür hatte ihr all die Jahre die Zeit und die Muse gefehlt und mittlerweile war sie durch ihr fürstliches Gehalt etwas von Restaurants oder Lieferdiensten verwöhnt. Aber mal ehrlich, wer für den Herrscher der Hölle arbeitete, hatte andere Sorgen als noch nach der Arbeit am Herd zu stehen. Und trotzdem war sie auf die wortwörtliche Schnapsidee gekommen, sich an ein altes Familienrezept zu wagen. Sie hatte oft genug ihrer Mutter dabei geholfen, auch wenn sie als Kind nichts davon essen durfte, weil des Schottens liebster Tropfen seinen Weg in das Gebäck fand. Whisky. Und wie ihr Dad es mochte, nicht gerade wenig. Catriona hatte sich aber bei ihrer Kreation zurückgehalten. Die Nostalgie der ganzen letzten Tage färbte langsam merklich auf die sonst so gefasste Sekretärin ab. Sie war emotionaler, wollte sich den schönen Zeiten ihrer Vergangenheit und der Gegenwart hingeben, mal ohne an die politischen Beschaffenheiten aller Dimensionen zu denken. Und warum auch immer schien Azrael dies mehr und mehr zu verstärken, indem er sich selbst mit rein hing, Fragen zu ihrer Familie stellte. Fast schon als wöllte er sie dezent in diese Richtung lenken. Aber ganz egal, was seine Gründe waren, die Schottin wehrte sich nicht dagegen. Sie genoss es vielleicht eine Spur zu sehr, aber scheiß drauf - dafür war Weihnachten doch da!
Dennoch zögerte sie und sah selbstkritisch auf das Früchtebrot hinunter, das sie gebacken hatte. Es sah gut aus, hatte die dunkle Farbe, wie sie es kannte. Und der Duft nach den weihnachtlichen und fruchtigen Gewürzen erfüllte ihre ganze Küche.
Was um alles in der Welt hatte sie sich dabei nur gedacht? Ein Whisky Früchtebrot war ein klassisches Gericht aus ihrer Heimat und in ihrer Familie hatte es dies immer in der Vorweihnachtszeit gegeben. Neben dem herrlichen Buttergebäck. Aber warum hatte sie in Herrgottsfrühe den Entschluss gefasst, eins zu machen? Fuck, sie war sogar extra noch einkaufen gewesen dafür! Ein Segen, diese kleinen Läden, die so früh öffneten. Und jetzt stand sie unschlüssig in der Küche und wusste nicht einmal, warum sie sich vor der Arbeit diese Mühe gemacht wollte. Ganz bestimmt nicht, um es mitzunehmen und mit einem gewissen Dämon zu teilen, der ihr gestern den Wunsch erfüllt hatte, und den ganzen Tag mit ihr dieses verdammte Brettspiel gespielt hatte...
"Ich hab den Verstand verloren.", murmelte Cat zu sich selbst und bedeckte kurz ihr Gesicht mit beiden Händen, sah zwischen ihren Fingern wieder zu ihrer kleinen Kreation. Eigentlich war es ziemlich gut geworden... Wäre es seltsam, wenn sie damit im Büro auftauchte? Würde er darüber lachen? Was, wenn es nicht schmeckte? Prüfend brach sie eine kleine Ecke ab und kostete. Fast sofort kamen die Erinnerungen hoch. Okay, es war so, wie sie es sich erhofft hatte. Nicht so gut wie das ihrer Mom, aber es ließ sich sehen. An ihre Mom kam sie ohnehin nicht heran, die Frau war eine Göttin in der Küche. Ein Talent, dass Catriona leider nie geerbt hat. Was man an der durchaus wüst aussehenden Küche sehen konnte. Und an ihr. Hier und da hatte sich Mehl auf ihrer Kleidung verteilt und seufzend klopfte sie sich ab. Sie verschwand rasch im Bad, eigentlich in der festen Überzeugung, das Früchtebrot einfach für sich selbst liegen zu lassen, dass sie etwas zum Naschen hätte, wenn sie von der Arbeit käme.


...

