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Alles nur ein Traum

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SunnyMerle
Gelöschter Benutzer

Alles nur ein Traum

von SunnyMerle am 07.09.2020 19:42

Eine extrem kurze Kurzgeschichte, die aufgrund eines Rollenspiels entstanden ist.
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Eine Straße, wie jede andere Straße. In einem Wohngebiet, wie es sie so viele in Deutschland gibt. Links und rechts gepflegte Vorgärten, Rasenflächen oder Auffahrten, dahinter die Häuser. Diese Straße kannte er so gut, hier in dieser Straße war er aufgewachsen. Er stand mitten auf dieser Straße, die völlig menschenleer war. Das Haus seiner Eltern befand sich zu seiner rechten, er blickte hinüber, dann spürte er etwas bedrohliches und doch bekanntes hinter sich. Schon bevor er sich umdrehte um zur Straßeneinfahrt zu blicken, wusste er, dass es kein Fahrzeug war, das dieses Gefühl ausgelöst hatte.

"Nein..." eine viel hellere Stimme als gewohnt erklang. Geschockt darüber betastete Ben seinen Hals, sah dabei auf seine Hände. Seine so viel kleineren Hände. "Nein..." die Kinderstimme klang nun panisch. Er wandte sich von der Straßeneinfahrt ab, wandte sich von der Seite ab auf der die Gefahr lauerte.

So schnell er konnte, rannte er die Straße hinauf. Seine Nackenhaare stellten sich auf, sein Herz fing an zu rasen. Schneller, schneller, wieso konnte er nicht schneller laufen? Immer mehr verschwammen die Einfahrten oder die Gartenzäune, die er aus seinen Augenwinkeln wahrnahm. Er hob einen Arm, rieb mit seinem Ärmel die Augen trocken in denen sich immer mehr Tränenflüssigkeit anfüllte. „Bitte nicht..." seine Stimme war nur ein atemloses keuchen. Seine Füße gerieten ins straucheln. Er fiel nach vorn, seine Knie sackten in das weiche, so bekannte Hindernis ein.

Sand, weißer perfekter Spielsand, Mitten auf der Straße war ihm dieser kleine Hügel Sand zum fast unüberwindlichen Hindernis geworden. Er warf seine Hände ebenfalls nach vorn, versuchte nun auf allen vieren den Hügel erklimmend, den Verfolgern die er nun sah, zu entkommen. Sein Herz raste noch mehr, als würde er versuchen einen Berg zu erklimmen und nicht versuchen auf einen Hügel zu kriechen, der höchstens einen Meter hoch war.

Kleine Wirbelstürme, nicht höher als 50 cm näherten sich ihm. Diese kleinen Wirbel trugen in sehr ungewöhnlichen Formen Sand mit sich, genau so gold gelben Sand wie den auf dem er versuchte hinauf zu kriegen. Sie waren geformt wie Zylinder, Würfel oder Kegel, nahmen das Hindernis des kleinen Sandhügels mit einer unglaublichen Leichtigkeit die dem Flüchtigen nicht vergönnt war.

Ein kleiner Sandwirbel, geformt wie Oktaeder berührte seinen Fuß. Sein Körper wurde versteinert, nicht mehr in der Lage weiter zu flüchten oder sich irgendwie bemerkbar zu machen. Ben fühlte sich, als verließe seinen Geist seinen Körper. Nun von außen sah er zu, wie diese so seltsam geformten Sandwirbel, seinen zur Statue gewordenen Körper umzingelten. Dennoch fühlte er, was mit seinem Körper geschah, vielleicht geschah es auch mit seinem Geist, der genau so hilflos war. Es war als warfen ihn hoch oder trugen ihn davon. Luft, er bekam keine Luft mehr, es war keine Luft mehr in seinen Lungen, er konnte nicht mehr atmen.

Schwer keuchend erwachte der junge Mann in seinem Bett. Er warf sich die Hände vor sein Gesicht, dort spürte er, das es nicht nur nass von Schweiß war. Während sein Blick auf seinen, nun wieder vom Gesicht leicht angehobenen, Händen lag, fragte er sich wieso diese Hände so zitterten. Selbst für die Nässe die er sich selbst aus dem Gesicht gewischt hatte, hatte er keine Erklärung.

Er rieb die Hände, an seiner Decke etwas trocken, dann mit einer barschen Handbewegung rieb er sich selbst über die Augen, verscheuchte die letzten Tränen die sich darin gesammelt hatten. Denn er wusste nicht mehr was sie dort hin getrieben hatten, auch für sein zittern, fand er schnell eine Erklärung. Er war nass vor Schweiß und das Schlafzimmer war kühl.

Ein Blick auf den Nachttisch sagte ihm, in gut 10 Minuten würde der Wecker klingeln. Ben schlug die Bettdecke von seinen Beinen, um diese dann mit schneller Bewegung über den Bettrand zu schieben. Noch während er aus dieser aufrecht sitzenden Position von seinem Bett aufstand, zog er sich das feucht geschwitzte Oberteil des Schlafanzuges über den Kopf.

Während er in die Richtung des Badezimmers schlurfte, schenkte er seinem zurückbleibendem Bett keinen weiteren Blick. So bemerkte er auch nicht die Sandkörner, die sich in einer Kuhle, auf dem hellen Lacken gesammelt hatten.

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