Irgendwie landete es am Ende doch in ihrer Tasche. Und obwohl sie in ihrem Leben schon verdammt viele Hürden überwunden hatte, so war sie jetzt so nervös wie noch nie, als sie in der obersten Etage des Glastowers ankam. Azrael war bereits da und sie roch bereits den Kaffee. Er schien auf sie gewartet zu haben und wandte ihr den Kopf zu, was ihre Nervosität nur noch schlimmer machte. Fast schon unsicher drückte sie ihre Tasche näher an ihre Seite, als sie sich mit einem kurzen "Guten Morgen." an ihm vorbeischleichen wollte. Leider hatte sie vergessen, dass Dämonen menschliche Herzen und Emotionen nur zu gut wahrnehmen konnten. Es entging ihm keine Sekunde und der fragende Blick in ihrem Rücken brannte förmlich. Atmen, sie musste atmen und einfach so tun, als wäre ni...-
"Ist alles okay?" Fuck, sie musste wirklich seltsam wirken auf ihn, wenn er sogar nachfragte.
"J-Ja klar, warum auch nicht? Ist der Kaffee schon fertig?", entkam es ihr eine Spur zu fröhlich als sie sich zu ihm umdrehte. Azraels Züge wurden eine Spur dunkler und er kam näher. Gar nicht gut...
"Catriona..." Sie hielt den Atem an.
"Du weißt, dass ich es nicht leiden kann, wenn man versucht, mich anzulügen.", kam es warnend von ihm. Womöglich dachte er sonst was gerade. In ihren Positionen leider nicht verwerflich.
"Also? Was ist los?", fragte er erneut mit ruhiger, verdammt ruhiger Stimme. Catriona wich seinem stechenden Blick aus, was ihrem infernalen Boss nicht zu gefallen schien. Seine Finger legten sich unter ihr Kinn und zwangen ihren Kopf wieder in seine Richtung, als er jedoch plötzlich innehielt und irritiert seine Hand wieder zurückzog. An seinen Fingerspitzen hing noch etwas Mehl, dass sie wohl übersehen haben musste. In dem Moment schoss ihr die Schamesröte in die Wange.
"D-Das... ich..." Die sonst so schlagfertige Schottin brachte kein vernünftiges Wort heraus, während Azrael mehr als verwirrt zu ihr sah. Das war nicht typisch für sie, ganz und gar nicht. Sie presste die Lippen zusammen und verfluchte sich selbst im Stummen.
"Ich... habe gebacken vor der Arbeit.", platzte es fast schon rechtfertigend aus ihr heraus. Azrael verstand sichtlich noch immer kein Wort.
"Okay...?", kam es fragend von ihm, mit der deutlichen Aufforderung, ihm zu sagen, was sie damit andeuten wollte. Nervös nestelte sie an dem Verschluss ihrer Tasche herum. Bis sie schließlich das Früchtebrot, dass sie in Folie eingewickelt hatte, herausnahm und ihm einfach in die Hände drückte.
"Für dich. Ist Whisky drinnen..." Und damit huschte sie auch schon an ihm vorbei, um sich der Peinlichkeit zu entziehen und flüchtete auf die Terrasse. Draußen erst wurde ihr klar, dass sie ihm zum einen nicht entkommen konnte und zum anderen ihr Kaffee noch drinnen stand. Aber sie hatte tatsächlich Angst vor seiner Reaktion. Und Catriona hatte ihm bislang noch nie ein Geschenk gemacht. Zählte das schon als Geschenk? Eigentlich wollte sie davon ebenso naschen, warum zur Hölle hatte sie es ihm gegeben? Sie wusste es nicht und war über sich selbst wohl genauso verwirrt wie der Dämon, den sie einfach überrascht hat stehen lassen. Das war eine bescheuerte Idee... Eine ganz bescheuerte... Sie lunzte über ihre Schulter, versuchte zu erspähen, was Azrael machte. Aber er war nicht zu sehen. War er in sein Büro gegangen? Ein wenig enttäuscht blinzelte sie, wusste aber nicht, was sie sich erhofft hatte.

Im nächsten Moment musste sie jedoch einen erschrockenen Schrei unterdrücken, als plötzlich ihr Kaffee vor ihrer Nase auftauchte. Azrael stand direkt neben ihr und sah amüsiert auf seine Sekretärin hinunter. Verdammte Magie, natürlich hatte sie ihn nicht bemerkt, wie er neben ihr aufgetaucht war! Sie nuschelte einen Dank und nahm ihre Tasse an sich, wollte so tun, als wäre nichts davon geschehen. Aber natürlich machte es ihr Azrael nicht so einfach. Er hielt ihr Früchtebrot noch immer in einer Hand, einzig die Folie hatte er etwas geöffnet, wohl um zu sehen, was sie ihm da gegeben hatte.
"Verrätst du mir auch, was das ist?", fragte er nach einer kurzen Stille. Catriona konnte ihn noch immer nicht ansehen.
"Ein Früchtebrot mit Whisky... Ist ein Rezept meiner Mom...", nuschelte sie an den Rand ihrer Tasse. Sie war ganz froh, dass sie seinen Blick nicht sehen konnte.
"Zum Teilen.", stellte sie gleich klar und jetzt schnaubte es neben ihr.
"Ich dachte, es wäre für mich?", entkam es ihm direkt und Catriona druckste abermals herum.
"Ich hätte gerne auch was ab.", murrte sie, immerhin war die Übergabe eine Kurzschlussreaktion gewesen. Azrael grinste und überlegte gekünstelt, ob er sich darauf einlassen würde, nur um sie zu ärgern.
"Wenn du mir Kaffee bringst.", forderte er als Gegenleistung und sie warf ihm einen halb amüsierten, halb giftigen Blick zu.
"Teufel.", gab sie nur zurück und der Dämon hob nur spöttisch eine Braue.
"Fast.", gab er gelassen zurück und sie begannen ihren Morgen wie üblich. Einzig, dass es diesmal das Früchtebrot zum Frühstück gab und Catriona nur zu gerne immer wieder davon naschte. Das gehörte für sie einfach zur Weihnachtszeit dazu.

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